LICHTENFELS

Familie Groh und die Nachhaltigkeit

Monika Groh (vorne li.) bei der Fahrraddemo in Lichtenfels am 24. September. Foto: Steffen Biskupski

Die Klimakrise prägt die Schlagzeilen. Die Folgen sind bereits zu spüren. Wollen wir die Welt retten, müssen wir eigiges ändern. Was kann jeder einzelne in Sachen nachhaltiger Lebensführung machen? Unsere Reporterin besuchte eine Familie, die sich mit Umweltschutz seit vielen Jahren bewusst auseinandersetzt und den Statusquo an vielen Stellen kritisch betrachtet.

Die vierköpfige Familie Groh aus Lichtenfels erzählt mit Stolz von der eigenen Solaranlage, die seit einem Jahr für sauberen Strom sorgt. Ebenso angeschlossen ist Solarthermie für die Erzeugung von Warmwasser. Schon seit einer Weile steht die konkrete Überlegung im Raum, ein E-Fahrzeug für die Familie anzuschaffen. Eltern und Kinder sind sich einig - kein Auto wäre die beste Lösung, denn selbst bei einem umweltfreundlicheren Automobil werden Ressourcen verbraucht.

Um jedoch flexibel zwischen Zuhause und Arbeitsstätte in den benachbarten Landkreis pendeln zu können, benötigt die Familie ein Auto. Als Grohs ihr Haus vor rund zehn Jahren von Grund auf ökologisch renovierte, wurde bereits vorausschauend eine Lademöglichkeit für ein späteres E-Auto vorgesehen. Wäre da heute nicht das eine große Problem mit Stellplatz und Lademöglichkeit für das neue Familiengefährt.

Bürokratische Hürden beseitigen

Beim Planen und Umsetzen von Abstellflächen zum Laden müsse es nach Grohs Erfahrung nicht nur im Innenstadtbereich, sondern vor allen Dingen innerhalb von bestehenden alten Siedlungen um pragmatische und fördernde Maßnahmen gehen. Derzeit blockieren bürokratische Hürden die Stellplatzlösung und sorgen damit für eine weitere Verzögerung der Anschaffung.

In Sachen Mobilität greifen die Grohs gerne auf das Fahrrad zurück. Einzig der Weg zur Schule bereitet der Mutter starke Sorgen. „Meine Kinder würden gerne mit ihren Fahrrädern auch einmal alleine losziehen, aber das kann ich guten Gewissens einfach nicht erlauben. Ich habe Sorge, dass es zu einem Unfall kommt.

„Eigentlich ist es gar nicht so ungewöhnlich, vegetarisch oder vegan zu leben, wenn wir uns mal vor Augen führen, dass diese Lebens- und

Ernährungsweise, wenn auch aus Gründen knapper Ressourcen, auf frühere Generationen zutraf.“

Familie Groh, Lichtenfels

Die Fahrradprüfung ist gut und wichtig, aber wenn wir unsere Fahrradwege in Lichtenfels anschauen, um nur mal die Kronacher Straße oder auch die Bamberger Straße zu nennen, dann haben wir da ein echtes Sicherheitsproblem. Man fährt dort Richtung Bad Staffelstein auf dem Gehweg, der immer wieder von Einfahrten und Abzweigungen gekreuzt wird. Das ist eine echte Gefahr für Kinder und Erwachsene.“

Lichtenfels und Radfahren stand auch im Mittelpunkt der Fahrraddemo, die am 24. September 2021 in Lichtenfels stattfand (unsere Redaktion berichtete). Radler und Radlerinnen jeden Alters fuhren auf dem Drahtesel durch Lichtenfels, um auf die vorhandenen Probleme aufmerksam zu machen. Monika Groh nennt gute Beispiele in der Nähe. So könne man in Erlangen erleben, wie sich Autos und Räder den Straßenverkehr teilen. Es gebe dort parallel verlaufende Radwege und immer wieder ausgewiesene Abstellflächen.

Über die Fahrraddemo in Lichtenfels sagen Grohs rückblickend: „Es war schön, dass so viele zusammenkamen und gemeinsam zeigten, dass sie sich eine andere Fahrradkultur für unsere Stadt wünschen.“

Im Hinblick auf Lebensmitteleinkauf und Ernährung können Grohs erste gute Ideen und Umsetzungen im Landkreis nennen, die auf Umweltschutz setzen. Eine Versorgung mit Bioladen, Biobäcker, lieferbaren Biokisten oder Selbstbedienungsboxen von Direktvermarktern sind bereits vorhanden.

Auch das Angebot der Solawi wird mit großem Interesse durch die Familie genutzt und unterstützt, um lokal erzeugtes Gemüse verzehren zu können. Daneben setzen Grohs auf die Selbstversorgung mit Obst und Gemüse entlang der Jahreszeiten. „Eigentlich ist es gar nicht so ungewöhnlich, vegetarisch oder vegan zu leben, wenn wir uns mal vor Augen führen, dass diese Lebens- und Ernährungsweise, wenn auch aus Gründen knapper Ressourcen, auf frühere Generationen zutraf. Hinzu kommt, unsere Familie versucht auf Müll zu achten, sprich Müll zu trennen und grundsätzlich auch wenig Müll zu produzieren. Wenn wir uns zurückerinnern an die 70er und 80er Jahre, dann waren viele Mülltonnen in unserer Nachbarschaft häufig nicht mal annähernd voll, als sie geleert wurden. Plastik ist zu einem echten Problem unserer Gesellschaft und somit auch zu einer Bedrohung in Sachen Umweltschutz geworden.“

Defizite sehen Grohs vor allen Dingen noch beim Thema „unverpackt einkaufen“ in Lichtenfels. Eine Frischfleischtheke mit Bioprodukten sowie einem Biosupermarkt, wie sie in Bamberg oder Coburg bereits zu finden seien, gäbe es in der Korbstadt noch nicht. Familie Groh betont in diesem Zusammenhang gleichzeitig, wie wichtig es sei, Bioangebote breit und somit für jeden Geldbeutel anbieten zu können, indem sich das System der Erwirtschaftung nicht auf Gewinnmaximierung, sondern auf Nachhaltigkeit und Kreisläufe ausrichte.

Wünschenswert wäre es laut Grohs daher auch, in unserem Landkreis Reparaturcafés für unterschiedliche Dinge nutzen zu können.

Adventszeit ist Konsumzeit. Gerade hier hat die Familie bereits einiges an Veränderungen umgesetzt. Nicht nur zu Weihnachten, sondern auch zu Geburtstagen wird auf Secondhand und die gängigen Verkaufsbörsen zurückgegriffen. „Geschenke können ebenso gut gebraucht sein. Wenn sie gut erhalten sind, dann spricht doch nichts dagegen, gebraucht zu kaufen, statt neuen Ressourcenverbrauch anzustoßen“, findet Monika Groh. Selbstgemachte Geschenke aus der Küche oder auch Zeit zu verschenken, stellt die Familie an erste Stelle und rät anderen ebenfalls kritisch zu hinterfragen, was wirklich gebraucht würde. Dabei solle man auch von Anfang an Kinder beim Thema Konsum und Wertigkeit einbeziehen.

Achtsam und mit der Natur verbunden

Eine Überzeugung, die sich mit einer indigenen Weisheit verknüpfen lässt. Diese besagt: „Wir haben die Natur von unseren Eltern geerbt. Wir haben sie aber auch von unseren Kindern geliehen.“ Mit diesen Worten wünschen die Grohs eine achtsame und mit der Natur verbundene Vorweihnachtszeit.

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