LICHTENFELS

Herbstbelebung am Lichtenfelser Arbeitsmarkt

Coronavirus - Freiburg
Die Gastronomie ist ein Spiegelbild der Pandemie: Gehen die Infektionszahlen hoch, wird Personal entlassen. Foto: SymbolPhilipp von Ditfurth/DPA

Die trotz der Corona-Krise in allen Regionen bereits im September spürbare Herbstbelebung am Arbeitsmarkt setzte sich im Oktober fort. Die Arbeitslosigkeit sank erneut in allen Kreisen und Städten des Agenturbezirks. Im Landkreis Lichtenfels fiel der Rückgang mit minus 8,6 Prozent (144 Personen) am größten aus.

Beschäftigungslos sind hier jetzt noch 1533 Frauen und Männer. Die Reduzierung fiel um 53,2 Prozent größer aus als 2019. Es verloren 16,1 Prozent weniger ihre Anstellung als 2019. Gleichzeitig konnten 23,5 Prozent mehr ihre Arbeitslosigkeit beenden als im Vorjahr.

Der Arbeitgeberservice meldet 849 offene Stellen

Im Vergleich zum Vorjahr hat die Zahl der Arbeitslosen um 247 Personen (plus 19,2 Prozent) zugenommen. Die Arbeitslosenquote verringerte sich im Oktober um 0,4 Prozentpunkte auf 3,9 Prozent (Vorjahr 3,3 Prozent).

Im Oktober bekam der Arbeitgeberservice 251 sozialversicherungspflichtige Jobangebote gemeldet. Das sind 36,4 Prozent (67) mehr als 2019. Im Bestand sind 849 Stellen, lediglich 2,2 Prozent (minus 19) weniger als vor einem Jahr.

Arbeitslosenquote liegt im Agenturbezirk bei 3,5 Prozent

Insgesamt hat sich im Agenturbezirk in den vergangenen vier Wochen die Zahl der Arbeitslosen um 536 Personen (minus 4,2 Prozent) auf 12 379 verringert. Trotz der konjunkturellen Folgen der durch Corona ausgelösten Krise sank die Arbeitslosigkeit damit um 3,5 Prozent kräftiger als im Vorjahr und liegt nun bei 3,5 Prozent (2019: 2,8 Prozent).

Im Oktober verloren 1343 Frauen und Männer ihre Arbeitsstelle. Das waren 5,7 Prozent (minus 81) weniger als im Vorjahr. In der gleichen Zeit konnten 1341 Personen ihre Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer neuen Beschäftigung beenden, 3,8 Prozent beziehungsweise 49 Menschen mehr als in 2019.

Von der Herbstbelebung profitieren Jugendliche und Ausländer

Von der Herbstbelebung profitierten vor allem die Jugendlichen (bis 25 Jahre). Deren Arbeitslosigkeit ging in den vergangenen vier Wochen um 17,7 Prozent beziehungsweise 266 Personen auf 1240 zurück. Im Vergleich zum Vorjahr sind es jedoch 22 Prozent (plus 224) mehr. Auch die Zahl der arbeitslosen Ausländer sank um 7,5 Prozent (minus 167 Personen) auf 2049. Sie lag Ende Oktober um 21 Prozent (plus 356) über dem Vorjahreswert. Beide Personengruppen sind in Krisenzeiten in der Regel von Entlassungen überproportional betroffen.

Einschätzung von Brigitte Glos, Leiterin der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg, zur aktuellen Situation am Arbeitsmarkt:

„Die Gastronomie ist ein Spiegelbild der Pandemie. Ist die Ampel grün, wird eingestellt, steigen

die Infektionszahlen, wird entlassen.“

Brigitte Glos, Leiterin der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg

„Im Oktober setzte sich der Herbstaufschwung in einer für diesen Monat üblichen Intensität fort. Die Arbeitslosigkeit sank den zweiten Monat in Folge seit Beginn der Krise. Seit drei Monaten verloren kontinuierlich weniger Menschen ihren Arbeitsplatz, während mehr eine neue Beschäftigung fanden als im letzten Jahr. Allein im letzten Monat wurden 366 Personen in der Produktion und Fertigung eingestellt, 15,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Bereich Verkehr und Logistik waren es 214 Personen, 11,5 Prozent mehr.

Um temporäre Auftragsspitzen abzudecken, steigt die Beschäftigung in der Zeitarbeit wieder, ein weiteres positives Signal. Allerdings beobachten wir hier einen Drehtüreffekt bei Einstellungen und Freisetzungen. Wir hatten bisher nur wenige für den Winter vorsorgliche Arbeitslosmeldungen vom Bau.

Ein Drittel weniger Betriebe in Kurzarbeit

Die Gastronomie hingegen ist ein Spiegelbild der Pandemie. Ist die Ampel grün, wird eingestellt, steigen die Infektionszahlen, wird entlassen. Ein bisheriges Novum – erstmals meldeten sich aufgrund der angespannten Situation im Tourismus Deutsche bei uns zurück, die seit Jahren aufgrund der besseren Verdienstmöglichkeiten in Österreich arbeiten. Fachkräfte werden in der Regel gehalten. Der Stellenmarkt wiederum erholt sich seit vier Monaten Schritt für Schritt. Wir stehen momentan an einem Scheideweg. Die Entwicklungen in den nächsten Tagen und Wochen werden entscheidend sein.“

Der Lockdown im März sorgte für einen rapiden überproportionalen Anstieg der Kurzarbeit. Mit den ersten wirtschaftlichen Lockerungen ab Mai nahm sie wieder ab. Im Juni (aktuellster Wert) bezogen im Agenturbezirk 3020 Betriebe für 43 159 Arbeitskräfte Kurzarbeitergeld. Verglichen mit dem Höchststand im April, verringerte sich die Zahl der Firmen in Kurzarbeit um ein Drittel (minus 33,3 Prozent) beziehungsweise 1511 Betriebe. Die Zahl der Kurzarbeiter sank um 8324 beziehungsweise 16,2 Prozent. Der Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg bekam im Oktober 1594 sozialversicherungspflichtige Stellenangebote gemeldet, 6,1 Prozent (plus 92) mehr als im letzten Jahr.

Herbst bringt Aufwind für Stellenzugang

Der Neuzugang an Stellen fiel trotz der Corona-Krise im vergangenen Monat sogar um 31,5 Prozent beziehungsweise 382 größer aus als im September. Zum Vergleich – im letzten Jahr, als die Konjunktur bereits leicht abflaute, gingen im Oktober 7,3 Prozent (minus 119) weniger sozialversicherungspflichtige Stellenangebote ein als im Vormonat.

Der Stellenbestand legte im Oktober um 193 Offerten (plus 3,2 Prozent) auf 6246 zu. Er ist den vierten Monat in Folge leicht gewachsen. Vor einem Jahr war er um 794 Angebote beziehungsweise 11,3 Prozent größer. Seit seinem Tiefpunkt vor vier Monaten verringerte sich der Abstand zum Vorjahresniveau um 1015 Jobangebote. Auf 100 Beschäftigungsangebote kommen rein statistisch 198 arbeitslose potenzielle Bewerber.

Produktion und Fertigung sind mit einem Minus von 25,3 Prozent auf 1910 Stellenangebote besonders getroffen, gefolgt vom Handel, Tourismus und Dienstleistungssektor mit minus 11,8 Prozent auf insgesamt 683 Stellenangebote. Im Gesundheitswesen sind es mit 924 Offerten 19 (plus 2,1 Prozent) mehr als 2019. (red)

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