LICHTENFELS

Gericht Lichtenfels: Kleiner Tumult nach hartem Urteil

Amtsgericht: Ein übler Ausraster mit schweren Folgen

Es kam zu einem Tumult während der Urteilsverkündung vor dem Schöffengericht. Mit dem Kommentar „So ein Gelaber“ stürmte ein Mann aus dem Gerichtssaal, als er hörte, dass die Angeklagte zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten verurteilt wurde. Die wegen gefährlicher Körperverletzung in Mittäterschaft verurteilte 33-jährige Frau aus dem Landkreis verließ den Saal wenig später unter Tränen.„Ich kann das nicht hören, weil das nicht stimmt“, sagte sie.

Zu einer Schlägerei auf dem Lichtenfelser Marktplatz war es am Abend des 17. Juni vergangenen Jahres gekommen. Die Aussagen von zwei Frauen, die die Auseinandersetzung von einem Lokal aus beobachtet hatten, wichen stark von den der Darstellung der Angeklagten ab. Auch von denen des 52-jährigen Opfers.

Angeklagte leugnet, Gewalt angewandt zu haben

Staatsanwältin Anna Saam warf der Angeklagten, die in einem Pflegeberuf arbeitet, vor, dem am Boden liegenden Mann mit dem Schuh ins Gesicht und gegen den Oberkörper getreten zu haben. Zuvor hatte ihn eine andere Person mit einem Faustschlag ins Gesicht umgehauen. „Ich habe ihn nicht geschlagen, ich habe ihn auch nicht getreten“, behauptete die Angeklagte.

Etwas anderes hatten zwei junge Frauen von einem Lokal aus beobachtet. Eine 23-jährige Versicherungskauffrau, gab an, schon vor 20 Uhr „lautes Geschrei“ gehört zu haben. „Die Stimmung war schon recht angeheizt und wir hatten das Gefühl, dass noch was passieren würde“, sagte sie. Die Angeklagte und der 52-Jährige hätten sich um Schulden von zehn oder 20 Euro gestritten.

„Er lag schnell am Boden und hat versucht, seinen Kopf zu schützen“, gab die Zeugin zu Protokoll. Die Angeklagte habe ihn auch gegen die Wirbelsäule getreten, sagte sie auf Nachfrage von Richter Matthias Huber. Das bestätigte auch eine weitere 23-jährige Frau, die auch in dem Lokal saß. „Die Frau hat immer wieder gerufen, sie wolle ihr Geld haben (…) und von meiner Perspektive sah es so aus, als ob das (mit den Tritten) gegen den Kopf ging“, sagte sie.

Verwunderlich war, dass das Opfer den Vorfall weitaus harmloser schilderte. Die Frau habe ihn aufgebracht angerufen, worauf er sie mit den Worten „Halt die Fresse, du blöde Schlampe“ abgewimmelt habe. Bei der späteren Begegnung auf dem Marktplatz, habe ihn die Angeklagte nicht geschlagen, sondern auf ihn „eingefuchtelt.“

Opfer erinnert sich nicht an Fußtritte

Er sei von hinten gestoßen worden und zu Boden gefallen, aber Fußtritte habe er nicht abbekommen. Das ließ Richter Matthias Huber misstrauisch nachfragen: „Sie erinnern sich noch, was Sie bei der Polizei gesagt haben? Das war etwas völlig anderes als was Sie heute sagen.“ Der Mann behauptete dennoch: „Das habe ich nicht anders gesagt.“ Der Richter verwies jedoch auf die andere Aussage in den Akten.

Die Frage, wer den Mann umgestoßen hatte, wurde durch die Aussage eines 39-jährigen Manns, der zurzeit in der Kronach Justizvollzugsanstalt inhaftiert ist, geklärt. „Ich bin vor zum Marktplatz und hab' dem Geschädigten ein paar neighaut“, sagte der Mann. „Weil er es verdient hat“, lautete die Antwort auf die Frage nach dem Grund.

Gegen die Angeklagte sprach, dass sie zum Zeitpunkt der Tat unter Bewährung stand. Sieben Vorstrafen, meist Drogenvergehen, hat die 33-Jährige. Außerdem gab sie zu, am Tag vor der Verhandlung mehrere Joints und Alkohol zu sich genommen zu haben.

Da die beiden Augenzeuginnen die Frau überführt hätten, sah Staatsanwältin Anna Saam die Anklage als erwiesen an. „Ich sehe hier keinen minderschweren Fall“, sagte sie und beantragte zwei Jahre und zwei Monate Haft. Rechtsanwältin Anett Raumschüssel plädierte auf 13 Monate Haft zur Bewährung. Das Urteil des Schöffengerichts fiel wegen der zahlreichen der Vorstrafen noch härter aus: Zwei Jahre und sieben Monate ohne Bewährung.

Schlagworte