COBURG

Hochschulforschung Coburg: Ein Prinz im Besprechungsraum

Mit der Kamera des Tablets erfasst Daniel Schneider den Raum und kann dabei virtuell Objekte wie das Albert-Denkmal platzieren. Foto: Julian Uebe

Erweiterte Realität, Metallteile aus dem Drucker, Storytelling im Marketing: Forscher der Hochschule Coburg kennen die Möglichkeiten der Digitalisierung – und helfen damit im Forschungsprojekt „roadmap FlexPro“ gemeinsam mit der Uni Bayreuth kleinen und mittelgroßen Firmen in der Region.

Ein Backsteingebäude am Coburger Sonntagsanger. Oberstes Stockwerk, Besprechungszimmer. In der Mitte steht Daniel Schneider und tippt auf einem Tabletcomputer. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Mixed Reality Lab, dem Labor für erweiterte und virtuelle Realität, das Professor Dr. Jens Grubert an der Hochschule Coburg leitet.

Und wie Realität erweitert wird, demonstriert Schneider: tipp,tipp, jetzt! Auf dem Bildschirm eine Live-Kameraaufnahme: Die gleichen weißen Wände, Tische und Stühle wie im Raum um Schneider herum, nur dass mittendrin jetzt das Prinz-Albert-Denkmal vom Coburger Marktplatz steht. „Ich kann außen herum gehen“, erklärt Schneider, hält das Tablet vor sich und läuft zwei Schritte. Im echten Raum ist hier nichts. Aber auf dem Bildschirm nähert er sich der Statue im Zimmer, bis die Falten an Alberts Umhang zum Greifen nah scheinen.

Ein Schaumodell sorgt für Staunen

Das realitätserweiternde Computer-Programm ist ein so genannter „Demonstrator“, ein Schaumodell, das zeigt, wie technische Innovationen angewandt werden können. Tipp, tipp: Albert verschwindet. An seiner Stelle steht jetzt ein Sofa. „Auch dieses 3D-Modell haben wir mit Hilfe von 3D-Scans erstellt – für einen Versandhändler in der Region.“ Kunden könnten das Möbelstück zum Test virtuell ins Wohnzimmer stellen, bevor sie es kaufen.

Knapp 20 Demonstratoren aus aktuellen Forschungsbereichen wurden im Forschungsprojekt „roadmap FlexPro“ bisher entwickelt. Es sind teils digitale, teils physische Modelle. Das Ziel ist immer, damit kleine und mittlere Unternehmen der Region in Sachen Digitalisierung zu unterstützen. Gefördert wird das Projekt durch den europäischen Fonds für regionale Entwicklung der EU (Efre), und es arbeiten Stellen der Universität Bayreuth und der Hochschule Coburg gemeinsam daran. Oft gibt es Schnittstellen zu mehreren Instituten. Daniel Kubat ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Coburger Institut für Prototypen- und Modelltechnik (IPM) von Prof. Dr. Markus Stark. Er beschäftigt sich damit, wie aus virtuellen 3D-Daten handfeste Realität wird: Aus Metall oder Kunststoff können beispielsweise Prototypen und Ersatzteile 3D-gedruckt werden.

Daniel Kubat zeigt, wie der Roboterarm zupacken kann – der graue Greifer stammt aus dem 3D-Drucker, kann Teile aus einer... Foto: JULIAN UEBE

„Bei uns geht es um die additive Fertigung, und da gibt es eine ganze Reihe praktische Anwendungsfälle, mit denen wir zeigen können, was technisch möglich ist.“ Er schwärmt von optimalen, bionischen Strukturen, die sich die Konstrukteure von der Natur abschauen: „Wir können so besonders leichte, stabile und individuell angepasste Teile mit hoher Funktionsintegration herstellen.“ „FlexPro steht für die flexible Produktion individueller Produkte“, erklärt Lena Pieper. Sie gehört als wissenschaftliche Mitarbeiterin zum Innovationsteam um Professor Dr. Christian Zagel vom Masterstudiengang ZukunftsDesign am Studienort Kronach. Für das Projekt hat sie gemeinsam mit den Bayreuther Kollegen eine Potenzialanalyse erstellt und die Herausforderungen der Unternehmen in Themengebiete gegliedert.

Die Möglichkeit, virtuelle Dinge in echte Räume zu stellen, ist für den Versandhändler beispielsweise genauso interessant wie für den Produzenten von Schaufensterpuppen. „Es geht darum zu zeigen, wann eine bestimmte Technologie für eine bestimmte Anwendung relevant wird und wie ein Unternehmen das für sich nutzen kann“, sagt Pieper. Sie forscht zu Innovationsmethoden, mit denen die Firmen niederschwellig arbeiten können: „Wir bieten Toolboxes, sozusagen digitale Werkzeugkisten, und Workshops zu Methoden des Design Thinking, der Customer Experience oder zur Vermarktung durch Storytelling.“

Über 40 kleine und mittelständische Unternehmen

Über 40 kleine und mittelständische Unternehmen aus der Region haben durch das Projekt bereits zukunftsweisende Innovationsmöglichkeiten kennengelernt. Eigentlich sollten die Demonstratoren den Industriepartnern jetzt in einem Show-Truck präsentiert werden. Wegen Corona ist das nicht möglich. Aber Flexibilität gehört in diesem Projekt zum Alltag, also findet die geplante Roadshow eben virtuell statt.

Die Demonstratoren können ab sofort hier ausprobiert werden.

Rückblick

  1. Kita Seubelsdorf: Endlich wieder ein Stück Normalität
  2. Corona-Tagebuch: Vom Wert der Familie
  3. Jürgen Panzer: Spalier gestanden, dann in den Einsatz
  4. Corona-Tagebuch: Mit Blick auf den Nordpolarstern
  5. Corona-Tagebuch: Auf dem Weg zur Toilette spukt es
  6. Blasmusiker Horst Sünkel hofft auf ein Ende der Stille
  7. Coburger Open Air erst im nächsten Jahr
  8. Corona-Tagebuch: Bezaubernde Einblicke
  9. Stadtplanung: Krisen beschleunigen die Veränderung
  10. Corona-Tagebuch: Ein gefiederter Feinschmecker
  11. Pfarrerin Anne Salzbrenner über den Corona-Streit
  12. Corona-Tagebuch: Der Coburger im VW-Bulli
  13. Ausstellung in Coburg: Grenzgänger in Glas
  14. Wandern bei den Nachbarn im Bamberger Land
  15. Bayreuther Uni lässt von sich hören
  16. Corona-Tagebuch: Von Sternsingern und Weicheiern
  17. Corona-Tagebuch: Es kann durchaus doppelt traurig sein
  18. Coburg: Die drei Musketiere zeigen es Corona
  19. Ian-Eric Schwenk: Trotz Impfung war er positiv
  20. Corona-Tagebuch: Verrückte Träume und Milch
  21. 460 Kilometer durch das Fränkische Seenland
  22. Uni Bamberg: Millionen für Digitalisierungsschub
  23. MGH Michelau bis Jugendtreff: Es wird Zeit für mehr Leben
  24. Corona-Tagebuch: Von der Suche nach dem Mond
  25. Mini-Welt in Reundorf: Pool, Traktor und wehende Wäsche
  26. Corona-Tagebuch: Der Kuss und die Frage
  27. Rosenberg Festspiele: Vorhang auf nach der Zwangspause
  28. Corona-Tagebuch: Von tiefer und echter Reue
  29. Corona-Tagebuch: Ein Küsschen zum Schluss
  30. Neuer Studiengang in Kulmbach
  31. Corona-Tagebuch: Die zielsicheren Blaubeeren-Boys
  32. Diözesanmuseum: „Upcycling” und der Sternenmantel
  33. Corona-Tagebuch: Am Ende steht ein Nummernschild
  34. Stefan Voll: Kultur ist wert(e)voll
  35. STC Redwitz: Matchball gegen Corona
  36. Corona-Tagebuch: Der gefragte Fälscher
  37. Professor Matthias Drossel: Was ein Corona-Tester erlebt
  38. Corona–Tagebuch: Halbherzige Raufbolde
  39. OT-Faktencheck: Die Mär von den Impftoten
  40. Online-Talk mit Lichtenfelser MdB Zeulner und Professor Ludwig
  41. Corona-Tagebuch: Besoffen in Marseille
  42. Die Biographie der Lichtenfelserin Maria Hollering-Hamers
  43. Corona-Tagebuch: Zumindest ist er jetzt sauber
  44. Der OT-Faktencheck zu einem Impfmythos
  45. Corona-Tagebuch: Vom Kampf gegen schlechte Gerüche
  46. Potzblitz und Pulverdampf: Actionbound der Veste Coburg
  47. Ernährungstipps von Marion Reich aus Trieb
  48. Corona-Tagebuch: Zweieinhalb Kilo Bohnen für 2,50
  49. Aus Weismain zurück nach Litauen: „Sind an Grenzen gestoßen“
  50. Corona-Tagebuch: Das Geheimnis der Sophatiker

Schlagworte