REUNDORF

Fosenachts- statt Weihnachtsbäume in Reundorf

Fosenachts- statt Weihnachtsbäume in Reundorf
Greta und Moritz Roder freuen sich über den Fosenachtsbaum im Garten. Foto: Alfred Thieret

Der Reundorfer Faschingsverein „Die Maapiraten“ kann in diesem Jahr sein elfjähriges Bestehen feiern. Normalerweise ist dies bei einem Verein kein Grund für ein Fest, bei einem Faschingsverein hat die Zahl „11“ aber eine besondere Bedeutung. Schließlich beginnt die Faschingssaison am 11. November um 11.11 Uhr, während ein aus elf Würdenträgern bestehender „Elferrat“ in der Karnevalssession die Karnevalssitzungen und Faschingsbälle der großen Faschingsvereine organisiert und leitet.

Die für den 7. Januar geplante „Jubiläumsfeier“ konnte allerdings aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden, wie Vorsitzender Klauß Fischer mit Bedauern feststellte. Man habe deshalb die Feier auf den 23. Juli verschoben, in der Hoffnung, dass sich bis dahin die Situation gebessert hat.

Wie alle Vereine mussten die „Maapiraten“ während der mittlerweile bereits seit zwei Jahren andauernden Pandemie ihre Aktivitäten weitgehend einstellen.

Faschingsumzug, Elferratssitzung und Sturm aufs Rathaus

Fosenachts- statt Weihnachtsbäume in Reundorf
In der Hainstraße 2 in Reundorf steht ein Fosenachtsbaum neben einer Piratenfahne. Foto: Alfred Thieret

Dabei haben die im Januar 2011 gegründeten „Reudeffer Maapiraten“ von Anfang an mit ihren vielfältigen Aktionen nicht nur zur Belebung des Reundorfer Vereinslebens beigetragen. Sie haben es sich auch zur Aufgabe gemacht, das Brauchtum im Allgemeinen und insbesondere im Hinblick auf den Fasching zu pflegen und zu fördern.

So beteiligen sie sich seit ihrem Bestehen an der traditionellen Elferratssitzung der Reundorfer Vereine, die seit vielen Jahren am Faschingssamstag mit einer gelungenen Mischung von Büttenreden, lustigen Auftritten und stimmungsvollem Tanzvergnügen die Besucher begeistert und die den Ruf Reundorfs als eine Faschingshochburg des Stadtgebietes begründete. Seit einigen Jahren organisieren sie außerdem am Faschingsdienstag den Faschingsumzug mit geschmückten Wagen und Fußgruppen durch den Ort. Und auch den alljährlichen Sturm aufs Lichtenfelser Rathaus am 11.11. um 11.11 Uhr haben sie eingeführt.

Oldtimertreffen zur Kirchweih und Todaustragen

Seit einigen Jahren bringen die „Maapiraten“ sogar eine eigene Fosenachts-Zeitung heraus, die in der Faschingszeit von den fantasievoll maskierten Mitgliedern mit ihrem Anführer Klauß Fischer auf einem Rundgang durch den Ort jedem Haushalt angeboten wird. In der Zeitung sind lustige Geschichten und zur Erheiterung beitragende Missgeschicke von Reundorfer Bürgern und Bürgerinnen niedergeschrieben.

Auf dem Programm der „Maapiraten“ stehen aber auch vielfältige Aktionen, die nichts mit dem Fasching zu tun haben. So organisieren sie das beliebte Oldtimertreffen zur Kirchweih, besuchen auswärtige Oldtimertreffen, ließen den alten Brauch des Todaustragens wieder aufleben und organisieren ein vereinsinternes Sommerfest.

Aufführungen der Theatergruppe finden ein begeistertes Publikum

Bei der lustigen, stets bestens gelaunten und immer Frohsinn verbreitenden Truppe ist es nicht verwunderlich, dass auch die 2014 gegründete Theatergruppe unter ihrem Leiter André Roder zu einem Erfolgsgaranten wurde. Die etwa sechs Aufführungen pro Jahr fanden ein begeistertes Publikum und waren stets ausverkauft.

Durch die Corona-Pandemie wurde der Tatendrang der „Maapiraten“ jäh gebremst. Zwar konnte noch 2020 der Fasching im vollen Umfang gefeiert werden, seit März 2020 aber erfordert die Pandemie große Rücksichtnahme von der Bevölkerung und damit auch eine weitgehende Einstellung der Vereinsaktivitäten.

Der Narrenbaum stammt aus der schwäbisch-alemannischen Fasnet

2021 und 2022 mussten die Faschingsveranstaltungen und 2020 und 2021 die Theateraufführungen abgesagt werden. Lediglich der Sturm auf das Rathaus fand 2021 in abgespeckter Form vor dem Rathausportal statt. Der Verein hofft aber noch, dass die Theateraufführungen im Oktober 2022 gezeigt werden können.

Eine zusätzliche Idee hatte aber der Vorsitzende schon im vergangenen Jahr: Klauß Fischer machte den Christbaum zum Fosenachtsbaum. Er erinnerte sich nämlich an den jahrhundertealten Brauch, einen Narrenbaum aufzustellen, wie dies in der schwäbisch-alemannischen Fasnet heute noch üblich ist. Dabei wird in der Faschingszeit im Ort eine zwölf bis 30 Meter hohe und bis auf einen grünen, meist mit bunten Bändern geschmückten Wipfel entastete und entrindete Fichte oder Tanne als weithin sichtbares Symbol für die Herrschaft der Narren aufgestellt.

Ausgediente Christbäume mit Luftschlangen und Luftballons

Die „Maapiraten“ begnügten sich mit einer kleineren Version, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Sie verwendeten die nach der Weihnachtszeit ausgedienten Christbäume, schnitten die unteren Äste ab und schmückten die zurückbleibende Baumkrone mit Stoffstreifen, Luftschlangen und Luftballons. Dabei waren der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Diese Fosenachtsbäume wurden dann auf die Terrasse, in den Vorgarten oder auf den Balkon gestellt und meist noch mit einer in der Nähe angebrachten Piratenfahne dekoriert. Nachdem diese Aktion 2021 ein voller Erfolg war, wird sie in diesem Jahr wieder veranstaltet. Diesmal beteiligten sich noch mehr Haushalte, sodass man in Reundorf über 50 Fosenachtsbäume zählen kann. Sogar auswärtige Mitglieder nehmen an der Aktion teil.

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