LICHTENFELS

Exhibitionist fährt in Lichtenfels im Auto neben Frau her

Im Amtsgericht in der Kronacher Straße in Lichtenfels wird Recht gesprochen. Foto: Markus Drossel

Dass er exhibitionistisch gehandelt hatte, gab der 46-jährige Arbeiter aus Lichtenfels vor Gericht freimütig zu. Aber was mochten die Gründe dafür gewesen sein, dass er Mitte Juli 2018 eine Frau kurz vor 22 Uhr so behelligte? Nach Ansicht des Gutachters, ein Facharzt der Psychiatrie, ist der Angeklagten ein Mann von eingeschränkter Auffassungsgabe und Ängsten. Das Tatmotiv blieb ungeklärt.

Hat der Tod seiner Kinder eine Depression ausgelöst?

Erschreckende Schicksalsschläge hat der Mann erlitten, wie im Laufe der Verhandlung bekannt wurde: Er verlor bei einem Unfall zwei Kinder. Aber kann so etwas im Zusammenhang mit dem Tatgeschehen stehen und mildernd gewertet werden? Steuerungsfähigkeit während depressiver Phasen wäre das, so der Gutachter. Doch die Frage, was diese auslösen könnte, blieb offen. Auch als die Richterin Daniela Jensch den Angeklagten danach befragte. Die Antwort, war stereotyp und der 46-Jährigen äußerte sie zweimal in fast gleichem Wortlaut: „Ich war mir gegenüber nicht selbstkritisch genug, ich habe Gesetze nicht verstanden.“

Verantworten musste sich der Mann, weil er am 15. Juli vor zwei Jahren mit dem Auto neben einer in Lichtenfels-Ost auf dem Gehweg gehenden Frau hergefahren und für sie gut sichtbar an seinem Glied manipuliert haben soll. Dann sei er weggefahren, wieder umgekehrt und habe das Gleiche für sie sichtbar noch einmal getan.

Bereitsschaft zu einer Therapie wirkt sich strafmildernd aus

„Sie wurden schon mal (wegen einer ähnlichen Handlung) auf Bewährung verurteilt, also ist ihnen doch bewusst, dass das Verhalten hier nicht zugelassen wird“, hielt ihm Richterin Jensch vor. Schließlich sei er wegen ähnlichen Vorfällen bereits 2008 und 2014 aufgefallen. Doch der wiederholte nur, dass er Gesetze nicht verstanden habe. Allerdings zeigte der Angeklagte auch Einsicht. Als ihn seine Anwältin Regina Taubert fragte, ob er bereit für eine Therapie sei, stimmte er zu. Dass eine Therapie erfolgsversprechend verlaufen könnte, wollte der Gutachter nicht ausschließen: „Er lässt sich strukturieren und setzt um, was man ihm sagt.“ Da das Opfer nicht zur Verhandlung kam, wurde aus Ermittlungsakten zitiert. Die Frau sei während des Vorfalls peinlich verblüfft gewesen: „Ich war perplex.“

Da der Lichtenfelser die Tat gestanden hatte, ging es am Ende nur noch um die Höhe des Strafmaßes. Staatsanwalt Mario Geyer forderte drei Monate Haft ohne Bewährung, Rechtsanwältin Regina Taubert plädierte angesichts der angespannten beruflichen Situation ihres Mandanten für eine Bewährungsstrafe und stellte die Länge einer Therapie ins Ermessen des Gerichts. Damit wäre ihr Mandant auch einverstanden.

Daniela Jensch verhängte in ihrem Urteil eine achtmonatigen Freiheitsstrafe zur Bewährung sowie eine Behandlung in einer Würzburger Fachambulanz. Dort habe sich der Mann umgehend vorzustellen und die Therapie werde dauern, so lange es verordnet wird. Längstens aber vier Jahre, was auch die Dauer der Bewährungszeit ist.

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