LICHTENFELS

Frank Gerstner: Miteinander statt übereinander

Frank Gerstner. Foto: red

Frank Gerstner ist Leiter der Sozialen Dienste des BRK und engagiert sich für das Michelauer Mehrgenerationenhaus. Er ist von der aufgeheizten Stimmung entsetzt.

„Bereits vor einiger Zeit wurde ich gebeten meine Meinung zu Corona im OT öffentlich kund zu tun. Lange habe ich darüber nachgedacht, ob ich es tun soll oder nicht. Warum? Weil mir die Diskussion zu aufgeheizt ist. Eigentlich gibt es gar keine Diskussion mehr. Es gibt zwei Lager mit einer festen Meinung, die unverrückbar ist. ,Corona Leugner' und ,Maßnahmen Befürworter' sprechen übereinander, anstatt miteinander. Dabei wird die Art und Weise, wie übereinander gesprochen wird, immer aggressiver.

Und ehrlich gesagt macht mir das mindestens genauso viel Bauchschmerzen, wie das Virus selbst. Ich glaube (und da sind wir wieder bei dem großen Wort), dass beide Lager die gleichen Ängste und Hoffnungen haben – wenn auch in unterschiedlicher Intension und Ausprägung. Während die einen täglich an vorderster Front in Krankenhäusern, in der Seniorenpflege oder zum Beispiel im Rettungsdienst an den stetig wachsenden Corona-Kranken und der Arbeitsbelastung verzweifeln, so verzweifeln andere, die zum Nichtstun verdonnert wurden, an der Situation nicht zu wissen, wie es weitergehen soll.

Auch beim Thema Impfen lassen sich Gemeinsamkeiten finden. Ich möchte behaupten, dass keine Person, die bereits Impfungen bekommen hat, sich nicht vorher Gedanken darübergemacht hat, ob sie dem Impfstoff trauen kann. Und welche Risiken bestehen. Während die einen bei diesen Überlegungen zum Ergebnis kommen, dass der Nutzen der Impfung den Risiken überwiegt, so kommen andere zu einer anderen Einschätzung. Doch anstatt miteinander zu diskutieren und wissenschaftliche Erkenntnisse auszutauschen, werden gegenseitig nur Meinungen und Halbwissen teilweise unreflektiert wiedergegeben.

In der Schule habe ich einmal bei einem engagierten Deutschlehrer gelernt, dass es neben der These und der Antithese auch noch die Synthese gibt; und diese fehlt mir in der derzeitigen Debatte.

Zu guter Letzt möchte ich natürlich auch meine Einstellung zum Thema Corona-Maßnahmen und Impfen kundtun: Auch ich verstehe viele der Maßnahmen nicht, bezweifle sogar ihre Sinnhaftigkeit. Andere Maßnahmen, wie zum Beispiel das Maske tragen oder das Testen kann ich voll und ganz verstehen. Ich erkenne aber auf jeden Fall die Leistung derjenigen an, die versuchen eine Lösung zu finden; sei es die Politik, die Wissenschaft oder die Wirtschaft. Denn was dabei herauskommt, wenn man einfach nichts macht, kann man in Brasilien beobachten.

Daher gehe ich die Maßnahmen mit, so schwer es auch für mich und meine Familie ist – meine Form der Synthese. Auch der Impfung habe ich zugestimmt, genauso wie meine Frau und meine beiden erwachsenen Kinder. Wir haben uns dies reiflich überlegt, besonders wegen der Thrombosegefahr. Wir haben uns dafür entscheiden, um unsere Eltern und Großeltern, wie auch unsere jüngeren Kinder bzw. Geschwister zu schützen. Sobald es ein Impfangebot für jüngere Kinder geben wird, werden wir wieder das Überlegen und Abwägen anfangen. Ich bin der Meinung, dass diese Pandemie nur durch Solidarität und Zusammenhalt und vor allem durch miteinander reden zu meistern ist.“

Rückblick

  1. Corona-Tagebuch: Legeres Sitzen und Speiseeis
  2. Kristin Wolf: Bei ihr zählt die „Eine Welt“
  3. Corona-Tagebuch: Bärlauch macht glücklich
  4. Lichtenfelser Pfadfinder trotzen der Pandemie
  5. Corona-Tagebuch: Vergesslichkeit und Familienbande
  6. Femke Geelen: Nur so klappt es mit dem Umarmen
  7. Lisa Mareen Fischer neue Rangerin im Frankenwald
  8. Oberfranken Offensiv: Um junge Neubürger werben
  9. Corona-Tagebuch: Die Sache mit dem Erwachsenwerden
  10. Corona-Tagbuch: Schlumpfblauer Beethoven als Andenken
  11. Uni Bayreuth: Die Forschung ist reif für die Insel
  12. KBM Sigrid Mager: Klares „Ja“ zum Impfen
  13. Corona-Tagebuch: Geschäftskontakt beim Geschäfte verrichten
  14. Christen in Altenkunstadt: Netzwerken für mehr Inklusion
  15. Holger Then: Am Impfen führt kein Weg vorbei
  16. Corona–Tagebuch: „Steffi anrufen!“
  17. Nina Hofmann: Start im Rolli ins Berufsleben
  18. Norbert Jungkunz: Seelsorge auf Sicht
  19. Marion Warmuth: Nur gemeinsam schaffen wir es
  20. Denise Felsecker: „Corönchen richten – weitermachen!“
  21. Louis Bernert: Sani werden, gerade wegen Corona
  22. Andreas Hügerich: Gemeinsam und solidarisch
  23. Corona-Tagebuch: Falsche Abzweigung in die Damen-Toilette
  24. OT-Redakteur Frank Gorille: Plötzlich ist man positiv
  25. Martina Hößel: Corona die Stirn bieten
  26. Corona-Tagebuch: Schlaflos in Lichtenfels mit Salsa
  27. Thomas Krauß: Minderheit will es nicht verstehen
  28. Corona-Tagebuch: Last-Minute und Sparsamkeit
  29. Kita Seubelsdorf: Test, Kinderlachen und Quarantäne 2.0
  30. Corona-Tagebuch: Die Maske, Gottvertrauen und ein Gebet
  31. Professor Matthias Drossel: Impfen schon allein aus Respekt
  32. Faktencheck: mRNA-Impfstoffe verändern Gene nicht
  33. Corona-Tagebuch: Letzter Abschied mit Schnittblumen
  34. Bamberg: Posthalle wird zum Raum für Kultur
  35. Sebastian Dorsch: Bereit für den Piks sein
  36. Horst Habermann: Durchs Impfen zur Normalität
  37. Corona-Tagebuch: Aussicht, Freiheit und ein Milchshake
  38. Ein kleiner Pieks, der viel hilft
  39. Freude über Lockerungen in BRK-Altenheimen
  40. Corona-Tagebuch: Richtige fette Überraschung
  41. Der heiß ersehnte Impftermin von Corinna Tübel
  42. Tag des Buchs: Am Obermain ist sogar ein Hund dabei
  43. Frank Schmitt: Zusammenhalt ist jetzt wichtig
  44. Corona–Tagebuch: Liebe, Ferne und die gute alte Romantik
  45. Markus Witzgall: Mit Geduld geht es schneller
  46. Corona-Tagebuch: Das Ende einer Zimmerpalme
  47. Jüdisches Leben: Weg vom Klischee
  48. Universität Bayreuth forscht an Öko–Energiespeicherung
  49. Uni Bamberg: Semesterstart für 12 000 Studis
  50. Anton Schatz: Bei Maßnahmen nicht nachlassen

Schlagworte