Hand aufs Herz, die Vorsätze schon über den Haufen geworfen?

Matthias Hagen Foto: red

Hand aufs Herz! Gehörst Du heute, nach nur neun Tagen in 2021 vielleicht zu denen, die eigentlich seit 1. Januar Nichtraucher sind, aber trotzdem täglich und dieses Mal endgültig und wirklich die aller, aller...allerletzte Zigarette rauchen - und es morgen wieder genau so machen?

Oder, Hand aufs Herz, gehörst Du zu denen, die ihrem Körper etwas Gutes tun wollen, aber freilich – klaro – ihm am 6. Januar Stärke antrinken wollten/mussten und alle Pläne auf später verschoben haben: „Es steht doch sowieso die Fastenzeit unmittelbar bevor!! Und dann, ja dann....“! Dünner, gesünder, vegetarischer, netter, freundlicher, entschleunigter, fleißiger, entspannter, schneller, ruhiger: Was wir alles schon sind (oder ganz sicher noch werden) in diesen Tagen des neuen Jahres - oder dann ab morgen, (allerspätestens ab Montag!) - das ist schon toll.

Das Problem ist nur: Das geht in der Regel richtig den Bach hinunter. Bei mir hat das jedenfalls beim Jahreswechsel nie geklappt.

Ich merke nämlich, ich funktioniere nicht gut auf Befehl und Gehorsam, weder dem von außen noch dem von innen. Von außen oder von mir selbst erzwungen oder unter Druck gesetzt, fällt mir vieles schwerer, sperrt sich oder gelingt gar nicht.

Wenn ich mich verändern, etwas an oder in mir anders machen will und dazu ganz lieb gewonnene Eigenschaften und Gewohnheiten aufgeben oder andere annehmen will, dann .... ja dann, muss ich davon selbst überzeugt sein. Und Überzeugt-Sein heißt: Ich muss Vertrauen haben in das, was ich mir vorgenommen habe. Mehr noch: Ich darf Vertrauen haben in mich und auf das, was andere mir sagen und wünschen. Ich darf darauf vertrauen, dass wirklich in meinem Leben etwas spürbar anders, besser, schöner, gesünder, froher wird, wenn ich es tue.

In der evangelischen Kirche gibt es in jedem Jahr die Jahreslosung: Das ist ein kurzes biblisches Leit- und Begleitwort, das Christinnen und Christen - und wirklich nicht nur die – an der Hand nimmt und mitgeht durch ein ganzes Jahr in allen Wechselfällen des Lebens. Heuer steht es im 6. Kapitel des Lukasevangeliums: „Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ - Und dieses Wort soll mitgehen durch Dein ganzes Jahr.

Das Wichtigste: Egal, wie dieses Jahr angefangen hat, egal wie es weiter geht, gelingend oder eher misslingend: Ich habe einen Begleiter an meiner Seite, der barmherzig ist.

Dieses alte Wort bedeutet: Da geht einer neben mir her, der mich nicht bemisst, beurteilt, bewertet, begutachtet, mir ein schlechtes oder gutes Gewissen macht, je nachdem ob mir etwas glückt oder nicht. Ob dünner oder sportlicher, ob entspannter oder ausgeglichener, ob Nichtraucher oder Raucher zu werden: Alles keine Zwänge, die meinen Gehorsam fordern und mir Druck machen. Vielmehr ist da die Einladung eines barmherzigen Gottes, es zuallererst einfach gut mit mir zu meinen, wie ich jetzt am 9. Januar bin und da stehe. Ja, mich einfach gern mögen, auch wenn mir Vorhaben und Pläne schwer fallen. Ich glaube fest, anders geht es nicht, wenn meine großen und auch die kleinen Ziele und Vorhaben von Dauer und nachhaltig sein sollen!

Ändern und Verändern, dann leicht und wie von selbst? - Nein! Aber ich merke: Wenn ich mit mir selbst gut auskomme, gut zu mir und barmherzig mir selbst gegenüber bin, gehe ich schwere, Energie, Kraft und Durchhaltevermögen forderndn Dinge anders, leichter und gelassener, entschlossener und mutiger an.

Und ich begegne mit dieser Barmherzigkeit auch meinen Nächsten, meinen Lieben, meinen Mitmenschen freundlich, nachsichtig, vergebungsbereit und liebevoll.

„Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“

Probier' es mal: Einfach dieses Wort in Geist, Herz und Seele einpflanzen und mit ihm durch das Jahr 2021 gehen, im Gelingen und Misslingen, in Freude und Glück und noch mehr in Versagen und Enttäuschung.

Übrigens: Ich habe Übergewicht, bewege mich zu wenig, liebe Gummibärchen und Schokolade und habe manchmal schlechte Tage! Aber ich bin seit elf Jahren Nichtraucher und trinke seit acht Jahren keinen Alkohol – und fühle mich saugut!

Matthias Hagen,

evangelischer Pfarrer,

Bad Staffelstein

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