LICHTENFELS

HMS unterstützt Obdachlose: Für mehr Schutz in kalten Nächten

Selbst bis nach New York haben es die „Sheltersuits“ geschaft. In den USA gibt es leider viele Obdachlose. Foto: Tony Docekal

Menschen ohne ein festes Zuhause unterstützt die Sozialpädagogin Angela Lohmüller als Mitarbeiterin der Sozialen Beratung der Caritas. Sie gehört auch zum festen Team der OT-Leseraktion „Helfen macht Spaß“. Die Leseraktion unterstützt die Beschaffung von sogenannten „Sheltersuits“ für Obdachlose in Höhe von 2100 Euro. Mit 3000 Euro werden neue Lebensmittelgutscheine für Menschen in Not am Obermain von HMS finanziert.

„Das erste Gesicht war ein alter Mann. Seit fünfzehn Jahren arbeite ich als Sozialpädagogin in der Sozialen Beratung beim Caritasverband in Lichtenfels. Er kam an einem Abend kurz nach Weihnachten. Draußen war es bereits dunkel und es tobte ein Schneesturm. In einen langen Mantel gehüllt, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen kam er die Treppe herauf.

Sein Gesicht war voller Falten. Der Mann, der obdachlos war, bat höflich um eine Fahrkarte. Ich gab sie ihm, er bedankte sich und zog von dannen. Danach begegneten mir in meiner Arbeitsstelle noch viele weitere Gesichter von Menschen, die keinen festen Wohnsitz haben. Nicht immer war die Obdachlosigkeit so offensichtlich, wie bei dieser ersten Begegnung an diesem Winterabend.

Und auch wenn wir im Landkreis Lichtenfels in einem wunderschönen Landstrich - dem „Gottesgarten“ - leben, gibt es hier ebenso Menschen, die von Armut und Wohnungslosigkeit betroffen sind. Immer wieder kommen junge Männer zu uns, die mal hier mal dort bei Freunden schlafen. Auch Frauen waren schon bei mir in der Beratung, meist nach einer Trennung.

Dann wiederum Paare, die von Ferienwohnung zu Ferienwohnung ziehen. Ein Mann mittleren Alters, der im Auto schläft. Psychisch kranke Menschen, die kein Vermieter aufnimmt. Immer wieder verbringen ,unsere Obdachlosen' Nächte im Freien, auch bei Minusgraden.

„Die Geschichten sind so

vielfältig wie die Gesichter der Menschen. Nicht immer sieht man ihnen ihr Schicksal an.“

Angela Lohmüller, Soziale Beratung der Caritas

Ich weiß nicht, wo der alte Mann in dieser Nacht geschlafen hat. Aber ich weiß, dass es schnell gefährlich werden kann, wenn die Temperaturen sinken. Wir alle wissen das, aber es ist uns im Alltag nicht bewusst, wie wertvoll ein Dach über dem Kopf ist. Wie lebenswichtig ein Schutz vor Nässe und Kälte für uns ist.

Der „Shelttersuit“ ist eine wind- und wetterfeste Jacke mit einem abnehmbaren Schlafsack. Foto: Tony Docekal

Zwei junge Männer haben sich intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt. Der eine ist Bas Timmer aus den Niederlanden. Er hat Modedesign studiert und entwarf hochwertige Outdoorbekleidung. Aber als der Vater eines Freundes in einer Kältenacht auf der Straße starb schien es ihm falsch, modische Kleidung zu einem hohen Preis zu verkaufen, während sich viele Menschen nicht einmal warme und schützende Kleidung leisten konnten, um einfach zu überleben. Er hatte eine pragmatische Idee: Bas gründete die Firma Sheltersuit Foundation. Hier werden aus Abfallprodukten aus der Kleiderindustrie und gespendeten Kleidungsstücken sogenannte „Sheltersuits“ hergestellt.

Ein Sheltersuit ist eine regenabweisende Jacke mit abnehmbarem Schlafsack. Sie dient zum Überleben der Nächte auf der Straße. Genäht werden die Sheltersuits hauptsächlich von Geflüchteten, die kostenlose Sprachkurse erhalten und so in die Gesellschaft integriert werden.

Felix Schmitz aus Bayreuth ist der andere der beiden jungen Männer. Im Rahmen der Bayreuther Dialoge prämierte die Universität Bayreuth, an der Felix studiert, die Initiative der Sheltersuit Foundation. Beeindruckt von deren Arbeit fuhr er nach Enschede in den Niederlanden, dem Sitz der Sheltersuit Foundation. Dort lernte Felix die Organisation und ihre engagierten Mitarbeiter kennen. Fasziniert von der Idee und deren Umsetzung, beschloss er die Verteilung der Sheltersuits auch in Deutschland unterstützen.

Um Spenden zu sammeln schlief er eine Nacht im Sheltersuit auf der Straße. Mit den Geldern der vorab gesuchten Sponsoren konnten Sheltersuits für Oberfranken gekauft werden, die er nun an Beratungsstellen im Umkreis verteilt. „Es war ziemlich kalt in dieser Nacht, aber der Sheltersuit hielt mich warm. Ich konnte sogar meine Schuhe ausziehen, ohne kalte Füße zu bekommen“, sagt Felix Schmitz über seine Nacht im Freien.

So kam es letztlich dazu, dass drei von diesen Sheltersuits in Lichtenfels landeten. Auch wenn es im Landkreis Lichtenfels Notunterkünfte für Obdachlose gibt, wählen die betroffenen Menschen immer wieder andere Schlafplätze. Um diese Menschen zu schützen, ist es wichtig, sie mit einer wetter- und winterfesten Ausrüstung auszustatten. So können wir konkret Menschen in der Region helfen zu überleben.

Neben diesen Hilfen bieten wir auch Beratung bei Behördenangelegenheiten oder Unterstützung bei der Wohnungssuche an. Zudem können wir dank Spenden der Leseraktion von „Helfen macht Spaß“ bedürftige Menschen finanziell unterstützen, zum Beispiel durch die Ausgabe von Lebensmittelgutscheinen.

„Es war ziemlich kalt in dieser Nacht, aber der Sheltersuit hielt mich warm. Ich konnte sogar meine Schuhe

ausziehen, ohne kalte Füße

zu bekommen.“

Felix Schmitz, Sheltersuits-Unterstützer

Als die Verantwortlichen von „Helfen macht Spaß“ von der Sheltersuit Foundation hörten erklärten sie sich spontan bereit die drei bereits vorhandenen Sheltersuits aus Bayreuth auf zehn Stück aufzustocken. Die Kosten für einen Sherlsuit belaufen sich auf rund 300 Euro. Und auch weitere Lebensmittelgutscheine für 3000 Euro werden aus den Spendeneinnahmen von ,Helfen macht Spaß' zur Verfügung gestellt.

Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten und HMS-Spender für die großzügige Unterstützung! Damit können wir obdachlosen Menschen sinnvoll und schnell helfen.“

Weitere Informationen über die Sheltersuit Foundation gibt es unter www.sheltersuit.com.

 

Rückblick

  1. Ökologischer Lehrfriedhof in Wonsees
  2. Corona-Tagebuch: Bodenloser Käsekuchen
  3. Corona-Tagebuch: Die Schöne und eine Tasse Kaffee
  4. Virtuelle Reise in die Bamberger Synagoge
  5. Erzdiözese Bamberg: „Der Caritas ein Gesicht geben“
  6. Coburg: Neubau des IT- und Medienzentrums eingeweiht
  7. Corona-Tagebuch: Das Lächeln und die Vergesslichkeit
  8. Corona-Tagebuch: Die Sache mit dem „Hanla“
  9. Ausstellung „erschüttert“ am Gymnasium Burgkunstadt
  10. Spuren der Burgunder am Obermain
  11. Corona-Tagebuch: Zen-Mönche üben dafür Jahrzehnte
  12. Corona-Tagebuch: Ansage in der Ehe
  13. In Altenkunstadt feiern Senioren gemeinsam Erntedankfest
  14. Gärtnern mit der GemüseAckerdemie
  15. Corona-Tagebuch: Planlos durch den Alltag
  16. Corona-Tagebuch: Wenn der Witz in der Liebe fehlt
  17. Ninja Warriors Kids: Ist Svea Kasper noch zu stoppen?
  18. Sportprojekt: Gemeinsam für Bewegung sorgen
  19. ACorona-Tagebuch:„Deddanuss“
  20. Corona-Tagebuch: Von wahrem Glück völlig umgeben
  21. Corona-Tagebuch: Ganz spontan gewünscht
  22. Interkultureller Kochkurs: Über den Tellerrand hinaus
  23. Lucy Funk zeigt Rechenschwäche die Stirn
  24. Corona-Tagebuch: Die Sache mit der langen Hose
  25. Eduard Zifle und sein Lebenstraum „Jugendzentrum“
  26. Corona–Tagebuch: Mit den besten Absichten
  27. Sportstadt Coburg: Von der Vergangenheit in die Zukunft
  28. Kulturherbst Ellertal in Lohndorf
  29. Corona-Tagebuch: Die Sache mit der Vergesslichkeit
  30. Traktoren-Wallfahrt tuckert nach Vierzehnheiligen
  31. Corona-Tagebuch: Die Macht der Bücher
  32. HOS Lichtenfels: Schüler als junge Demokraten
  33. Corona-Tagebuch: Es ist der Fünfzigste
  34. Konzert in Bad Staffelstein: „Highlights der Blasmusik“
  35. Celtic Castle Festival auf Schloss Thurnau
  36. Corona-Tagebuch: Nach der Tragödie kommt das Glück
  37. Ärztinnen und Ärzte braucht das Land
  38. Corona-Tagebuch: Echte Filmkunst für das Herz
  39. Corona-Tagebuch: Wenn der Bauch im Weg ist
  40. Sonderausstellung „Ötzi – der Mann aus dem Eis“ in Coburg
  41. Probierbäumchen: Zugreifen ist erlaubt
  42. Corona-Tagebuch: Wenn der Bauch im Weg ist
  43. Zeitschrift „Museumsgala“: jeden Monat neue Gesprächsanreize
  44. Sofia Öttl hofft auf Wintersemester mit Präsenzunterricht
  45. Corona-Tagebuch: Das große Schnattern
  46. Schmerztherapie: Wenn die Qual zum Alltag wird
  47. Corona-Tagebuch: Wie man eine Veganerin ärgert
  48. Corona-Tagebuch: Was im Leben wirklich zählt
  49. Corona-Tagebuch: Augen auf bei der Berufswahl
  50. Bücher, die spielerisch in die Politik einführen

Schlagworte