LICHTENFELS

Hospizverein Lichtenfels schenkt Nähe trotz der Pandemie

Ein Foto aus Vor-Corona-Zeit: Berührungen wie diese sind während der Corona-Krise schwieriger geworden - die Hospizarbeit läuft Dank der vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer zwar anders, aber trotzdem weiter. Foto: Johannes Wahler

Obwohl sich wohl viele Menschen in diesen Monaten mit den Themen „Krankheit“ und „Tod“ auseinandersetzen und auch deshalb die Kontaktbeschränkungen befolgen, gibt es Menschen, die in den letzten Tagen ihres Lebens persönliche Kontakte benötigen. Die Rede ist von Personen, die von unheilbarer Krankheit, Sterben, Tod und Trauer gezeichnet sind. Betroffene und Angehörige. Sie erhalten Unterstützung in Form von Begleitung und Betreuung durch den Hospizvereins Lichtenfels, dessen Arbeit durch die Corona-Krise zwar eingeschränkt, jedoch nicht unmöglich ist.

„Es gilt Wege zu finden, wie eine Begleitung in diesen Zeiten funktionieren kann“, sagt Vorstandsmitglied Barbara Popp-Heimerl. Das beginnt schon bei der Koordination der ehrenamtlichen Hospizbegleiter, die Patienten sowie deren Angehörige betreuen. Durch Zugehörigkeit zur Corona-Risikogruppe oder zum Schutz anderer pausieren viele der 35 Freiwilligen. „Deshalb müssen wir flexibel und kreativ sein um weiterhin betreuen und begleiten zu können“, berichtet Koordinatorin Sabine Schramm.

Mit FFP2-Schutzmasken und Schutzkitteln

Nicht immer können derzeit die Wünsche nach Begleitungszeiten erfüllt werden, manchmal müssen auch andere Kommunikationsmittel wie das Telefon genutzt werden. „Auch in Fällen, wo wir zu anderen Zeiten zwei Begleiter hingeschickt hätten, können wir nun nur einen einsetzen.“ In akuten Situationen sei aber ein persönlicher Kontakt gewährleistet. Das Tragen von FFP2-Schutzmasken und Schutzkitteln sei im Patientenkontakt unabdingbar. „Der Abstand zwischen den Personen ist zwar ein Hindernis, aber Beziehungen können auch mit Abstand gehalten und gepflegt werden“, weiß Barbara Popp-Heimerl aus Erfahrung.

Neben der Nähe am Sterbebett ist auch Beratung und Begleitung der Angehörigen ein wichtiger Kern des Vereins. Deren Unterstützung, Anleitung und Koordination möglicher Hilfsangebote in der für sie so schweren Situation findet nach wie vor statt – sogar mit steigendem Bedarf. „Die Betroffenen müssen sich in diesen Tagen Informationen viel mühsamer zusammensuchen. Überall ist der Kontakt reduziert, jeder bleibt auf Abstand. Wir nehmen uns die Zeit und die Gespräche dauern länger.“

Trotz vieler Mühen und kreativen Lösungen ist die Arbeit für den Hospizverein Lichtenfels nicht einfach. Eine Begleitung von Personen in den Seniorenheimen etwa beinhalte stets die Frage nach dem Schutz der Ehrenamtlichen und der Betroffenen. Die Ehrenamtlichen, die unheilbar erkrankte Menschen in den Einrichtungen besuchen, haben die Möglichkeit eines vorherigen Covid-19-Schnelltests. Die Besuche dort seien trotzdem reduziert, Telefonate und Gespräche werden jedoch gepflegt. Der Verein steht in engem Kontakt mit vielen Seniorenheimen und Pflegeeinrichtungen, die in der Pandemie eine immense Verantwortung tragen.

Dr. Andrea Starker ist eine der Vorsitzenden des Hospizvereins. Foto: Red

Viele Besuche der Mitglieder finden deshalb derzeit nur in der häuslichen Umgebung der unheilbar Erkrankten und deren Angehörigen statt. Inhaltlich spiele Covid-19 bei den zu Betreuenden dagegen keine größere Rolle als für andere Personen. Sabine Schramm spürt zwar eine Sorge um eine Infektion, aber keine Angst. Viele leiden etwa mehr darunter, die Angehörigen aus dem Seniorenheim oder zu Hause nicht sehen zu können.

Man könnte sagen: Die Corona-Krise schränkt Beziehungen ein – zwischen Hospizbegleitern, Patienten und Angehörigen, zwischen Koordinatoren und Ratsuchenden, zwischen den Ehrenamtlichen, macht sie aber nicht unmöglich. Auch, wenn Veranstaltungen wie etwa das monatliche Trauercafe zum offenen Austausch derzeit entfallen müssen, kümmert sich der Hospizverein – auch um „seine“ Freiwilligen, ohne die die wertvolle Arbeit nicht zu leisten wäre. Viele von ihnen sind durch persönliche Betroffenheit den Themen Sterben und Trauer nahe und haben sich in diesem speziellen Fachbereich weitergebildet.

Der jüngste Ausbildungskurs für ehrenamtliche Hospizhelfer konnte etwa erst im September mit hohem Organisationsaufwand und Hygienestandards abgeschlossen werden. „Trotz Abstand und Maske ist zwischen den Teilnehmern eine Nähe entstanden, die im Umgang mit diesem sensiblen Thema grundlegend ist“, hat Barbara Popp-Heimerl beobachtet.

Eine der drei Vorsitzenden des Hospizvereins Lichtenfels ist Barbara Popp-Heimerl. Foto: Red

Nun warten frisch geschulte Ehrenamtliche auf ihren Einsatz. Mit Situationen der Unsicherheit, die zum Umgang mit der Endphase des Lebens gehören, sind sie und alle anderen Begleitenden durch Ausbildung und Erfahrungen, vertraut. Das ist „ein guter Grundstock“ für die besonderen Herausforderungen in der Corona-Krise, betont Barbara Popp-Heimerl. Normalerweise findet ein groß angelegter Austausch des gesamten Teams im Zwei-Jahres-Rhythmus im Rahmen der „Auftankwochenenden“ statt. Ob dies 2021 möglich sein wird, ist noch fraglich. Die Kontaktpflege wird derzeit durch regelmäßige Briefe und E-Mails gewährleistet.

Neue Strukturen und kreative Lösungen: Wahl im Umlaufverfahren

Auch in anderen Belangen der Mitgliederpflege musste der Vorstand des Hospizvereins Lichtenfels kreativ werden: Im November und Dezember etwa wurde mit großem Engagement und Aufwand, nach mehrmaligen erforderlichen Verschiebungen einer Präsenzmitgliederversammlung, eine Mitgliederversammlung mit Neuwahl und Satzungsänderung im schriftlichen Umlaufverfahren durchgeführt – mit hoher Rücklaufquote und Erfolg. „Das ist sicherlich eine Innovation, die auch zeigt: Wir sind für neue Herausforderungen gewappnet“, bekräftigt Vorstandsmitglied Dr. Andrea Starker.

„Wir versuchen trotzdem, das Beste für diejenigen, die sich bei uns melden, herauszuholen,“ sind sich die Koordinatorin und der Vorstand einig. Während Letzterer gerade die Voraussetzungen für ein Gelingen der Vereinsarbeit geschaffen hat, berichtet Sabine Schramm auch von Projekten, die ohne die zusätzliche Zeit wohl erst viel später abgeschlossen geworden wären: ein Flyer für palliative Mundpflege und eine Informationsschrift für Seniorenheime über die Leistungen des Hospizvereins. Seit 1996 beraten und begleiten die Mitglieder unheilbare Erkrankte oder Sterbende auf ihrem letzten Weg und deren Angehörige. In diesem Jahr feiert der Verein mit Sitz im Pabstenweg sein 25-jähriges Bestehen.

Dreiköpfiger Vorstand für den Hospizverein Lichtenfels

Aus der Corona-Krise lernen und vorbereitet sein: Getreu dieser Maxime hat der Hospizverein Lichtenfels nicht nur einen neuen Vorstand gewählt, sondern auch seine Satzung geändert. Drei gleichberechtige Vorstände garantieren schnelle Handlungsfähigkeit, sollte einer von ihnen längerfristig verhindert sein. Diese Regelung gilt zwar für viele Vereine während der andauernden Corona-Krise. Der Hospizverein hat diese Sicherheit nun dauerhaft statuiert und für die nächsten drei Jahre Dr. Andrea Starker, Barbara Popp-Heimerl sowie Markus Kleinhenz an die Spitze gewählt.

Markus Kleinhenz von Vorstand des Hospizvereins Lichtenfels. Foto: red

Durch die beiden Lockdowns im vergangenen Jahr mussten geplante Mitgliederversammlungen mit Neuwahlen und Satzungsänderung mehrmals verschoben werden, ehe die Entscheidung durch ein schriftliches Umlaufverfahren mit erfreulich hoher Rücklaufquote gefällt wurde. In Zukunft können zudem Mitgliederversammlungen und Abstimmungen auch ohne Anwesenheit am Versammlungsort über elektronische Kommunikation stattfinden.

Das Team und der erweiterte Vorstand aus fünf Mitgliedern verspricht ein interessantes Verhältnis aus Zugehörigkeiten verschiedener Berufsgruppen wie etwa der sozialen Arbeit, der Medizin oder der Pädagogik sowie Erfahrungsstufen und persönlicher Hintergründe. Nach der konstituierenden Sitzung des Vorstandes, die noch im Januar stattfinden soll, ist geplant, baldmöglichst unter Einhaltung der coronabedingten Sicherheitsmaßnahmen einen Workshop abzuhalten, damit das neuen Teams zusammenwächst. „Es geht darum, nicht nur mit der aktuellen Situation klarzukommen, sondern auch gemeinsam zukunftsorientierte Ziele zu definieren und umzusetzen“, so Andrea Starker.

 

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