LICHTENFELS

Für die Biskupskis ist Klimaschutz Bürgerpflicht

Müll vermeiden, mit dem Fahrrad fahren und bewusst Produkte aus der Region einkaufen – das mag für viele nach einem modernen Lebensstil oder neuem Trend klingen. Doch der Klimawandel und seine Folgen sind längst spürbar. Die Biskupskis, eine Lichtenfelser Familie, zieht daher Konsequenzen. „Handlung ist Hoffnung“ so die felsenfeste Überzeugung von Diana Biskupski, Ingenieurin, und Steffen Biskupski, Schulpsychologe und Lehrer.

Konsequenter Klimaschutz ist für die Familie alternativlos, um eine weltweite Katastrophe abzuwenden. Häufig erleben sie jedoch in Gesprächen, wie fern dieses Thema vielen Menschen am Obermain zu sein scheint, obwohl längst zahlreiche Warnungen der Wissenschaft vorliegen. Gerade im globalen Süden bereits jetzt Millionen unter den Folgen des Klimawandels leiden, die ihnen die Industrienationen des globalen Nordens einbrockt haben.

„Ich kann nicht ruhigen

Gewissens so weitermachen. Ich bin Klimaaktivistin, weil ich an meine Kinder und die nachfolgenden Generationen einen lebenswerten Planeten weitergeben möchte.“

Diana Biskupski, Klimaaktivistin

„Ich kann nicht ruhigen Gewissens so weitermachen. Ich bin Klimaaktivistin, weil ich an meine Kinder und die nachfolgenden Generationen einen lebenswerten Planeten weitergeben möchte“, betont Diana Biskupski. Sie und ihr Mann nutzen diverse Studien und Berichte, um ihre Aussagen im Gespräch mit anderen zu untermauern. Steffen Biskupski erklärt: „Erste Veränderungen sind auch in unserer Region bereits spürbar. Mehrere Jahre in Folge haben wir hier bei uns im Sommer eine Rekordhitze und gleichzeitig zu geringe Niederschlagsmengen. Bis zum Jahr 2100 könnten laut nature.com ohne aktiven Klimaschutz circa 74 Prozent der Weltbevölkerung durch tödliche Hitzetage bedroht sein. Vor allem die tropische Zone um den Äquator wird damit unbewohnbar. Dieser Prozess hat bereits begonnen.“

Diana Biskupski verweist ergänzend auf eine Studie vom Internal Displacement Monitoring Centre (Idmc), in der es heißt, dass 2019 alleine 24,9 Millionen Menschen ihre Heimat kurz- oder langfristig verlassen mussten aufgrund von Umweltkatastrophen, die mit der global ansteigenden Temperatur zusammenhängen. „Die Zahl der Klimaflüchtlinge ist doppelt so hoch wie die der Kriegsflüchtlinge. Und die Weltbank schätzt, dass bis zum Jahr 2050 bis zu 143 Millionen Menschen zu Klimaflüchtlingen werden könnten. Unsere Aufgabe als Teil einer globalen Gesellschaft ist es also, für eine Klimagerechtigkeit zu kämpfen“, betont sie dabei noch einmal.

Mobilitätskonzept „auf einem guten Weg“

Auf der Suche nach klimarettenden Maßnahmen haben die beiden ihre Heimat genau im Blick und unterstützen Initiativen wie die Vision 2030, fordern aber auch hier ein viel klareres Bild Richtung Kohlendioxid-Einsparung. „Die Vision 2030 ist ein hervorragendes Instrument, um Bürger und Politik für ein Gemeinschaftsprojekt an einen Tisch zu bringen. Aber sie braucht ein Klima-Update. Und bis vor kurzem war uns zum Beispiel nicht bekannt, dass wir im Landkreis bereits seit 2013 ein integriertes Klimaschutzkonzept haben. Eine verbindliche Ausrichtung all dieser Bestrebungen benötigt überprüfbare Meilensteine, die sicherstellen, dass wir das Pariser Klimaabkommen auf lokaler Ebene einhalten“, fordert Steffen Biskupski.

Das Mobilitätskonzept der Vision 2030 sei auf einem guten Weg. Aber es liegt nach Ansicht von Familie Biskupski auch an den Bürgern, das Potenzial einer klimaneutralen Mobilität zu erkennen, welches Lichtenfels zu einer familienfreundlichen Fahrradstadt machen könnte. Je mehr Bürger dies laut fordern, desto schneller werde es ihrer Ansicht nach kommen.

Familie Biskupski lobt dabei: „Wenn wir uns Lichtenfels heute anschauen, dann gibt es schon kleine Zwischenerfolge, so zum Beispiel den Ausbau des Öpnv mit dem Rufbus.“ Außerdem starten die beiden Klimaaktivisten mit der Initiative „Carsharing für Lichtenfels“ ein neues Angebot am Obermain. Ziel ihrer Idee ist es, sich im Sinne eines Vereins den fahrbaren Untersatz zu teilen für die wenigen Termine in der Woche, die nicht zu Fuß, per Fahrrad, Bus oder Zug erreicht werden können.

Über alle Bestrebungen hinweg gesehen, liegt für die Biskupskis eines auf der Hand. Es reicht bei weitem nicht aus, wenn man ein paar wenige Aktivisten, Sprecher oder Demonstranten nach vorne schickt und selbst nichts an seinen Gewohnheiten und seiner inneren Haltung ändert. Diana Biskupski zeigt auf: „Wir müssen uns nur mal folgendes klar machen, selbst wenn so eine offene Diskussion für viele unangenehm sein mag, aber so ist die Wahrheit oftmals. Laut einer kürzlichen Oxfam Studie sind die reichsten zehn Prozent dieses Planeten für mehr als die Hälfte der Emissionen zwischen 1990 und 2015 verantwortlich. Ganz genau heißt das, dass man mit einem monatlichen Nettogehalt von ca. 2700 Euro bereits zu dieser Gruppe zählt. Ich gehöre zu den reichsten zehn Prozent des Planeten. Mein Wohlstand basiert auf Ausbeutung und Umweltzerstörung.“

Klimaschutz darf keine Parteigrenzen kennen

Die klimaaktivistische Arbeit von Familie Biskupski fordert: Effektiver Klimaschutz muss über alle Parteigrenzen hinweg oberste Priorität haben. Diese Klimakrise lässt sich nur gemeinsam bewältigen und braucht die Kraft jedes einzelnen Bürgers, um von lokaler Ebene kommend genügend Druck auf die neue Bundesregierung bereits vor der nächsten Regierungsbildung auszuüben. Aktivismus setze in einer Demokratie genau hier an und fordere die transparente und konsequente Umsetzung der bereits vorhandenen Gesetze und Konzepte.

Klimagerecht handeln

Mitstreiter für ein klimagerechtes Lichtenfels können sich unter lif.klimaneutral@posteo.de bei Familie Biskupski melden. Interesse an carsharing? Unter carsharing.lichtenfels@posteo.de kann man von Diana und Steffen Biskupski mehr erfahren. Mehr Infos zur Öko-Modellregion Oberman-Jura und der SoLaWi erhält man im Landratsamt bei Bianca Faber: bianca.faber@landkreis-lichtenfels.de, Tel. (09575) 921455.