LICHTENFELS

Fränkische Familiennamen: Zur Herkunft von „Partheymüller“

Historiker Dr. Joachim Andraschke (li.) hat sich mit der Herkunft des Namens Partheymüller beschäftigt. Das wird auch den Marktgraitzer Bürgermeister Jochen Partheymüller (re.) interessieren, der mit Andraschke bei den 950-Jahr-Feierlichkeiten seiner Gemeinde 2021 auf der Bühne s... Foto: OT-Archiv/Roland Dietz

Ein weiterer alteingesessener Familiennamen des Obermaingebietes ist Partheymüller. Er ist heute in Deutschland vornehmlich in Oberfranken verbreitet (insgesamt 77 Telefonanschlüsse, Stand 2004).

Ungefähr 200 bis 250 Personen dürften den Namen Partheymüller führen, wobei der Verbreitungsschwerpunkt deutlich in den Landkreisen Lichtenfels (41 Anschlüsse), Kronach (14) und Kulmbach (3) liegt. Ein weiteres kleines Zentrum liegt in Miesbach (7). Er ist damit in der Region relativ häufig anzutreffen, landesweit jedoch eher selten.

Ein kleinregional entstandener Familienname

In den Verlustlisten des Ersten Weltkrieges lassen sich Partheymüller ausschließlich im Landkreis Lichtenfels nachweisen, was zeigt, dass es sich um einen kleinregional entstandenen Familiennamen handeln muss. Es lässt sich zudem feststellen, dass ungewöhnlich viele Namensträger im 19. Jahrhundert nach Nordamerika ausgewandert sind, so dass auch heute noch zahlreiche Partheymüller in den USA leben.

Die historische Überlieferung des Namens in den Archiven zeigt, dass drei Müllerdynastien in Altenkunstadt, Marktgraitz und Marktzeuln existierten. Die Graatzer Linie stammt von Philipp Partheymüller ab, der am 8. Dezember 1700 in Marktzeuln geboren wurde. Dessen Vater Nicolaus Partheymüller wurde am 25. März 1675 in der Kienmühle bei Altenkunstadt geboren. Dessen Vater wiederum hieß Johann Partheymüller (geboren am 19. August 1648) und verstarb am 16. Dezember 1716 als Müller der Kienmühle bei Altenkunstadt.

Der Namenswechsel erfolgte im 17. Jahrhundert

Sein Vater, der Müller Johann Partheymüller, wurde 1609 in Altenkunstadt geboren und verstarb am 5. März 1667 in Altenkunstadt. Damit erschöpft sich die Überlieferung mittels der kirchlichen Matrikelbände. Dieser letztgenannte Johann Partheymüller wird im Jahre 1653 als Hanß Badmüller überliefert (StABa: Stb.2586, f.118´). Es ist also ein Namenswechel eingetreten.

1624 wird in Altenkunstadt ein Kastner (=hoher Verwaltungsbeamter eines Kastenhofes) erwähnt: „Das Ampt. Altenkhunstadt: uff Lanckheymischen Lehen (…) Michel Badmüller, Castner zue Hochstadt“ (StABa: Stb.2580, f.10).

Hans Muller „bey der Badstuben“ in Altenkunstadt

In Altenkunstadt sind die Partheymüller gut als Müller nachweisbar. So wird etwa ein Hans Muller erwähnt, und zwar „bey der Badstuben … gibt jerlich von seiner Muel … an die Badtmüel“ (StABa: Stb.2610, f.41´). 1570 unterschied man in Altenkunstadt die beiden Müller auf der Badmühle und der Kienmühle folgendermaßen: „Hans Kienmulner vom Haus, Hans Badmulner“ (StABa: Stb.2584/5, f.54´, f.55).

Die Karte zeigt's: Der Name Partheymüller kommt deutschlandweit am häufigsten im Landkreis Lichtenfels vor. Foto: Andraschke

Im Jahr 1575 ist folgenden Eintrag zu finden: „Altenkonstat: I Gulden Hanß Badmulner vom Haus Lanckheimisch Lehen“ (StABa: Stb.2584/5, f.55). Im Jahr 1545 dann diesen: „Altenkunstatt: dedit II lb XVI dn Jung Hans Mulner bey der Badstuben von LX Gulden“ (StABa: A.231/, Nr.59410, f.70).

Das Volk machte aus dem „Müller bei der Badstube“ den „Badmüller“

Im Untertanenbuch des Hochstifts Bamberg werden unter 35.000 Untertanen (Hausvorständen) lediglich zwei Namensträger erwähnt, was anzeigt, dass der Familienname ursprünglich nur in Altenkunstadt verbreitet war. Hier sind 1555 zwei Hans Badmüller erwähnt (StABa: Stb.721, f.369´, f.370). Der älteste Eintrag stammt aus einer Landsteuerrechnung aus dem Jahre 1526: „Altenkonstat: III Gulden II lb XXVIII dn Hanns Mulner von XLVII fl alles sein Vermogen uber Abzuge seiner Schulde“ (StABa: A.231/, Nr.59400, f.32).

Der unterscheidende Zusatz „Müller bei der Badstube/beim Bad“ bzw. als Determinativkompositum „der Badmüller“ muss in den 1530-er Jahren erfolgt sein, da Hanns (Bad)Müller (geboren um 1495) in den 1520-er Jahren die einfache Bezeichnung Müller führte. Wahrscheinlich wurde aber schon vorher die Unterscheidung vom Volk vorgenommen. 1624 wird noch ein weiterer Müller genannt, und zwar „Item HeroltsMuell: Hanß HeroltsMüller uff der Mühl (StABa: Stb.2580, f.10)“. Es bestand also eine Notwendigkeit, die drei Müller in Altenkunstadt voneinander zu unterscheiden.

Wie ist nun der Name zu deuten? Partheymüller ist sprachlich als Kompositum aus den beiden Bestandteilen Partei- beziehungsweise nach älterer Grundlage Bad- und -müller zu klassifizieren. Dieser zweite Namenbestandteil -müller ist offenkundig auf die Berufsbezeichnung Müller zurückzuführen, die dem häufigsten Familiennamen (etwa 800.000 Namensträger) Deutschlands zugrunde liegt. Das dem Familiennamen innewohnende Wort Mühle geht auf althochdeutsch mulī zurück, einer Entlehnung aus dem spätlateinischen molina für „Wassermühle“. Die Verbreitung des Wortes molina/mulī wurde vor allem durch die Siedlungsbewegung der Franken forciert, die diese Mühlenart von den Römern übernahmen.

Durch Ausklammern eines Namensbestandteils entstanden

Der erste Träger des Namens Badmüller war also ein Müller. Dies wird durch die genealogischen Forschungen bestätigt. Im ersten Bestandteil des Namens ist als unterscheidendes Merkmal ein Hinweis auf die Lage der Mühle neben der Altenkunstadter Badestube enthalten. Es handelt sich also um eine so genannte Klammerform – „bei der Badstubenmühle“ –, die dann zu „Badmühle“ verkürzt wird. Sprachlich kann man dieses Ausklammern von Namenbestandteilen noch heute beobachten. So wird etwa der „Kirschobstbaum“ zu „Kirschbaum“ verkürzt.

Die Altenkunstadter Badmühle (modern Grießlingermühle, Rechtsanwalt-Krauß-Straße 15) ist schon recht früh erwähnt, und zwar als „Mühle bei der Badstube“, „Badstubenmühle“ oder „Badmühle“ (1418/19, 1481). Vermutlich waren diese Namensträger die Betreiber der Badmühle, möglicherweise auch die unmittelbaren Vorfahren auf dem Anwesen. Beweisen lässt sich das leider nicht, wenngleich im Kontext der Überlieferung einiges dafür spricht.

Aus dem Hausname wird der Familienname

Somit lässt sich festhalten, dass sich der Familienname Partheymüller aus dem älteren Badmüller als Bezeichnung für den Mühlenbetreiber der Badmühle in Altenkunstadt entwickelt hat. Wenngleich die grundherrschaftliche Überlieferung seit dem 15. und beginnenden 16. Jahrhundert lediglich die Überlieferung des Familiennamens Müller kennt, so ist es durchaus wahrscheinlich, dass man im Ort aus Unterscheidungsgründen bereits zu diesem Zeitpunkt „der Badmüller“ sagte. Es galten quasi zwei Formen, wie es eben auch zum Teil heute noch Haus- und Spitznamen für einen Namensträger beziehungsweise eine Familie gibt, die mitunter auch seit über hundert Jahren tradiert sein können. Wie aber verhält es sich nun mit dem Namenwechsel von Badmüller zu Partheymüller? Hier ist zunächst einmal auffällig, dass es im 16. Jahrhundert lediglich in Altenkunstadt einen Familienzweig gab. Während beziehungsweise nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) streut jedoch der Familienname weit in der Region aus. Wir finden nun Namensträger in Altenkunstadt, Burgkunstadt, Kulmbach, Marktzeuln und schließlich in Marktgraitz (Peter Partheymüller dort als Pate nachweisbar seit dem 4. Februar 1742).

Enge Verbundenheit in der Müllerdynastie

Ihnen allen gemeinsam ist offensichtlich eine enge Verbundenheit, denn man kann geradezu von einer Müllerdynastie sprechen. Der Beruf ist den meisten Namensträger dieser Zeit geblieben, ferner scheinen verwandtschaftliche Beziehungen untereinander in der Matrikelüberlieferung auf.

Diese berufsbedingte Gemeinschaft der verschiedenen Namensträger Partheymüller war es wohl auch, die das Umfeld oder die Gruppe selbst dazu bewog, das Bestimmungswort Partei einzudeuten. Dieser Vorgang ist an sich auch nicht ungewöhnlich und konnte sogar von einem Namensträger selbst vorgenommen werden. Man denke hier nur an den Humanisten Melanchthon, dessen ursprünglicher Name Schwarzerd lautete und von ihm gräzisiert wurde (ein solcher Humanistenname existiert mit Molitor für Müller in der Region Scheßlitz). Allerdings bedeutete sein Name nicht, wie von ihm interpretiert, „schwarze Erde“, sondern „der Schwarzhaarige“ (vergleiche mundartlich „dregg-erd“ für „dreckig“ oder „schbegg-erd“ für „speckig“).

„Parthey“ geht auf das Wort „partîe“ zurück

Dem späteren Familiennamen Partheymüller liegt das mittelhochdeutsche Wort partîe für Abteilung, Partei, Personenverband, Gruppe zugrunde. Dieser Wechsel kann so verstanden werden, dass hier ein miteinander verwandter Personenverband gemeint war, der gemeinsame Interessen verfolgte. Dies war schon wegen der beruflichen und verwandtschaftlichen Beziehungen gegeben. Hier ist nun zu fragen, ob hier ein bewusster Namengebungsakt der verschiedenen Namensträger aus der Mitte des 17. Jahrhunderts vorliegt, um einen Zusammenhalt damit zu präsentieren, oder ob das Umfeld dies so wahrnahm.

Es spricht jedenfalls für einen großen Zusammenhalt der Namensträger untereinander. Vielleicht ist dem ja noch heute so oder vielleicht nach diesem Artikel bald wieder und umfassender etwa in Form eines Familientreffens aller Partheymüller. Da wäre man doch gerne mit von der Partie.

 

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