ROTH

Frauenfussball in Roth: Niemand kann sie stoppen

Wiedersehen voller Erinnerungen: Auch viele Gründungsfrauen ließen sich beim 25-jährigen Jubiläum der Damenmannschaft des FC Fortuna Roth sehen. Foto: Corinna Tübel

25 Jahre Frauenfussball in Roth: Gemeinsam mit vielen Vereinsmitgliedern, anderen Mannschaften, Freunden und Gästen feierte die Damen-Elf des FC Fortuna Roth ein herrliches Festwochenende. Im Mittelpunkt standen ein tolles Turnier, stimmungsvolle Musik am Abend und ganz viel Gemeinschaftsgefühl.

Ein viertel Jahrhundert voller Erfolge und Niederlagen, langen Fahrten und Verletzungspech, Spielerwechsel, neuen Regelwerken und vieles mehr liegt hinter der Damenmannschaft des FC Fortuna Roth. Es sind vor allem aber auch 25 Jahre voller Teamgeist und Freundschaft, die sie vor kurzem mit einem ansprechenden Rahmenprogramm auf dem Sportgelände gefeiert haben.

Beim Turnier am Samstag, an dem neben den heimischen Akteurinnen auch Damen-Teams der SpVgg Germania Ebing und des FC Michelau teilnahmen, gab es im Jede-gegen-Jede-Modus keine Siegerinnen, dafür ganz viel Tore und gegenseitige Motivation. Das Top-Spiel am Sonntag, das auch den ein oder anderen männlichen Zuschauer zu einem ehrlichen „Chapeau“ hinriss, entschieden der FC Würzburger Kickers mit 3 zu 0 für sich. Doch auch der Schwabthaler SV zeigte eine starke Leistung. Auch zahlreiche Jugendmannschaften zeigten an diesem Wochenende ihr Können.

Würdigung und Geschenke

Am Spielfeldrand begegnete man sich, lernte sich neu kennen oder sah sich nach vielen Jahren erstmals wieder. Unter den Gästen aus den umliegenden Mannschaften, Ortsvereinen, Ehrenmitgliedern des Vereins und Freunden fand sich auch die Zweite Bürgermeisterin der Stadt Lichtenfels, Sabine Rießner. Sie überbrachte eine Urkunde sowie eine Spende in Höhe von 100 Euro im Namen der Korbstadt und würdigte die sportliche und gesellschaftliche Leistung des Teams.

Spannend war das Turnier „Jede-gegen-Jede“ mit Mannschaften aus der Region. Foto: Corinna Tübel

Am Abend unterhielt Alleinunterhalter Gerd Backert sein Publikum mit geselligen Stimmungsliedern, die Jung und Alt, Damen und Herren vereinten, bis tief in die Nacht hinein.

Als das erste Mal 1995 ein Damen-Team bei einem „Gaudi-Turnier“ der Rother Ortsvereine antrat, hatten viele der Frauen so viel Spaß, dass sie gerne als Mannschaft im Liga-Betrieb spielen wollen. „Die Vereinsfunktionäre waren aber unentschlossen“, erinnert sich Matthias Ehrhardt. „Sie haben gesagt: Wenn ihr ein Jahr lang trainiert und dabei bleiben wollt, dann melden wir ein Team an.“ Gesagt, getan. 1997 standen erstmals 15 Damen im Trikot des FC Fortuna Roth auf dem Platz, die jüngste Spielerin gerade mal 16 Jahre alt, gemeinsam mit ihrer Mutter.

Damals habe es noch mehr Damenmannschaften im Landkreis gegeben, blickt Matthias Ehrhardt zurück, der bald als Trainer agierte. Lange Fahrten, unter anderem nach Lahm im Landkreis Kronach oder Stappenbach bei Bamberg, standen fortan an der Tagesordnung.

„Es gibt keine Cliquen

innerhalb der Mannschaft, wie das manchmal bei Herrenteams ist. Und sie kämpfen wie Löwinnen.“

Jessica Will, Kickerin

„Das schweißt zusammen“, erzählt Spielerin Jessica Will heute. „Wir wissen auch viel Persönliches voneinander und können aufeinander Rücksicht nehmen. Wir treffen uns auch privat, je nachdem, wer Zeit hat.“ Denn dass die Fußball-Karriere der Frauen durch die Familiengründung zumindest erschwert wird, ist kein Geheimnis. Zeitmangel der Spielerinnen und Verletzungspech belasten die Mannschaft immer mehr.

Teamgeist und Kampfwillen

Durch Teamgeist, Laufqualitäten und jede Menge Kampfwillen kompensiert „die Elf“, die heute in der Bezirksliga antritt, diese Herausforderungen: „Es gibt keine Cliquen innerhalb der Mannschaft, wie das manchmal bei Herrenteams ist. Und sie kämpfen wie Löwinnen“, schwört auch der heutige Trainer Dieter Zeis. Zuvor hatte dieses Amt auch der leider bereits verstorbene Michael Watzlawik inne.

Nachteile für angehende Kickerinnen

Das Training ist anders: „Natürlich haben es viele Damen schwerer, weil sie nicht wie viele Jungen von klein auf Fußball spielen trainieren.“ Mädchen dürfen nur bis zu ihrem 12. Lebensjahr in gemischten Teams spielen. Ein Rückgang der Juniorinnen-Teams lässt Chancen und so manches Talent verschwinden. Weibliche Neuzugänge für den 1. FC Fortuna Roth gibt es daher nur von anderen Mannschaften oder sie sind „Neulinge“.

Bilder aus vergangenen Zeiten: Mittlerweile gewinnt Frauenfußball mehr und mehr Gewicht in der Welt des Sports. Foto: Corinna Tübel

Bei der Fortuna haben die Damen dort haben ihren Platz gefunden und behauptet. „Wir sind sehr stolz auf sie“, betont auch der 1. Vorsitzender Michael Fischer. Nur selten bekommen sie von fremden Zuschauern noch abschätzige Kommentare zum Damen-Fußball zu hören. Auch die Erfolge der weiblichen Nationalmannschaft bei der jüngsten Europameisterschaften lassen sie Hoffnung schöpfen, so Dieter Zeis.

„Aber so, wie es vor 15 Jahren einmal war, wird es sicher nicht mehr.““
Michael Fischer, Fortuna-Vorsitzender

„Aber so, wie es vor 15 Jahren einmal war, wird es sicher nicht mehr.“ Damals habe im Jugendbereich ein richtiger „Hype“ geherrscht, Fußball sei der Trend schlechthin gewesen. Einige Teammitglieder bleiben dem FC jedoch seit Beginn an erhalten: Diana Erbstößer etwa kickte schon in der Gründungsmannschaft und ist heute 2. Vorsitzende. Der Kern des Ballsports hat sich in Roth zumindest nicht verändert: Fußball macht fit, schafft Freundschaften und lebt von Emotionen, die jede Frau in sich trägt.

Wer Lust hat, ein Teil des starken Damen-Teams des 1. FC Fortuna Roth zu werden – ob mit viel oder wenig Können - kann sich bei Jessica Will unter Tel. 0171-7620676.

 

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