LICHTENFELS

Gedanken zum Advent: Plätzchen-Bruch

Corinna Tübel Foto: red

Gedanken zum Advent

Unsere Mitarbeiterin Corinna Tübel aus Roth beschenkt die OT-Leser mit einem gedanklichen Adventskalender. (Fast) jeden Tag öffnet sich bis Heiligabend ein Lesetürchen:

Sparen in der Weihnachtszeit tut besonders gut, nicht wahr? Wenn man das Gefühl hat, an einer Stelle ein Schnäppchen zu machen, kann man an anderer guten Gewissens über die Strenge schlagen. Deshalb haben mein Mann und ich uns aufgemacht zum vorweihnachtlichen Outlet-Shopping.

Gestartet haben wir in einem Sport- und Outdoor-Outlet in unserem Landkreis. Angezogen von den magischen roten Preisetiketten marschierte ich mit drei warmen Jacken aus dem Geschäft. Dass ich immer nur eine anziehen kann, möchte ich gerade nicht wissen. Taktisch klug, weil man hat ja gerade „was mit Sport“ gemacht, ziehen wir weiter ins Möbel-Outlet, denn es ist Zeit für einen neuen Wohnzimmertisch.

Ins Auto lade ich zwei Tüten voller Deko unter und über und neben dem Wohnzimmertisch. Schließlich soll dieser – wenn er denn dann mal irgendwann einzieht – in ein wohnliches Ambiente kommen und sich gleich wohl fühlen.

Nach diesen aktiven und empathischen Tätigkeiten geht es weiter in ein bekanntes Keks-Outlet, doch kurz vor der Tür bleiben wir stehen. Eigentlich genießen wir zur Zeit selbst gebackene Plätzchen viel mehr. Und heil und für den Verkauf geeignet sind wohl auch nicht alle. Leider schlägt Google kein „Plätzchen-Bruch-Outlet“ vor.

Nach dreimal Schnick-Schnack-Schnuck bin natürlich ich diejenige, die in die nächste Bäckerei gehen muss und etwas peinlich berührt fragen muss: „Was machen Sie eigentlich mit den Plätzchen, die nicht so schön geworden sind.. oder.. äh.. abgebrochen?“ Die Verkäuferin mustert mich – verständlicherweise – als wäre ich der seltsamste Kunde aller Zeiten. Bin ich vermutlich auch. Dann bricht sie in schallendes Gelächter aus und schenkt mir eine Tüte gemischter Plätzchen. Eine Antwort bleibt sie mir schuldig, denn ich verlasse schnell den Laden.

Aber ich hätte schon eine Idee: Die Kindergartenkinder der Region unterscheiden oft nicht zwischen „perfekt“ und „unperfekt“. Sie würden sich sicher über „Plätzchen-Bruch“ freuen.

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