LICHTENFELS

Haarige Szenen einer Ehe zu Zeiten von Corona

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Dieses Mal geht es um Erkennungsrituale. Und warum sie reine Haarspalterei sein können.

Die Sache mit der Maske

„Neulich im Café. Doch, wenn ich' s dir doch sage', sagte die Frau zu ihrem Mann. Und der? Der schüttelte den Kopf und sagte: ,Ne, wirklich nicht.' Beide blickten zu dem neuen Gast, der eben zur Tür hereingekommen war. Wenn jemand Mütze und – wie derzeit üblich – überdies Maske trägt, dann ist das mit dem Erkennen wirklich nicht immer einfach. ,Jetzt glaub' s mir halt, das ist er', sagte die Frau zu ihrem Mann. Und der? Der schaute jetzt genauer hin und kam zum selben Schluss wie vorher: nö. ,Der müsste dann aber lange Haare haben', sagte jetzt der Mann zu seiner Frau. Und die? Die sagte: „Ja, aber nicht als Frisur.“ Ihr Mann schaute irritiert, leicht verstört. Vor allem aber überfordert.

Wer ist der unbkannte Mann

Dann bekräftigte er, sich ganz sicher zu sein, dass der Mann – wenn er es sein sollte - damals lange Haare gehabt habe. Die Frau sagte auch etwas zu ihrem Mann. Sie sagte: ,Schon – klar.' Und der? Der hielt seinen Blick fest auf den neuen Gast neben der Tür geheftet und beobachtete, wie der seine Motorradjacke auszog. Dann sah er auch, wie der seine Mütze abnahm. Zum Vorschein kamen kurze Haare. Raspelkurze Haare. ,Siehste', schien er mit triumphierendem Blick seiner Frau bedeuten zu wollen. Und die? Die hatte die Ruhe weg und sagte: ,Wart' s ab!'

In diesem Moment nahm der neue Gast an der Tür die Maske vom Gesicht und zum Vorschein kam ein ziemlich langer dünner Bart. ,Ach so rum war das mit den langen Haaren – die waren mehr unten', sagte ihr Mann jetzt. Seine Frau sagte nichts. Sie redeten ab jetzt überhaupt sehr wenig zum Kaffee. Liebes Tagebuch, Corona bietet einem Szenen. Auch Szenen einer Ehe.“

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