LICHTENFELS

Hoffnungen und Wünsche des BN-Vorsitzenden Reinhardt

Unter dem Motto „Das Eis ist heiß“ wies der Bund Naturschutz im Jahre 2008 nicht nur auf die Bedrohung für die Eisbären durch die Klimaerwärmung hin. Neben wertvollen Energiespartipps konnte man auch bei einem Quiz abschaltbare Steckerleisten gewinnen. BN-Ortsgruppenvorsitzender... Foto: Budn Naturschutz

Der Klimawandel schreitet voran: Das ist eine der größten Herausforderungen für die neue Regierung, in der nun auch Bündnis 90/Die Grünen sitzen. Eine Chance? BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt über seine Hoffnungen und Wünsche und die Forderungen des Bund Naturschutz.

„Mit dem Sprechgesang ,Warum sind wir da? … Für ein gutes Klima! … Prima, prima!‘, engagierten sich bei der ersten Fahrrad-Demo im September vergangenen Jahres viele Mitglieder des Bund Naturschutz gemeinsam mit der Initiative ,Klimaentscheid Lichtenfels‘ und der Organisation ,Fridays for Future‘ für mehr Klimaschutz und eine ökologische Verkehrswende.

Entscheidende Weichen für mehr Klimaschutz stellen

Bei der Abschlusskundgebung auf dem Marktplatz lobte ich die Teilnehmer: ,Liebe Klimaschützer und Naturfreunde, ich bin froh, dass Ihr Euch so engagiert, dass Ihr ein Zeichen setzt, dass die nächste Bundestagswahl endlich zur Klimaschutzwahl wird. Wir kämpfen seit Jahren für eine Energiewende, die Energie spart, aber auch den Ausbau von Sonne und Wind naturverträglich voranbringt, statt weiter auf Atom, Kohle, Öl und Gas zu setzen.‘

Nun hat die Koalition aus SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP die Möglichkeit, entscheidende Weichen für mehr Klimaschutz zu stellen, für ein zukunftsfähiges Bayern, ja, ein zukunftsfähiges Deutschland, und zwar ökologisch wie auch sozial-gerecht. Hier kommt auf Klimaschutz- und Wirtschaftsminister Robert Habeck eine Mammutaufgabe zu. Schon in wenigen Monaten sollen die ersten richtungsweisenden Gesetzesvorlagen in den Bundestag kommen, denn die großen Energieverbraucher, wie Zementindustrie, Stahlwerke, Aluminiumverhüttung und Papierfabriken brauchen langfristige Planungssicherheit.

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt (re.) und Bernhard Christoph (li.) von Bündnis 90/Die Grünen sowie der Ebensfelder ... Foto: Bund Naturschutz

Der Ausbau der erneuerbaren Energien muss schnell erfolgen

Folgt man der Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsförderung (DIW), ließe sich der gesamte Energiebedarf Deutschlands innerhalb der nächsten zehn bis 15 Jahre allein mit regenerativen Energien decken. Deren Ausbau müsste allerdings schnell erfolgen: bei der Photovoltaik auf das Fünffache und bei der Windkraft auf das Vierfache des derzeitigen Bestands.

Leider bleibt das Energie-Einsparpotenzial bei diesen Prognosen völlig unberücksichtigt. Würde man auf allen Ebenen des Energieverbrauchs von der Großindustrie bis zum Endverbraucher konsequent energiesparende Maßnahmen durchführen, könnte man allein schon 50 Prozent der Primärenergie einsparen.

„Nichtstun würde bedeuten, dass wir in Bayern bis zur Jahrhundertwende mit einer mittleren Temperaturzunahme um fünf Grad rechnen müssen.“
Anton Reinhardt, BN-Kreisvorsitzender
Groß war das Interesse an der Besichtigung eines Mehrfamilien-Solaraktivhauses in Bad Staffelstein mit innovativer, ener... Foto: Bund Naturschutz

Blick nach Bayern: Die Novelle des Bayerischen Klimaschutzgesetzes, welche monatelang unter Verschluss gehalten wurde, ist zum Jahresende nicht zuletzt durch den Druck des BN doch noch veröffentlicht worden. Sie ist aber leider nicht dazu geeignet, das 1,5-Grad-Ziel von Paris für den Freistaat einzuhalten. Erfreulich ist die endgültige Abschaltung des AKW Gundremmingen nach jahrzehntelangen Protesten und Aktionen, die maßgeblich vom BN initiiert waren. Der komplette Atomausstieg wird dann im kommenden Jahr in Bayern mit dem Abschalten von Isar II vollzogen.

Innerhalb des BN funktioniert die demokratische Willensbildung gut. Ich denke, wir sind keine Fundamentalisten und versuchen bei unterschiedlichen Auffassungen, etwa bei der Verwirklichung der Energiewende, einen breiten Konsens. Manchmal muss man halt von seinen Idealvorstellungen Abstriche machen und kompromissbereit sein, aber die Richtung auf dem Weg zur Klimaneutralität sollte auch in unserem Landkreis stimmen. Nichtstun würde bedeuten, dass wir in Bayern bis zur Jahrhundertwende mit einer mittleren Temperaturzunahme um fünf Grad rechnen müssen, also mehr als das Dreifache des Limits!

Denkmallandschaft darf nicht verschandelt werden

Die Kreisgruppe des Bund Naturschutz fordert beispielsweise, den Ausbau der Windenergie und der Sonnenenergie unter Wahrung von Umwelt und Naturschutzbelangen voranzutreiben, aber eine herausragende Denkmallandschaft, wie etwa der sogenannte ,Gottesgarten‘, darf nicht noch mehr verschandelt werden. Ebenso sollten weite Bereiche fruchtbaren Ackerlandes nicht für noch mehr Photovoltaikparks geopfert werden.

Die Energiewende beruht aus BN-Sicht auf den sogenannten 3-E-Säulen: Energiesparen, Energieeffizienz und dezentral erzeugte naturverträgliche Erneuerbare Energien.

Die Energiewende muss die Bereiche Strom, Wärme und Transport umfassen, nicht nur im Verbrauch hier bei uns, sondern auch bezogen auf Produkte, die importiert und hier konsumiert werden. Es gibt viele gute Gründe für eine dezentrale Energiewende: Gerechtigkeit, Teilhabe von Bürgerinnen und Bürgern an der Energiewirtschaft sowie Akzeptanz. Motivation und Umsetzung entstehen auch aus der Wertschöpfung für die Menschen vor Ort, und letztlich auch globale Verantwortung. Nachahmenswert wäre hier das Energiespardorf Oberleiterbach.

Dezentrale Energieerzeugung mit Bürgerbeteiligung

Die Energiewende voranbringen – dass dies nur mit breiter Bürgerbeteiligung möglich ist, betonte der Bund Naturschutz mi... Foto: Bund Naturschutz

Wir freuen uns, dass bei Seubersdorf, nahe der Autobahn A 70, die ersten drei Windräder im Landkreis Lichtenfels errichtet werden konnten. Eine dieser Windkraftanlagen hat eine Nennleistung von 2,5 Megawatt. Das reicht aus, um 2000 Durchschnittshaushalte mit Strom zu versorgen. Wir haben von Anfang an für eine breite Bürgerbeteiligung in unserem BN-Umweltbüro geworben. Mit der Gründung der ,Friedrich-Wilhelm Raiffeisen-Energie e.G.‘ ist es gelungen, auch mit geringen Beiträgen viele Bürger aus der Region für die dezentrale Energieerzeugung durch Windkraft zu gewinnen und am Erfolg teilhaben zu lassen.

Ein ähnliches Erfolgsmodell war die Gründung der Genossenschaft ,NEO‘ (Neue Energie Obermain). Hier wurden in den vergangenen Jahren einige Photovoltaik-Anlagen mit breitgestreuter Bürgerbeteiligung im Landkreis errichtet, die umweltfreundlichen Sonnenstrom erzeugen.

Die „ökologischen Leitplanken“ des Bund Naturschutz

Wir müssen in Bayern Wind- und Sonnenstrom kräftig dezentral ausbauen und dabei die Lücken, die Wind und Sonne an wenigen Tagen im Jahre nicht abdecken, mit Strom aus Biomasse und Blockheizkraftwerken füllen. Dabei müsste die Einspeisung für regionale Energienetze ebenso wie die Entwicklung leistungsfähiger Speichertechnologien stärker staatlich gefördert werden. Niemand würde von uns aber auf den Gedanken kommen, auf dem Staffelberg oder Banzer Berg ein Windkraftwerk oder am Vierzehnheiligener Berg eine Freiland-Photovoltaikanlage zu errichten.

Der BN sieht deshalb bestimmte ,ökologische Leitplanken‘ vor: Keine solchen Anlagen in Nationalparken, auch nicht in Naturschutzgebieten (NSG), nicht in SPA (Special Protektion Areas) und FFH-Gebieten, nicht in schutzwürdigen Wäldern, wie Naturwaldreservaten, aber auch nicht in besonders schutzwürdigen Landschaften.

Warum der BN das Wasserkraftwerk am Main bei Michelau ablehnt

Allen sogenannten Ökostrom-Projekten stimmt der BN nicht zu: Der Neubau eines Wasserkraftwerks am Main bei Michelau etwa ist aus ökologischer Sicht kontraproduktiv. Der BN hat eine ausführlich begründete, ablehnende Stellungnahme abgegeben, denn der Energiegewinn steht in keinem akzeptablen Verhältnis zum Schaden für die Gewässerqualität eines der letzten Abschnitte des frei fließenden Maines.

Die BN-Kreisgruppe vertritt die Meinung, dass jeder Landkreis dennoch einen ausreichenden Beitrag zur Energiewende leisten müsse. Fest steht aus unserer Sicht, dass das schrittweise Abschalten der Atomkernkraftwerke unumkehrbar ist; denn die breite Bevölkerung möchte nichts mehr mit dieser Risikotechnologie zu tun haben. Auch der Ausstieg aus der Kohleverstromung ist unumgänglich, wenn wir die Klimaerwärmung in den Griff bekommen wollen.

Daraus folgt, dass wir sparsamer mit unserem Energieverbrauch werden müssen. Die vorhandenen erneuerbaren Energien müssen in Zukunft vernünftig, das heißt mit ,ökologischen Leitplanken‘, ausgebaut werden und bei effizienter Nutzung auch einmal ausreichen, den Bedarf komplett zu decken.“

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt (re.) und Bernhard Christoph (li.) von Bündnis 90/Die Grünen sowie der Ebensfelder ... Foto: Bund Naturschutz
Groß war das Interesse an der Besichtigung eines Mehrfamilien-Solaraktivhauses in Bad Staffelstein mit innovativer, ener... Foto: Bund Naturschutz
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