LICHTENFELS/HOCHSTADT/REDWITZ

Feuerwehren und THW kämpfen gegen Wasser und Schlamm

Dass der Sonntag kein ruhiger werden würde, war Kreisbrandrat Timm Vogler spätestens gegen Mittag klar. Die Meldungen des Deutschen Wetterdienstes verhießen nichts Gutes, und so sollte es dann auch kommen: Mehrere Wellen an Wolkenbrüchen sollten die Feuerwehren in Atem halten. Letztlich sollten es rund 100 Einsatzstellen werden.

„Wir hatten zwei Schwerpunkte: das Stadtgebiet Lichtenfels und dort besonders Wallenstadt zum einen und Hochstadt mit Ortsteilen und Redwitz zum anderen“, sagt Vogler im Gespräch mit dieser Redaktion. Bereits gegen 12.30 Uhr ließ er die Integrierte Leitstelle Stufe 1 alarmieren und so die Dispogruppe Starkregen zusammenkommen. „Gegen 13.15 Uhr waren wir mit unserer Einsatzleitstelle im Feuerwehrhaus Lichtenfels einsatzbereit.“ Genau rechtzeitig, als der Starkregen begann.

Als erstes traf es Oberwallenstadt. „Alleine in Wallenstadt waren es 30 Einsätze“, sagt Christoph Lotz, Kommandant der 30 Aktive zählenden Feuerwehr Wallenstadt. „Wir waren von 13.12 bis etwa 22.30 Uhr im Einsatz. Ich selbst habe die Einsatzstellen gesichtet, priorisiert und versucht zu koordinieren.“ Klar, dass man nicht an allen Stellen gleichzeitig sein konnte. Manchmal half es, die Häuser zunächst rundum mit Sandsäcken zu schützen. „Wir arbeiteten in Schulterschluss mit zwei anderen Zügen. Die Mannschaft hat wunderbar funktioniert.“ Zu allem Überfluss fiel dann auch noch das Kanalpumpwerk in Richtung Baggersee aus und drückte das Wasser über den Kanal zurück. „Das war sehr langwierig“, so Lotz.

Aufgrund des Starkregens liefen im Landkreis etliche Keller und Wohnungen voll, Fahrbahnen und Unterführungen überschwemmten. „Die Einsätze kamen zeitweise im Minutentakt“, bilanziert Kreisbrandrat Vogler. Am Nachmittag entspannte sich die Einsatzlage zeitweise, doch gegen 17.30 Uhr kam der nächste Wolkenbruch und damit die zweite Einsatzwelle.

Am Sonntag wurden rund 1500 Sandsäcke gefüllt

Um diesen Kraftakt zu stemmen, wurden Feuerwehren nahezu dem gesamten Landkreis zusammengezogen. „Wir haben die Dispo-Stufe 4 alarmiert, woraufhin das Kieswerk Trieb hochgefahren wurde“, so Vogler. „Wir haben alleine am Sonntag rund 1500 Sandsäcke gefüllt. Knapp 6000 Stück lagen in den Kommunen einsatzbereit vor, die wir ebenfalls anforderten.“ Die Koordinierung erfolgte vom Logistikplatz an der Stadthalle aus, unter der Führung der Feuerwehr Burgkunstadt. „In so einem Fall lösen wir sämtliche Strukturen auf. Mehrere Feuerwehren stehen unter einem Abschnitt, dann völlig egal, was auf Auto steht.“

Insgesamt waren rund 400 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren und des Technischen Hilfswerks (THW) im Einsatz. Das THW aus Bad Staffelstein und Coburg half nicht nur bei der Sandsacklogistik, sondern war bis weit in die Morgenstunden in Seubelsdorf gefordert. Im Bereich der Firma Lewell wurden schweres Räumgerät und eine Hochleistungspumpe eingesetzt, die bis zu 15 000 Liter pro Minute schafft und die Wassermassen vom Regenüberlaufbecken in Richtung Main beförderte. Ein Radladerfahrer des THW Coburg zog einen Graben. Es konnte verhindert werden, dass die Firmengebäude volliefen.

„Als wir um 1.30 Uhr die zentrale Einsatzführung auflösten, waren die THWler noch voll im Einsatz. Die Zusammenarbeit klappte hervorragend“, lobt Vogler. „Auch mit den Straßenmeistereien und der Polizei. Und, für mich das Wichtigste: Trotz 400 Einsatzkräfte hatten wir keinen einzigen Verletzten.“

Im Bereich Redwitz an der Rodach kam es an der Bundesstraße 173 zu kurzzeitigen Verkehrsbehinderungen, da die Wassermassen dort Schlamm und Geröll auf die Fahrbahn gespült hatten. In Weingarten gab es einen kleineren Hangrutsch, so dass die Straße ins Maintal vorübergehend gesperrt werden musste. Und auch in Hochstadt war manche Straße zeitweise unpassierbar.

Das Einsatzkonzept „Starkwetter“ des Landkreises Lichtenfels habe sich bewährt, heißt es in einer Pressemitteilung des Kreisfeuerwehrverbands. Während bereits zu Beginn der ersten Alarmierungen die Führungskomponente aufgebaut wurde, seien im weiteren Verlauf des Nachmittags und Abends die Komponenten „Logistik“ und „Sandsackabfüllung“ gefolgt.

Die letzten Einsatzkräfte haben am frühen Montagmorgen ihre Arbeiten beendet.

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