LICHTENFELS

Geschichten, die Kinder in ihrer Trauer trösten

Iris Birger und Stefanie Fischer sind Kinderbuch–Bloggerinnen. Vom Netz in die Tageszeitung geht es mit ihren Buchtipps mindestens ein Mal im Monat auf OTverbindet. Ihr Auftakt kommt mit einem schweren Thema passend zum Monat November und seinen Gedenktagen: Trauer – und wie Eltern ihren Kindern den Tod erklären können.

„Zuletzt häuften sich Anfragen unserer Leserschaft, ob wir Buchtipps zum Thema ,Tod' empfehlen könnten, um Kindern dieses wichtige Thema möglichst einfach erklären zu können. Genau in dieser Erwartung liegt vermutlich bereits die Ursache des Problems. Der Tod und der damit verbundene Verlust, sowie die folgende Trauer finden für Kinder nicht erst dann statt, wenn beispielsweise ein geliebter Mensch verstirbt. Bücher hierüber dürfen und sollten daher durchaus bereits ohne Anlass gelesen werden, denn Kinder sind neugierig und wissenshungrig.

„Warum?“ Die Antwort ist einfach und für Kinder in vielen Facetten erlebbar: Der einfache Wechsel von Anfang und Ende und wieder Anfang erklärt sich Kindern bereits im Lauf der Jahreszeiten. Verlust wiederum ist für viele bereits sehr früh erfahrbar zum Beispiel, wenn das geliebte Kuscheltier verloren geht. Trauer hingegen, zum Beispiel um das eigene Haustier, kann begleitet sein von Traurigkeit, Tränen und tiefen Emotionen.

Den Tod können bereits die Kleinsten verstehen

Und der Tod? Diesen wiederum können bereits die Kleinsten verstehen, wenn wir ihnen die Chance dazu geben: Ein vertrockneter Käfer, eine leblose Maus oder ein verstorbener Vogel im Garten oder beim Waldspaziergang können das Thema ,Tod' mit dem Beginn und dem Ende des tierischen und somit auch menschlichen Lebens im Sinne einer ersten Erklärung begreifbar machen. Den ,Rest' zu verstehen, dafür braucht es vermutlich ein ganzes Leben lang oder länger.

Wir vom Buchblog ,Kinderbuchstabensuppe' möchten kleine, mittlere und große Leserinnen und Leser für Bücher begeistern. Mit unserer Reihe „Bücherdrei“ überraschen wir Sie daher nun regelmäßig zu einem Fokusthema mit drei ausgewählten Büchern aus den Gattungen Bilderbuch, Kinder- sowie Jugendbuch. Auf diese Weise erhalten Sie die Chance, über alle Altersstufen hinweg ausgewählte und von uns geprüfte Literaturempfehlungen an die Hand zu bekommen, die verschiedenste Perspektiven eines Themas beleuchten und die Phantasie beflügeln.

Unsere Empfehlungen sollen Sie, liebe Buchfreundinnen und Buchfreunde, heute an die Hand nehmen, dem Thema ,Verlust, Tod und Trauer' einen Platz einzuräumen und jungen Menschen mit kindgerechten Informationen zu begegnen.

Mehrfach ausgezeichnetes Bilderbuch

Das mehrfach ausgezeichnete Bilderbuch „Füchslein in der Kiste“ handelt von einem Fuchs, der sich aufmacht und ein Plätzchen für seine letzten Tage sucht. Im Gepäck hat er einen Holzsarg, das im Titel benannte Kistchen, sowie einen Vorrat an Tomatensuppe in Dosen. Die ebenfalls in der Geschichte auftauchende, zunächst verängstigte Gruppe Kaninchen kann sich also beruhigen: Suppe für zahnlose Füchse steht auf der Speisekarte.

Die Vertrauen fassenden Kaninchen zeigen uns, was Trauer und Erinnerung bedeuten, während der Fuchs den Abschied und das Sterben verdeutlicht. In diesem wie auch in anderen Werken behält Antje Damm als Erzählerin das kindliche Begreifen im Fokus und wirkt niemals belehrend.

Das Buch drängt keine Botschaft auf und doch erschließt sich auf sanfte, ruhige, unaufgeregte Weise, was der Tod für den Sterbenden und für die Hinterbliebenen bedeuten kann. Der Sarg mitsamt seinem Inhalt könnte interpretiert werden als ein Symbol für den Übergang. Übergänge sind geprägt von Situationen, in denen Menschen ein bestimmtes Verhalten und Wissen erlernen. Gerade Kinder profitieren in ihrer Entwicklung von dieser bildlichen Darstellung des Übergangs zwischen Leben und Tod, der mit liebenswerten und interessanten Tieren nacherzählt wird.

Im Kinderbuch „Was mach ich nur mit meiner Trauer“ wird gleich über den Titel eine sehr große Frage gestellt, auf die viele kleine Antworten folgen, um Abschied, Traurigsein und Tod einfühlsam und kindgerecht zu erklären. Es gibt keine richtige oder falsche Emotion und es gibt ebenso keine richtige oder falsche Art zu trauern. Alles ist ok! Du bist ok!

Starke Botschaft unterstützt Eltern

Diese starke Botschaft unterstützt Eltern und Kinder beim gemeinsamen Austausch und hilft zu verstehen. Dies kann in Form der kleinen Textpassagen oder einfach nur anhand der farbintensiven und phantasievollen Illustrationen passieren. Die Geschichte selbst handelt von Marie, deren Uroma gestorben ist. Wie geht es danach weiter? Warum ist Marie traurig, und was kann das Traurigsein etwas lindern? Was kann Marie in diesen schweren Tagen Halt geben? Durch die Erklärung der Sachinformationen aus Sicht der Kinder, können sich die kleinen Leserinnen und Leser in Marie hineinversetzen. Ein Buch, das Empathie fördert und wie eine warme Decke ist, wenn es um einen herum kalt wird. Dagmar Geisler ist Bestsellerautorin und Expertin für Kinderentwicklung. Sie versteht es seit über 25 Jahren Sachbücher zu entwerfen, die Kindern in ihrer emotionalen Entwicklung helfen und Halt geben.

Stefanie Höfler erzählt in ihrem Jugendroman „Der große schwarze Vogel“ sensibel und authentisch ,wie man damit klarkommt. Oder wie man eben nicht damit klarkommt', wenn die eigene Mutter stirbt. Der 14jährige Ich-Erzähler Ben, sein kleiner Bruder und sein Vater gehen mit dem plötzlichen Schicksalsschlag, die Mutter und Frau so unerwartet verloren zu haben, sehr unterschiedlich um: Von Angst, Wut und Trauer über In-sich-gekehrt sein, Resignation und Leere bis hin zu Aktivität, der Suche nach Nähe und Gesprächen werden viele Facetten der Trauerarbeit angesprochen.

Besonders bei seiner Klassenkameradin Lina, die ein ähnliches Schicksal teilt, kann Ben sich öffnen und erlebt nicht nur erste zarte Liebesgefühle, sondern auch, dass es in dem erlebten Drama eine Perspektive geben kann. Höfler zeigt dabei in einem gelungenen Perspektivwechsel zwischen Davor, Jetzt und Danach auf, welche Folgen und Veränderungen der Tod eines nahestehenden Menschen mit sich bringen, aber auch, dass nicht nur der Verlust, sondern auch die Erinnerungen zentral für die Trauer sind. So schafft Höfler eine stimmige Verbindung zwischen Trauer und Hoffnung, bei der Tod und Leben, Vergangenheit und Zukunft nebeneinander einen Platz haben dürfen.

Einfach mal im Blog vorbeischauen

Weitere Buchempfehlungen zu diesem Thema finden Sie auf unserem Blog www.kinderbuchstabensuppe.de sowie in den Sozialen Medien. Außerdem dürfen wir Dagmar Geisler in unserem Podcast ,Buchtalk' begrüßen.

Viel Freude beim Lesen und Hören wünschen Iris Birger und Stefanie Fischer.“

Bücher und Links

„Füchslein in der Kiste“ - ein Bilderbuch ab fünf, geschrieben und illustriert von Antje Damm, 32 Seiten, erschienen 2020 im Moritz Verlag (persönliche Erfahrung: bereits ab 4 Jahren geeignet zum Vorlesen mit

Dialog)

„Was mach ich nur mit meiner Trauer?“ - ein Sachbuch für Kinder ab fünf Jahren, geschrieben und illustriert von Dagmar Geisler, 32 Seiten, erschienen 2018 im Loewe Verlag „Der große schwarze Vogel“ - ein Jugendbuch ab 12, nominiert für den

Deutschen Jugendliteraturpreis 2019, geschrieben von Stefanie Höfler, 182 Seiten, erschienen 2019 im Beltz & Gelberg Verlag

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