LICHTENFELS

Ferientipps vom Buchblog www.kinderbuchstabensuppe.de

Mit Büchern auf die Reise gehen, dazu muss man nicht unbedingt weit fahren. Foto: red

„Fahrt ihr weg?“ Die Antwort auf diese so einfach wirkende Frage scheint sich seit unserem Leben in einer Pandemie verkompliziert zu haben. Da gibt es ein entschiedenes „Ja klar, wie jedes Jahr nach Kroatien“ oder ein „Nein, das ist mir alles noch viel zu unsicher“. Dann wäre da noch ein „Wir haben dieses Jahr kein Geld für Urlaub“, da anhaltende Kurzarbeit oder womöglich ein Jobverlust keine Extras erlauben. Und auch Stimmen wie „Wir fliegen nicht mehr in den Urlaub, weil wir auf unseren ökologischen Fußabdruck achten“ werden laut.

Iris Birger (li.) und Stefanie Fischer vom Buchblog www.kinderbuchstabensuppe.de. Foto: red

Es tut sich etwas. Wir reflektieren, ob eine Fernreise wirklich nötig ist oder ob wir auch anders entspannen können. Wir überlegen, was Urlaub überhaupt bedeutet und ob wir nur durch einen Mindestabstand von zehn Stunden Autofahrt einen glücklicheren Zustand als Zuhause auf dem Balkon, im Garten oder im Freibad erreichen können. Mit den folgenden Buchempfehlungen der Kinder- und Jugendliteratur möchten wir vom Buchblog www.kinderbuchstabensuppe.de für Sie möglichst vielfältige Perspektiven einnehmen, um das Thema Sommer und Ferien in den Mittelpunkt zu stellen und Sie, egal ob Sie vereisen oder die Urlaubszeit in der Heimat verbringen, einladen, mit Büchern auf die Reise zu gehen.

Eine farbenfrohe Bilderreise durch ganz Deutschland

Wir starten mit einer Reise durch Deutschland in einem illustrierten Familienbuch, dem Bildband „Das ist Deutschland“ von Verena Körting, erschienen 2019 bei arsEdition. Das geprägte Cover, die festen Seiten und das große Format erinnern direkt an eine Art Wimmelbuch. Tatsächlich trägt das Buch sogar ein bisschen davon in sich, denn man wird von einer winzigen Meise auf farbintensiven, ausdrucksstarken und detailreichen Illustrationen begleitet.

Das Bilderbuch mit vollflächigen Doppelseiten führt in jeden Winkel Deutschlands. Man reist dabei von Norden nach Süden, von der Küste in die Berge und streift dabei durch die verschiedenen Jahreszeiten. Es ist eine besondere Reise, da sie eine Vielfalt an Orten, Menschen und Erinnerungen bereithält und das direkt vom heimischen Sofa aus. Das Buch lädt zum Verweilen, Betrachten und Erzählen ein und lässt jeden, egal ob jung oder alt, schon immer hier lebend oder erst angekommen, eintauchen in unser Land. Für alle die mehr Infos zu den Orten nachlesen möchten hält das Buch im hinteren Teil viele Informationen zu Ort und Geschichte bereit.

Nach Indien mit einem „Tiger im Gepäck“

Nun soll die Buchreise weiter nach Osten führen, sehr weit, nämlich bis nach Indien, mit einem Vorlesebuch in 22 Kapiteln, das sich bereits gut für das Vorschulalter eignet – „Tiger im Gepäck“ von Judith Allert, erschienen 2020 im Ravensburger Verlag. Ungewöhnliche Freundschaft, gemeinsame Abenteuer und Mut erfahren – aus diesem Stoff werden phantasievolle Kindergeschichten gemacht. Die kürzlich mit dem „Leseknirps 2021“ ausgezeichnete Autorin hat das Gespür für solche Erzählungen, da sie Kinder in den Mittelpunkt stellt, über sich hinauswachsen und dabei Erfahrungen sammeln lässt. Genau darum geht es in guten Kinderbüchern - Situation erleben zu dürfen, die man im Alltag vielleicht nicht ganz so erfahren würde. Zugegeben, wer von Ihnen war schon mit einem ruppigen Tiger, einem cleveren Straßenhund und einer vorlauten Maus, die allesamt sprechen und Menschen verstehen können, auf einem Roadtrip, weil genau dieser Tiger nicht länger Lust auf den langweiligen Zoo hatte und endlich zurück in den indischen Dschungel fliehen wollte?

Mika, die Protagonistin im Grundschulalter, lebt gemeinsam mit ihren Eltern in diesem Zoo und nimmt sich dem Wunsch des Tigers Tucker nach der Ferne an. Die fabelhaften Illustrationen aus der Feder von Stéffie Becker spiegeln die Emotionen der Figuren sehr gut wieder. Und das alles ganz gekonnt ohne zuckersüße Tigerstreifen. Mit kraftvollen Farben zeigen uns die Bilder völlig ohne Chichi das bunte, aber auch graue Großstadtleben. Schließlich kann ein echtes Abenteuer auch nur so entstehen, wenn man aus dem Zoo ausbricht, durch Hinterhöfe streunt, sich zwischen Müllcontainern verstecken muss und schließlich auf einer abenteuerlichen Flucht durch die Kanalisation ein gutes Ende erreichen darf.

Was tun, wenn sich die Mutter keine Reise leisten kann?

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Mit dem Jugendliteraturpreis ausgezeichnet: „Irgendwo ist immer Süden“ von Marianne Kaurin.

Weiter geht es nach Süden mit dem mehrfach ausgezeichneten Kinderroman „Irgendwo ist immer Süden“ von Marianne Kaurin, ab elf Jahren, erschienen 2020 bei Woow Books. Während manche Kinder mit ihren Eltern im Sommer verreisen, stehen andere vor der Herausforderung, nicht nur die Ferien in derselben Umgebung zu verbringen, sondern auch die Erzählungen und Bilder von schönen Urlaubszielen auszublenden und vielleicht sogar mit dem eigenen Scham und Neid zurecht zu kommen.

Die Protagonistin Ina, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, sucht in einer neuen Klasse noch verzweifelt Anschluss. Sie steht nicht nur vor dem Problem, dass ihre alleinerziehende Mutter keine Reise in den Ferien ermöglichen kann, sondern auch vor ihren Mitschülern nicht zugeben zu wollen, dass sie nicht wegfährt. Die Erfindung der Lüge, dass sie die Ferien im Süden verbringt, stellt sie vor die nächste Schwierigkeit: Nicht aufzufliegen. Der Autorin gelingt eine authentische, sensibel erzählte, sehr berührende Geschichte rund um Ehrlichkeit, Akzeptanz, Freundschaft und die Möglichkeiten, die in einem selbst schlummern. Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2021.

Eine Weltreise mit dem Entdecker Alexander von Humboldt

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Die Biographie „Alexander von Humboldt oder Die Sehnsucht nach der Ferne“ ist für Kinder ab zehn Jahren ein Erlebnis.

Und schließlich reisen wir in die Vergangenheit und gemeinsam mit Alexander von Humboldt in die Ferne, dank des illustrierten, biografischen Sachbuches „Alexander von Humboldt oder Die Sehnsucht nach der Ferne“ für Kinder ab zehn Jahren, erschienen 2018 im Gerstenberg Verlag. Kurzweilig, spannend und einnehmend beschreibt der Journalist und Reiseschriftsteller Volker Mehnert, wie Alexander von Humboldt bereits in jungen Jahren eine Begeisterung für die Natur entwickelte und wie er, den Wunsch nach fernen Ländern tief im Herzen, schließlich aus dem gut situierten, bürgerlich-intellektuellen Leben aufbrach zu seinen ersten Forschungsreisen.

So ist man hautnah dabei, wenn Alexander von Humboldt über den Atlantik segelt und in Venezuela ankommt, den Urwald durchquert und die Anden erklimmt, Mexiko entdeckt und über die USA nach Europa zurückkehrt. Und man spürt förmlich die Leidenschaft, mit der Humboldt die Welt erkundet und man wird, ebenso wie er, verzaubert von der einzigartigen Natur, den Naturgewalten, den unbekannten Kulturen und dem Eindruck eines Zusammenhangs von all dem. Ein Buch, das anregt, nicht nur die Schönheit der Welt zu schätzen, sondern auch ihre Vielfalt zu schützen.

„Beim Lesen können wir an viele Orte reisen, vielen Menschen begegnen und die Welt besser verstehen.“
Nelson Mandela, Träger des Friedensnobelpreises

Abschließend möchten wir Sie mit einem Zitat von Nelson Mandela gedanklich in die Ferne schicken und Ihnen eine gute und vor allen Dingen erholsame Ferienzeit wünschen: „Beim Lesen können wir an viele Orte reisen, vielen Menschen begegnen und die Welt besser verstehen.“

Kinderbuchstabensuppe

Blog, Podcast und Kinderredaktion für Familien und Pädagogen von Iris Birger und Stefanie Fischer.

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