LICHTENFELS

Familiendrama vor dem Amtsgericht Lichtenfels

Selbst während der Verhandlung sollten noch Zuschauer den Gerichtssaal betreten. Das Interesse an dem Fall, der eine Familie entzweit zu haben schien, war groß. Es ging um einen Rentner aus dem östlichen Landkreis, der sich gegenüber Tochter und Enkel gewalttätig gezeigt haben soll.

Auf 2250 Euro lautete der wegen Körperverletzung ausgestellte Strafbefehl, adressiert an den 69-jährigen Rentner.

Der aber, Schuld von sich weisend, legte Einspruch ein und so kam es am Mittwoch zur Verhandlung im Saal 14. Staatsanwältin Anna Saam hielt dem Endsechziger zwei Straftatbestände vor. Der eine vom Dezember 2019 lautete darauf, dass der Mann seine heute 40-jährige Tochter so geschubst habe, dass diese schmerzhaft gegen eine Heizung fiel. Vier Monate später sollte es seinem Enkel schlimmer ergehen.

Eine Operation wird notwendig

In einem Streit soll ihm sein Opa durch ein Schubsen sogar den Arm ausgekugelt haben. Die Folge: eine notwendige Operation.

Dass die Gewalt von ihm bund dabei grundlos ausging, bestritt der Angeklagte vehement. „Nein, sie hat sich provozierend in den Weg gestellt“, so der Mann, der selbiges Verhalten auch bei seinem Enkel ausmachte. Die Folge davon: „Irgendwann habe ich ihn am Kragen gepackt und rausgestellt.“ Das, was der Opa provozierend nannte, nannte sein Enkel „zur Rede stellen“.

Eben weil der Großvater auch seine Oma immer wieder „angepampt“ habe, wollte er Teenager die Unterredung mit dem Senior gesucht haben. Doch was das „Anpampen“ und die schlechte Laune des Großvaters verursacht haben mochte, das ließ sich schwerlich ergründen. Da war beispielsweise die Rede von einem Hund, der von den Großeltern gemeinsam erzogen werden sollte, über den der Opa dann aber eifersüchtig wachen sollte.

Selbstgebaute Waffen im Tresor?

Gleichfalls war die Rede davon, dass der Opa auch Konten und den Tresor leergeräumt habe. Ob die Staatsanwaltschaft, vertreten durch Anna Saam, dem von der im Zeugenstand auftretenden Tochter geäußerten Satz nachgehen wird, wonach eine Waffe im Tresor gelegen habe und der Großvater selbstgebaute Waffen besaß, darauf gab es während des Verfahrens keinen Hinweis.

Die Beweislast gegen den Angeklagten schien erdrückend, auch darum, weil seine Ehefrau gegen ihn aussagte und dabei das Bild eines eher jähzornigen Mannes zeichnete.

Letztlich empfahl Richter Matthias Huber dem anwaltlich vertretenen Angeklagten, in sich zu gehen und zu überlegen, ob der Einspruch gegen den Strafbefehl nicht zurückgenommen werden sollte.

Hintergrund: Bei einer Verurteilung dürfte das Strafmaß höher liegen, verbunden mit dem Risiko einer echten Vorstrafe. Gegenüber diesem Argument sollte sich der 69-Jährige offen zeigen und den Einspruch zurücknehmen. Er wird nun die 2250 Euro aufbringen.

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