LICHTENFELS

Helfen macht Spaß: Wenn die Rettungsdecke wärmen muss

Caritas-Mitarbeiterin Angela Lohmüller kann sich schon seit vielen Jahren auf die Unterstützung ihrer Klienten durch „Helfen macht Spaß” verlassen. Foto: Till Mayer

Angela Lohmüller arbeitet als Sozialpädagogin der Sozialen Beratungsstelle der Caritas. Seit vielen Jahren stellt sie die OT-Leseraktion „Helfen macht Spaß“ Anträge. Wem damit geholfen wird, und warum die Unterstützung so wichtig für ihre Arbeit ist.

„So hatte sich Herr M. seinen Neustart nicht vorgestellt. Nach einem halben Jahr Therapie in einer Suchtklinik sitzt er in einer kahlen Wohnung im Landkreis Lichtenfels. Zumindest hat er eine Wohnung, denkt er sich.

Diese ist jedoch ohne Heizung, Küche, Waschmaschine, Bett… allem, was man eigentlich zum Wohnen braucht. Dabei hat er keine hohen Ansprüche, ist sich sehr bewusst, dass er es selbst wieder schaffen muss auf die Beine zu kommen. So schläft er in den schon kalten Nächten auf einer aufblasbaren Luftmatratze. Damit es auf dieser nicht zu kalt ist hat er eine kleine silberne Rettungsdecke darüber gebreitet. Sie raschelt, wenn er sich umdreht. Zum Zudecken benutzt er zwei Decken aus der Kleiderkammer der Caritas. Da Herr M. noch keinen Herd hat, bereitet er sich Tütensuppen mit heißem Wasser aus einem Wasserkocher zu. Es ist sehr einsam in seiner neuen Behausung.

„ Manchmal sind es lange Leidensgeschichten, die wir hören, manchmal sind es ganz plötzliche Ereignisse, die Menschen aus der Bahn werfen.“
Angela Lohmüller, Soziale Beratungsstelle der Caritas

Sucht ist eine anerkannte Krankheit, auch wenn es in der Gesellschaft noch viele Vorurteile gegenüber Suchterkrankten gibt. Herr M. ist ein ruhiger, nachdenklicher und sympathischer Mann. Niemand sieht ihm seine schwere Suchterkrankung an.

Es war Herrn M. sichtlich unangenehm sich an uns zu wenden. Aber es ist ihm schlichtweg nicht möglich sich von dem wenigen Geld, das er aus staatlichen Leistungen zur Verfügung hat, eine komplette Wohnung einzurichten.

Mit einem Antrag bei der Leseraktion ,Helfen macht Spaß' konnte er sich einen Holzofen, einen Kühlschrank und einen Elektroherd kaufen. 1000 Euro hat er dafür als Unterstützung bekommen. Die restlichen Sachen will er sich nach und nach gebraucht kaufen.

Nun hat er es zumindest warm in seiner neuen Wohnung. Wichtig war das auch, damit er seine Kinder zu sich nach Hause einladen kann, die seit der Trennung von seiner Frau bei der Mutter leben.

Er vermisst sie sehr. Teure Ausflüge kann er sich nicht leisten und immer nur draußen sein geht wegen des zunehmend kalten Wetters auch nicht. Seine Kinder sind sein Ankerpunkt und der Grund, um weiter zu machen, abstinent zu bleiben, zuversichtlich zu sein. Er möchte ihnen ein guter Vater sein.

Plötzliche Ereignisse, die aus der Bahn werfen

Schicksale, wie die von Herrn M. erleben wir häufig bei uns in der Beratungsstelle. Manchmal sind es lange Leidensgeschichten, die wir hören, manchmal sind es ganz plötzliche Ereignisse, die Menschen aus der Bahn werfen.

Sicher kann man nicht alles möglich machen, aber wenn wir schnell und unbürokratisch helfen und damit die größte Not lindern können, tun wir das gerne.

Dabei haben wir das besondere Glück im Landkreis Lichtenfels, dass wir Anträge bei ,Helfen macht Spaß – einer Leseraktion des Obermain Tagblattes‘ stellen können. Durch die kurzen Bearbeitungszeiten bei der Antragsgenehmigung kommt die Hilfe schnell bei den Betroffenen an. Schön finde ich auch den Gedanken, dass Menschen aus der Region für Menschen in der Region spenden.

Gerade in so schwierigen Zeiten, wie jetzt während der Pandemie, ist es aufbauend die Solidarität der Bürger untereinander zu spüren.

Gerade jetzt sind Spenden wichtig

Mit Corona erwarten wir noch größere Einbrüche in der Einkommenssituation vieler Menschen. Deshalb ist es besonders wichtig, dass weiter gespendet wird.“

Für Spenden

In Zusammenarbeit mit den Wohlfahrtsverbänden hilft „Helfen macht Spaß“ (HMS) Bedürftigen am Obermain. Eine 20-jährige Tradition hat der HMS-Weihnachtsaufruf. Wie gewohnt werden dabei die Namen der Spender und die Höhe der Spende (ab zehn Euro) genannt. Spender, die dies nicht wollen, bitten wir, auf dem Überweisungsträger neben dem Stichwort „Helfen macht Spaß“ zusätzlich „Anonym“ zu vermerken. Herzlichen Dank! Ein Überweisungsträger ist heute beigelegt. Spenden: Sparkasse Coburg-Lichtenfels, BRK-Kreisverband Lichtenfels, Stichwort „Helfen macht Spaß“, IBAN: DE 26783500000000038885.

Rückblick

  1. Corona-Tagebuch: Leberwurst, Hüftschmerzen und Wunderheilung
  2. „Helfen macht Spaß“-Sonderaktion unterstützt Ukraine
  3. Corona-Tagebuch: Gendern und die Typ-Frage
  4. Bio-Hofladen in Laibarös trotzt dem Trend
  5. Corona-Tagebuch: Bares ist nicht immer Wahres
  6. Hochschule Coburg: In Bibliothek werden Menschen „gelesen“
  7. Main-Donau-Kanal vor 30 Jahren fertiggestellt
  8. Corona-Tagebuch: Gezielte Selbstpessimierung
  9. Helfen macht Spaß: Damit Weihnachten Freude bedeutet
  10. Corona-Tagebuch: Wiedergeburt, Hölle, Scheitern
  11. Kinderbuchstabensuppe: Vom Sams bis zur gestohlenen Gans
  12. Kostenfallen beim Essen vermeiden
  13. Corona-Tagebuch: Warum Traditionen wichtig sind
  14. Corona-Tagebuch: Unglaubliche Szenen auf Schulhöfen
  15. Corona-Tagebuch: Die Sache mit der Autorität
  16. Corona-Tagebuch: Worauf es im Leben wirklich ankommt
  17. Corona-Tagebuch: Ein wahrer Fachmann
  18. Corona-Tagebuch: Wutzke trifft Weihnachten
  19. Oberfranken will den demografischen Wandel gemeinsam gestalten
  20. Johanniter: Weihnachtstrucker rollen wieder
  21. Oberfranken ist „Innovationsort des Jahres 2022“
  22. Jens Pfeiffer will Mikroplastik im Wasser aufspüren
  23. Corona-Tagebuch: Weil es Elvira genau weiß
  24. Corona-Tagebuch: Was diese Welt zusammenhält
  25. Oberfranken Offensiv über Innovation im Medizinalltag
  26. Prof. Stefan Voll zu WM: Das Spielfeld der Doppelmoral
  27. Corona-Tagebuch: Die Pille? Aber nur vegan
  28. Forschung an Motoren- und Kraftstofftechnik der Zukunft
  29. Markus Maria Profitlich und Big Band der Bundeswehr kommen
  30. Bis 30. November bewerben bei Jugend forscht
  31. Corona-Tagebuch: Die Zumutungen der Wirklichkeit
  32. Rare Schnäppchen für Kunstliebhaber
  33. Corona-Tagebuch: Das große Schnattern
  34. Corona-Tagebuch: Von Abmachungen und gutem Karma
  35. Corona-Tagebuch: Vom Polsprung und vom Eisprung
  36. Corona-Tagebuch: Bilder von längst vergangenen Tagen
  37. Corona-Tagebuch: Optimismus kann man trainieren
  38. Corona-Tagebuch: Einohriger Cappuccino-Affe
  39. Wort des Jahres: Die Wahl fällt auf „Waafn“
  40. Corona-Tagebuch: Nur die Wahrheit zählt
  41. Portrait: Über das Wirken von Erzbischof Ludwig Schick
  42. Corona-Tagebuch: Turnschuhe und Toter Mann
  43. Sternstundenmarkt im Neustadter Spielzeugmuseum
  44. Eyrichshof: Kunst im Schlosshof
  45. Corona-Tagebuch: Irgendwo zwischen Kabala und Exorzisten
  46. Hilfe zu Zeiten der Wohnungsnot
  47. Corona-Tagebuch: Das große Schnattern
  48. Corona-Tagebuch: Die freundliche ältere Dame
  49. 24 Musiker spielen in Bad Staffelstein für die gute Sache
  50. Corona-Tagebuch: Echte Sparsamkeit

Schlagworte