SCHNEY

Die Geschichte der Schneyer SPD

Geschichte der Schneyer SPD: Wiederaufbau und Neugestaltung
Der aktuelle Vorstand des SPD-Ortsvereins mit 2. Vorsitzenden Monika Goller (li.) und Vorsitzender ElkeWerner (4. v. li.). Foto: Reinhard Blechschmidt

Als der Zweite Weltkrieg im Mai 1945 zu Ende war, lagen nicht nur die Städte und ganze Landstriche in Trümmern, sondern auch das ganze gesellschaftliche Gefüge. Es galt vor allem auch auf unterster, kommunaler Ebene wieder aufzubauen, zusammenzufügen, zu reorganisieren und zu heilen. Fritz Eberth verstand es die amerikanische Besatzungsmacht, die auch in Schney das Sagen hatte, zu überzeugen, der SPD einen Neuanfang zu erlauben.

Viele ehemalige Mitglieder der Partei hatten auch während der Nazi-Herrschaft untereinander, zum Teil konspirativ, Kontakt aufrecht erhalten und so konnte man relativ schnell die Strukturen reorganisieren und wieder Verantwortung vor Ort übernehmen. Auch in die traditionell mit der SPD verbundenen Organisationen und Vereine im Ort kehrte Leben zurück. Die Konsumgenossenschaft nahm wieder ihre Arbeit auf und kümmerte sich um die Versorgung der Bevölkerung. Bereits 1945 herrschte bei den Freien Turnern wieder Aufbruchsstimmung. 1950 erwarb der Verein das Schloss Schney und 1950/51 entstand als Anbau eine neue Turnhalle. 1946 trafen sich die Sänger des ehemaligen Arbeitergesangvereins zur ersten Chorprobe, man nannte sich aber nur noch neutral Gesangverein.

Traumwerte für die Genossen bei den Wahlen

Die weitere Entwicklung des Ortes Schney war nun auf Jahrzehnte wieder eng mit der SPD verbunden. Bei den Gemeinderatswahlen erhielt die Partei stets einen Stimmanteil von 70 Prozent im Schnitt und die Bürgermeister an der Spitze, alle ausschließlich von der SPD, erzielten bei den Wahlen noch bessere Ergebnisse, vor allem Fritz Eberth erhielt bis zu seinem Ausscheiden aus dem Amt oft über 90 Prozent Zustimmung. Die Bürger von Schney honorierten das Engagement dieser Leute und es gab genug Aufgaben, die zu bewältigen waren.

Geschichte der Schneyer SPD: Wiederaufbau und Neugestaltung
Beim Fest zum 110-jährigen Bestehen des SPD-Ortsvereins ist Willy Brandt zu Gast. Foto: Reinhard Blechschmidt

Sie erforderten von den Bürgern viele Opfer, auch finanzieller Art, aber man sah, dass es vorwärts ging. Neben den Kriegsschäden, die auch in Schney durch die zerstörten Brücken sichtbar waren, mussten zunächst viele zuziehende Flüchtlinge aus dem Osten untergebracht und integriert werden, neues Baugelände musste erworben und erschlossen werden, die Errichtung einer zentralen Kanalisation war dringend erforderlich, Ortsstraßen mussten ausgebaut werden und die zuverlässige Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser war eine ebenso dringliche Aufgabe, die durch den Anschluss an die Fernwasserversorgung Oberfranken gelöst wurde.

Die Euphorie über die Eingemeindung war begrenzt

Alle Bürgermeister bis zur Eingemeindung nach Lichtenfels waren damit befasst. Nach dem Ausscheiden von Fritz Eberth aus Altersgründen aus dem Amt des Bürgermeisters übernahm 1966 der Landtagsabgeordnete Nikolaus Stamm diesen Posten. Leider verstarb dieser ganz plötzlich 1974 und so wurde der damalige Zweite Bürgermeister Erich Strähnz sein Nachfolger, allerdings nur für eine Wahlperiode. Ihm blieb die traurige Aufgabe vorbehalten, die Selbstständigkeit der intakten, vorbildlich geführten und gut ausgestatteten Gemeinde aufgrund der Bayerischen Gebietsreform in die Gemeinschaft mit der Stadt Lichtenfels überzuführen. Am 27. April 1978 endete die Selbstständigkeit der Gemeinde Schney im Rahmen einer letzten öffentlichen Sitzung.

Der Ortsverein Schney blieb jedoch eigenständig und an dieser Stelle sei an die Vorsitzenden nach dem Zweiten Weltkrieg, die alle mit viel Engagement und Herzblut für „ihre Schney“ gewirkt haben, erinnert: Johann Stamm, Gustav Krämer, Werner Seidel, Hans Kirchner, Nikolaus Stamm, Erich Strähnz, Heinz Gärtner und Rudi Breuning. Die gegenwärtige Vereinsführung unter Leitung von Elke Werner ist insgesamt weiblicher und jünger geworden, was durchaus eine Chance für die Zukunft sein kann.

Geschichte der Schneyer SPD: Wiederaufbau und Neugestaltung
Die Gemeinderatsfraktion der SPD 1978 kurz vor der Eingemeindung: (stehend, v. li.) Hans Knöferl, Andreas Gutgesell, Ott... Foto: Reinhard Blechschmidt

Die Stärke der SPD wirkte sich auch über die Ortsgrenzen und sogar die Region hinaus aus. Schneyer Sozialdemokraten wirkten im Kreistag mit, der Schneyer SPDler Helmut G. Walther wurde Landrat und Nikolaus Stamm war Mitglied des Landtags. Die lange Geschichte der Schneyer SPD führte vielleicht immer wieder dazu, dass sich Bonner Politprominenz zu diversen Jubiläen sehen ließ.

Die Prominenz ließ sich gerne in Schney sehen

Bereits 1960 war der damalige Vorsitzende der SPD, Erich Ollenhauer, zu einem Arbeitsbesuch auf Schloss Schney. Er ließ es sich nicht nehmen eine Versammlung der Schneyer Genossen zu besuchen. Als Gastredner für das 90jährige Jubiläum konnte der Vizepräsident des Deutschen Bundestags und einer der Gründerväter des Grundgesetzes, Professor Carlo Schmid, gewonnen werden. Beim 100. Jubiläum 1971 hielt der damalige Chef des Bundeskanzleramtes, Professor Horst Ehmke, die Festrede und 1996 übernahm der Vorsitzende der Bundestagsfraktion Rudolf Scharping diese Aufgabe. Ein Höhepunkt in der Nachkriegsgeschichte der Schneyer SPD war zweifellos der Besuch von Willy Brandt, dem Vorsitzenden der SPD und Ex-Bundeskanzler, zum 110-jährigen Bestehen. Im Festzelt auf dem Schlossplatz begrüßten 3000 Zuhörer den Gast und feierten ihn begeistert.

Brandt spannte in seiner Rede den Bogen von der langen Geschichte des Ortsvereins bis hin zur großen Politik. Er erklärte, wie wichtig die Arbeit an der Basis sei und forderte seine Parteifreunde auf, für Lebendigkeit und Zuverlässigkeit zu sorgen. Das wären die Schlüssel für den Erfolg. In diesem Sinne kann man dem Jubiläumsverein nur wünschen, dass er noch lange auf konstruktive Weise das demokratische Geschehen auf kommunaler Ebene mitgestaltet.

 

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