LICHTENFELS

Erschöpfung beim Personal von Regiomed steigt

Coronavirus - Intensivstation
Am Montag wurden im Lichtenfelser Regiomed-Klinikum vier Corona-Patienten intensivmedizinisch betreut, zwei mussten beatmet werden. Das berichtete der ärztliche Direktor Dr. Holger Göbel bei einem Pressegespräch des Klinikverbunds am Montagmittag.Symbolfoto: Fabian Strauch/DPA Foto: Fabian Strauch (dpa)

Im Regiomed-Klinikum Lichtenfels sind Stand Montag, 21. Dezember, 9 Uhr, 26 Corona-Patienten in Behandlung. Von diesen liegen vier auf der Intensivstation, zwei weitere werden künstlich beatmet. Diese Zahlen gab ärztlicher Direktor Dr. Holger Göbel bei einer Pressekonferenz des Klinikverbunds Regiomed am Montagmittag bekannt.

Im gesamten Klinikverbund mit den Krankenhäusern in Lichtenfels, Coburg, Hildburghausen, Neustadt und Sonneberg/Neuhaus sind 138 Patienten mit Covid-19 stationär in Behandlung, 16 auf den Intensivstationen und elf, die künstliche beatmet werden, fuhr Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke fort. Die Zahl der für Covid-19-Patienten gesperrten Betten bezifferte er auf 323. Frei sind im ganzen Klinikverbund 14 Corona-Intensivbetten, davon zwei in Lichtenfels. Diese Zahlen können sich aber von Stunde zu Stunde ändern. Auch zum Krankenstand des Personals hatte Schmidtke Zahlen parat. So sind momentan 167 Pflegerinnnen und Pfleger krankgeschrieben, hinzukommen 32 Ärzte.

Allein in Coburg fehlen aktuell rund 100 Mitarbeiter

Diese vielen Krankmeldungen sind es auch, die den Verantwortlichen die Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Allein in Coburg fehlen aktuell rund 100 Mitarbeiter, erklärte ärztlicher Direktor Professor Dr. Stefan Piltz. Die verbliebenen Pfleger und Ärzte hätten in den vergangenen zwei Wochen täglich zwischen 60 und 70 Corona-Patienten betreuen müssen, außerdem zwischen sechs und zehn intensivmedizinisch. Und davon wurde jeweils immer die Hälfte beatmet. Die aktuell jüngste Patientin, die künstlich beatmet wird, ist Mitte 40, der älteste 81. Dreiviertel aller Corona-Patienten sind über 70 Jahre alt. Dieser Wert gelte für den gesamten Klinikverbund, so der ärztliche Direktor.

„Auch die Kollegen kommen an die Belastungsgrenze“

„Bei unserem Pflegepersonal macht sich zunehmend die Erschöpfung bemerkbar. Ich bin positiv überrascht, wie tapfer und mit welch guter Laune die Mitarbeiter die Belastung stemmen. Psychische Stabilität ist vorhanden, aber auch die Kollegen kommen irgendwann an die Belastungsgrenze“, sagte Professor Piltz.

Trotz der vielen kranken Mitarbeiter sei das Klinikum Coburg rund um die Uhr in der Lage, Notfallpatienten mit oder ohne Covid-19 aufzunehmen, betonte der ärztliche Direktor. Jedoch gebe es mittlerweile Einschränkungen bei der Aufnahme von Patienten mit Turmor-, Herz- oder Magenerkrankungen, räumte Professor Piltz ein.

Der Mediziner hatte aber auch etwas positivere Neuigkeiten zu erzählen. So verfüge Coburg über vier Betten, bei denen für die Patienten eine „High-Flow-Sauerstofftherapie“ möglich sei, so dass für diese Kranken keine Intensivbetten notwendig sind. Die Klinik habe sich auch darauf vorbereitet, wenn die Zahl der Covid-Patienten weiter zunehme. „Allerdings wird nicht alles, was wir geplant haben, auch realisierbar sein, weil uns das Personal fehlt“, sagte der ärztliche Direktor.

Als weitere Herausforderung bezeichnete Professor Piltz die sogenannte Abverlegung genesener Covid-19-Patienten. Die Klärung der Frage, wie und wo diese meist älteren und sehr geschwächten Personen betreut werden müssen, sei ein „sehr anspruchsvoller Prozess“, der für sein Klinikum in enger Zusammenarbeit mit Stadt und Landkreis Coburg beschritten werde.

Zum weiteren Verlauf des Infektionsgeschehens gab Professor Piltz die Prognose, dass sich kurz nach Weihnachten zeigen werde, ob der harte Lockdown Wirkung zeige oder nicht, denn dann müsste die Zahl der Neuinfektionen sinken. „Bleiben die Zahlen gleich oder steigen, haben wir Grund, besorgt zu sein.“

Des Weiteren ständen ab dem 27. Dezember die ersten Impfungen an. Priorität hätten die über 80-Jährigen als Hochrisikogruppe, dann würde man die älteren Mitarbeiter des Klinikums impfen. „Einen Impfschutz werden wir aber erst etwa 30 Tage nach der ersten Impfung erreichen, also Ende Januar“, sagte er.

Etwas positiver als sein Coburger Kollege äußerte sich der ärztliche Direktor des Lichtenfelser Klinikums, Dr. Holger Göbel. Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 176,7 stehe Lichtenfels wesentlich besser da als die Landkreise Coburg (319), Hildburghausen (411) und Sonneberg (450). Auch sei der Einzugsbereich des Klinikums nur halb so groß wie der Coburger.

In der vergangenen Woche habe man die Covid-19-Station erweitert. Die Folge sei aber, so Dr. Göbel, dass planbare Eingriffe wie Hüftoperationen verschoben werden müssen. „Die meisten Betroffenen haben verständnisvoll darauf reagiert“, sagte der Arzt, der klarstellte, dass man nur wegen solcher Einschränkungen gut in der Lage sei, Notfälle zu versorgen.

„Große Identifikation mit dem Beruf“

Großes Lob sprach Dr. Göbel seinen Mitarbeitern aus. Zwar befinden sich aktuell auch 20 Mitarbeiter im Krankenstand, doch die anwesenden Kollegen seien immer bereit einzuspringen, wenn es notwendig sei. „Ich kann bei uns eine große Identifikation mit dem Beruf und den Willen, anderen helfen zu wollen, feststellen“, sagte der Arzt. Trotzdem räumte er ein, dass es nicht genug qualifiziertes Personal gebe, weshalb die Klinik nicht mehr Betten zur Covid-19-Behandlung zur Verfügung stellen kann.

Bei der Bundeswehr um medizinisches Personal angefragt

Wesentlich kritischer sieht die Lage bei den Regiomed-Kliniken in Thüringen aus. Der zuständige Geschäftsführer Michael Musick erläuterte, dass sehr viele Normalbetten gesperrt seien. Außerdem habe man beispielsweise Patienten an den Standort Neuhaus verlegen müssen, um den Betrieb in Sonneberg aufrechtzuerhalten. „Wegen des hohen Krankenstands haben wir bei der Bundeswehr um Hilfe durch medizinisches Personal angefragt“,sagte Musick.

Robert Wieland, Geschäftsführer für die bayerischen Regiomed-Einrichtungen, berichtete von 42 mit Corona infizierten Bewohnern und 18 Mitarbeitern in den Seniorenzentren Hildburghäuser Land, Bertelsdorfer Höhe und Sonneberg. Hier habe man teilweise ein komplettes Besuchsverbot ausgesprochen. In den Medizinischen Versorgungszentren laufe der Betrieb dagegen normal. Auch Wieland bezeichnete die Unterbringung und Versorgung der genesenen Patienten als große Herausforderung.

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