KRONACH

Hilfe zu Zeiten der Wohnungsnot

Einrichtungstipps: Das ganze Leben in einem Raum
Davon träumt so mancher vergebens: In einer schönen und modernen Wohnung zu leben. Foto: Dpa

Es hätte verheerende Auswirkungen, müsste die Fachstelle für Wohnraumsicherung und Wohnungslosenhilfe der Kronacher Caritas am 30. November schließen. Diese erweist sich als immer notwendiger und segensreich für viele Betroffene. Dank der bisherigen Förderung des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales wurde die Einrichtung zu einer für sehr viele existentiellen Notwendigkeit. Zum Monatsende im November läuft die Förderung aus.

Die im Dezember 2020 bei der Kronacher Caritas eingerichtete Fachstelle für Wohnraumsicherung/Wohnungslosenhilfe ist ein Erfolgsmodell: 281 Menschen und Familien mit niedrigem Einkommen kamen in dieser Zeit mit der Bitte um Unterstützung und Begleitung. Bei 149 Anfragen konnte trotz schwieriger Bedingungen erfolgreich geholfen werden. Eine äußerst erfolgreiche und unverzichtbare Arbeit, die hier geleistet wird.

„Die Wohnungsnot in einem der reichsten Länder der Erde ist enorm und wird immer dramatischer.“
Ursula Kundmüller, Diözesan-Caritasdriektorin

„Die Wohnungsnot in einem der reichsten Länder der Erde ist enorm und wird immer dramatischer“, erklärte stellvertretende Diözesan-Caritasdirektorin Ursula Kundmüller: „Es spitzt sich immer weiter zu.“ Dabei hatten noch nie zuvor Menschen in Deutschland pro Kopf so viel Wohnfläche zur Verfügung wie heute. Gleichzeitig gibt es immer mehr Menschen, die auf der Suche sind. „Es herrscht Wohnungsnot – für bezahlbaren Wohnraum.“ Der Wohnraum ist ungleich verteilt. Wichtig wären deshalb Anregungen zu haben, die es älteren Menschen leichter machen, aus ihrer großen Wohnung zu gehen.

Ursula Kundmüller machte auf ein weiteres Problem aufmerksam: Mieten fressen einen immer höheren Anteil des Einkommens auf. Für armutsgefährdete Gruppen, Alleinlebende und Menschen mit Behinderungen besonders schlimm. Schon 2019 mussten alleinlebende armutsbedrohte Menschen in Deutschland 57 Prozent ihres Einkommens für Wohnkosten aufbringen – im Durchschnitt waren es ein Viertel. Die jetzige Inflation verschärft das bestehende Problem für weitere Bevölkerungsgruppen. Wohnungsnot weitet sich aus in die Mitte der Gesellschaft.

Mithilfe von Studierenden der Uni Bamberg ging die Familienhilfe im Diözesancaritasverband den Hintergründen für die Nöte der Ratsuchenden nach, erklärte Abteilungsleiterin der Barbara Borschert. Vor allem sind es Arbeitssuchende, Menschen mit Migrationshintergrund, körperlich – und geistig behinderte Menschen und Alleinerziehende, die betroffen sind.

Aber auch immer mehr Erwerbstätige, Obdachlose, Studierende, Senioren und Schwangere. Häufig wächst die Familie durch Nachwuchs. Manche Eltern stellen schon ihr Bett ins Wohnzimmer und die Kinder teilen sich ein Zimmer. Wohnungen werden immer teurer, manche haben auch gravierende Mängel. Seit vielen Jahren hat sich die Politik auf die Fahnen geschrieben, mehr zu tun – wirklich geschehen ist zu wenig. Gerade in den „Armutswochen“ ist es an der Zeit, den Finger in die Wunde zu legen.

„Die Wohnungsnot in einem der reichsten Länder der Erde ist enorm“, sagt die stellvertretende Diözesan-Caritasdirektorin... Foto: Rainer Glissnik

281 „Fälle“, das sind rund 900 betroffene Menschen, machte der Leiter Soziale Hilfen der Kronacher Caritas Clemens Weißerth deutlich. Die Kronacher Fachstelle für Wohnraumsicherung und Wohnungslosenhilfe ist tagtäglich mit betroffenen Menschen in Kontakt. Am Anfang steht ein umfassendes Gespräch, erläuterte Anita Swiduruk von der Fachstelle. Es muss geklärt werden, wie die Wohnung bezahlt werden kann. Da ist die Frage der Kaution. Rentner brauchen einen Antrag auf Wohngeld. Die Fachstelle begleitet die Menschen auch nach einem Einzug, um sie zu befähigen die Wohnung zu halten. Dieses Wissen erleichtert es einigen Vermietern, hier mitzuhelfen und Menschen eine Chance zu geben.

Mietverhältnisse, die auf längere Zeit angelegt

„Wir suchen Mietverhältnisse, die auf längere Zeit angelegt sind“, betont Clemens Weißerth. Von daher geht es auch darum, die Mieter zu befähigen, ihren Pflichten nachzukommen. „Es ist hilfreich, wenn die Caritas mit im Boot ist.“ Dies nutzt auch der Allgemeinheit. „Wir vermeiden Obdachlosigkeit.“

Steigende Inflation, erhebliche Energiekosten führen oft dazu, dass das Geld nicht mehr reicht. Die Caritas präsentierte zwei Einkaufswagen mit Einkäufen von je 50 Euro im Jahr 2019 und jetzt: der Einkaufswagen wird leerer. Allein 18,7 Prozent Steigerung im Lebensmittelbereich. „Das ist besorgniserregend“, zeigte sich Clemens Weißerth voller Sorgen. Und: Sozialer Wohnraum ist kaum noch vorhanden.

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