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Gaststätten im Landkreis: Zwischen Hilfen und Hilflosigkeit

Gaststätten im Landkreis: Zwischen Hilfen und Hilflosigkeit
Anja Langer richtet ein Gästezimmer her . Der Gast, ein Monteur, wird gegen Abend erwartet Foto: Monika Schütz

Seit vielen Monaten sind sie geschlossen: die Biergärten,Gaststätten und Restaurants. Erst wurden den Betreibern von staatlicher Seite strenge Hygieneregeln aufgebrummt, die gewissenhaft und teils auch mit großem finanziellen Aufwand von den Betrieben in guter Hoffnung umgesetzt wurden. Dann wurde ihnen wegen deutschlandweit steigender Infektionszahlen die Öffnung untersagt. Wie also geht es weiter?

Seit dem Beginn des Lockdowns für die Gastronomie im November 2020 ist keinerlei Bewirtung vor Ort mehr erlaubt, Übernachtungen sind aus touristischen Anlässen verboten. Das Weihnachtsgeschäft fiel aus, lediglich Essen zum Abholen oder Lieferservice waren und sind auch noch jetzt erlaubt.

Nun sind vier Monate vergangen, wir haben Ende März 2021. Ostern steht vor der Tür, nun gäbe es auch viele Kommunionfeiern. Und noch immer ist Lockdown. Doch wie geht es den Gastronomen mittlerweile? Stellvertretend haben wir uns im ganzen Landkreis bei sieben Betrieben umgesehen.

Weidnitz: Nur Geschäftsleute und Monteure dürfen sich einmieten

Der Landgasthof „Zum Anker“ in Weidnitz ist normalerweise gut besucht und gut gebucht. Radurlauber und Wandertouristen sind häufige Übernachtungsgäste. Aktuell sind die Gästezimmer und die Ferienwohnung auch belegt, zu Coronazeiten ausschließlich von Geschäftsleuten und Monteuren. „Momentan brauchst du beides“, sagt Chefin Anja Langer und meint damit nicht nur den Beherbergungsbetrieb. Im Gasthof bieten sie und ihr Mann Thomas an den Wochenenden auch Essen zum Abholen an.

„Respekt und Hochachtung vor unseren treuen Gästen, das muss ich an dieser Stelle einmal loswerden“, bedankt sich Anja Langer. Sie hätten auf eine zumindest teilweise Öffnung um Ostern gehofft. Die jetzigen Anfragen kämen schon für den Sommerurlaub. „Die erste Frage der Gäste ist, ob etwas im Juni oder Juli frei ist – die zweite Frage ist, wie lange man stornieren kann und wie die Stornogebühren sind“, bringt sie die Planungsunsicherheit bei den Touristen zur Sprache.

Gaststätten im Landkreis: Zwischen Hilfen und Hilflosigkeit
Johann Erlbacher misst noch einmal nach: Im großen Biergarten (im Hintergrund Mathilde Meußer) wären die Abständeproblem... Foto: Monika Schütz

End: Seit 2. November ist der Gasthof komplett geschlossen

„Wie es uns geht? Man hat uns weggesperrt!“, sagt Johann Erlbacher vom Gasthof „Schwarzer Adler“ in End. 120 Sitzplätze hat der Biergarten hinter dem Gasthof, 30 sind es auf der Terrasse vor dem Haus. Wegen der vorgeschriebenen Abstandsregelungen mussten „Schwarzer Adler“-Chefin Mathilde Meußer und Johann Erlbacher nicht nur im Innenbereich ihre Sitzplätze schon voriges Jahr deutlich reduzieren. Übrig geblieben sind damals 50 im Biergarten und 20 auf der Terrasse.

„Wie es uns geht? Man hat uns weggesperrt!“
Johann Erlbacher, Gasthof „Schwarzer Adler“

Heuer hofften die beiden bis zuletzt, wenigstens die Außengastronomie wieder öffnen zu dürfen. „Unser Ausschank ist draußen, die Toiletten sind ebenfalls im Außenbereich und auf dem großen Areal sind auch die Abstände problemlos einzuhalten“, sagt Erlbacher und bedauert die Verlängerung des Lockdowns. Seit 2.November hat der Gasthof komplett geschlossen. „Das geht schon auf die Psyche“, ist Mathilde Meußer traurig. Nun habe man sich entschlossen, zu Ostern erstmals Essen zum Abholen anzubieten: Täubchen to go .

Baiersdorf: Flexible Mitarbeiter halten den Betrieb am Laufen

Simone Seidel vom Hotel-Restaurant „Fränkischer Hof“ in Baiersdorf sieht die Situation differenziert. „Es ist nicht alles negativ. Unsere Mitarbeiter sind großartig. Sie sind flexibel einsetzbar und halten den Betrieb mit am Laufen. Wir haben auch einen Auszubildenden, der kurz vor der Prüfung steht“, schildert sie. „Für unseren Bashir ist Corona eine Herausforderung. Er ist als geflüchteter Jugendlicher nach Deutschland gekommen“.

„Es ist nicht alles negativ. Unsere Mitarbeiter sind großartig.“
Simone Seidel, „Fränkischer Hof“

Ab August 2021 starte dann eine junge Frau mit der Ausbildung zur Hotelfachfrau. Sehr schade sei es um die Schüler, die sich nebenbei auf 450 Euro Basis ihren Führerschein oder Ähnliches erarbeiten. Aber man stehe in Kontakt, und auch die Aushilfskräfte würden darauf brennen, irgendwann wieder mit im Fränkischen Hof am Start zu sein.

Der „Fränkische Hof“ sei ein familiengeführtes Unternehmen, und das seit über 135 Jahren. „Es steckt viel Herzblut und Leidenschaft in unserer Arbeit. In Verbindung mit den besten Mitarbeitern ever rocken wir gemeinsam Corona mit dazugehörigen Auflagen, die wir natürlich nicht immer verstehen“, bekräftigt Seidel. „Wir werden großartig unterstützt von unseren Gästen aus nah und fern.“

Nicht zu vergessen sei, dass es einige Geschäftsreisende und Monteure gebe, die hier übernachten. „So halten wir uns Monat für Monat über Wasser. Natürlich können wir keine großen Sprünge machen. Unser Wunsch wäre, dass wir nach den Osterferien öffnen könnten. Bis dato ist bestimmt schon ein großer Teil geimpft, die Schnelltests sind auch am Laufen und wir könnten ohne große Einschränkungen unsere Gäste bewirten.“

Schönsreuth: Für das Personal ist es sehr schwierig

„Wir versuchen, so gut wie möglich weiterzuarbeiten. Aushilfen können wir leider nicht mehr beschäftigen und bei den Festangestellten versuchen wir, zumindest auf 60 Prozent der Stunden zu kommen“, sagt Jasmin Weiß vom Restaurant „Dornröschen“ in Schönsreuth. Für das Personal sei es sehr schwierig, aufgrund der Kurzarbeit fehle ein wichtiger Teil des Gehalts, bedauert sie. Die Hoffnung, zu Ostern wenigstens die Außengastronomie des Restaurants öffnen zu dürfen, sei kurzzeitig da gewesen, sei aber von Tag zu Tag mehr geschwunden.

Vorkehrungen für eine Öffnung des Biergartens zu Ostern seien im Vorfeld noch keine getroffen worden: „Den Außenbereich wollten wir erst bestuhlen, wenn auch wirklich das Wetter dafür gepasst hätte. Bei Minustemperaturen setzt sich doch niemand raus!“

Das Restaurant bietet Liefer- und Abholservice an, das würde auch funktionieren. „Wir haben auch immer versucht den Betrieb offen zuhalten“, fügt Jasnim Weiß an. Dennoch ist sie in großer Sorge:„Existenzgefährdend ist es schon seit dem vergangenen Jahr. Die Leute sparen und möchten nicht mehr viel bezahlen. Zudem wurde von der Politik vermittelt, dass man ganz viel Coronahilfen bekommt. Dadurch denken die Leute, wir machen viel Gewinn durch Corona.“

Mistelfeld: Die November- und Dezemberhilfen sind angekommen

„Es ist einfach ein anderer Tagesablauf, den man nicht gewohnt ist“, schildert Hans Fischer vom Gasthof Fischer in Mistelfeld. „Man muss sich Beschäftigung suchen.“ Wenigstens seien die November - und Dezemberhilfen angekommen. „Doch jetzt haben wir schon wieder Ende März. Wir leben von der Substanz.“

Gaststätten im Landkreis: Zwischen Hilfen und Hilflosigkeit
Ein Wildburger wurde bei Koch Christian Fischer bestellt. Die meisten Gäste bringen ihre Verpackungen mit Foto: Monika Schütz

Wenigstens laufe das Abhol-Geschäft einigermaßen. Freitag und Samstag seien zwar ziemlich wechselhaft, dafür sei das Geschäft für den Sonntagsmittagtisch sehr gut. Vor allem Bräten gingen gut. Erfreulicherweise seien auch viele Stammgäste unter den Bestellern.

Seine Speisen ausliefern kann Hans Fischer leider nicht. „Dafür bräuchten wir ja noch eine Person mehr.“ Aktuell sind sie zu viert: Hans und seine Frau Christl, Sohn Christian und seine Frau Tanja. „Es ist nicht zu verstehen. Wie haben Tische rausgenommen, wir haben Einbahnstraßenregelung, wir haben alles gemacht, was vorgeschrieben war. Nach Mallorca darf man reisen und bei uns darf man nicht mal in den Außenbereich?“, fragt er verwundert und verärgert.

Uetzing: Wie aus Ironie bittere Wahrheit wurde

Das Schild mit der Aufschrift „Ein gutes neues Jahr und frohe Ostern“ hatte Frank Krappmann schon im November 2020 vor sein Gasthaus „Zum Kutscher“ in Uetzing gestellt. „Da war es noch ironisch gemeint“, sagt der Geschäftsführer und Koch. Doch nun habe es sich bewahrheitet: „Wir dürfen zu Ostern immer noch nicht öffnen.“

Zwei Tage die Woche hat sein Gasthaus geöffnet, um Speisen zum Mitnehmen anzubieten, wie beispielsweise Schlachtschüssel. Eigentlich komme der Familienbetrieb einigermaßen gut über die Runden. Die November- und Dezemberhilfen seien angekommen, da habe es keine Schwierigkeiten gegeben.

„Wir Kleinen schaffen das schon!“
Frank Krappmann, Gasthof „Zum Kutscher“

Ansonsten sucht sich Frank Krappmann Beschäftigung, renoviert, geht in den Wald oder erledigt andere Dinge. „Wir Kleinen schaffen das schon!“, ist er zuversichtlich. Schwieriger sehe das bei größeren Betrieben und Hotels aus. Was ihn dennoch ärgert: „Jetzt ist schon ein ganzes Jahr rum und nix ist passiert! Warum kriegen wir keinen Impfstoff her? Sogar die Amerikaner gehen vor dem Einkaufen mal schnell zum Impfen, das geht da wie im Mc Drive. Bloß bei uns geht nichts!“

Gaststätten im Landkreis: Zwischen Hilfen und Hilflosigkeit
Köchin Susanne Dinkel hat knusprige Schäufala aus dem Backofen geholt. Foto: Monika Schütz

Oberlangheim: Der Kontakt zu den Gästen fehlt dem Wirt sehr

Die Küche des Dorfgasthofes „Zum Löwen“ in Oberlangheim bietet auch zur Mittagszeit unter der Woche etwas Warmes zum Essen. Das ganze Personal ist in Kurzarbeit, Köchin Susanne Dinkel steht selbst am Herd. Seit dem zweiten Lockdown im November ist auch hier im „Löwen“ geschlossen, nur Essen zum Abholen geht. „Mir fehlt der Kontakt zu den Gästen schon sehr, die Gespräche, die Unterhaltung. Das vermisse ich schon“, bedauert Chef Alfred Dinkel die momentane Situation.

Vor kurzem musste er allen Gästen telefonisch absagen, die bei ihm ein Zimmer über die Osterfeiertage gebucht hatten. Auch die Kommunionfeiern, die Ostersonntag und am Weißen Sonntag angemeldet waren, mussten abgesagt werden, sie werden vielleicht im Sommer nachgeholt. Oder später. Man wisse es nicht. Man wisse nicht wie, es weiter geht,wann die Außengastronomie wieder öffnen dürfe, wie es mit dem Impfen vorangehe, und auch wann und wie es finanziell weitergehe. Wenigstens die November- und die Dezemberhilfe sei mittlerweile angekommen, fügt er an. Doch die reiche hinten und vorne nicht.

 

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