TRIEB

Ernährungstipps von Marion Reich aus Trieb

Viele Menschen erfüllen sich während der Corona-Krise den Traum vom eigenen Gemüse- oder Kräutergarten. Foto: Corinna Tübel

Spargel, Radieschen und Kohlrabi: Die Schlange vor den Marktständen und Gemüseregalen im Supermarkt ist derzeit lang. Auf der anderen Seite laden viele Menschen im Discounter Berge von Chips und Schokolade in die Einkaufswägen. Böse Zungen sprechen von „Corona-Kilos“.

Beide Trends beobachtet Ernährungsberaterin Marion Reich aus Trieb während der Corona-Krise: Es gebe Menschen, die sich während der Pandemie bewusster und gesünder ernähren. Der größere Teil der Erwachsenen jedoch habe „etwas zugelegt“. Die Studie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München „Folge der Pandemie auf Ernährung und Gewicht“ (Februar 20219 spreche von rund 25 Prozent. „Aber das muss nicht immer schlimm sein. Es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen Gewichtszunahme und schädlichem Übergewicht!“, so die Ernährungsberaterin. „Es geht doch im Kern darum, gesund, bewusst und vor allem mit Freude zu essen.“

Obermain-Region als Paradies für Ernährungsbewusste

Sie beobachtet: Einige Menschen haben als Nebeneffekt des Home-Office mehr Zeit und Ressourcen zur Verfügung und kochen möglicherweise seit langer Zeit mal wieder selbst: Sie testen neue Zutaten, die vielleicht aus dem neu angelegten Gemüse- oder Kräutergarten stammen. Andere kaufen verstärkt bei regionalen Direktvermarktern frische Zutaten oder fertige Gerichte.

Zur Person
Marion Reich ist Diplom-Ökotrophologin, das heißt Haushalts- und Ernährungswissenschaftlerin. Sie sieht sich eher als Es... Foto: privat

Auch die Gründung der solidarischen Landwirtschaft „SoLaWi Obermain“ oder die Nachfrage nach Angeboten wie etwa Online-Kochkurse des „Netzwerkes Junge Familien“ und des Bayerischen Bauernverbands bezeugen diese neue Entwicklung. „Da leben wir ja in unserer ländlichen Region fast im Paradies.“ Marion Reich schätzt dies sehr.

Aber es gibt auch Familien mit berufstätigen Eltern, deren Kinder im Home-Schooling nicht immer ganztags betreut werden können. Alleinerziehende, die nach der Arbeit zur Kita hetzen und am Abend erschöpft sind. Marion Reich hat Verständnis: „Da fehlt vielen einfach die Zeit und die Energie, sich Gedanken um ein vollwertiges und abwechslungsreiches Essen zu machen.“

Feste Essrhythmen und Speisepläne gegen „Snacking“

Besorgniserregend ist für die Ernährungswissenschaftlerin das „Snacking“, wenn es zur Routine wird. Dann werden hochkalorische Lebensmittel ohne Nährwert „nebenbei“ gegessen. Auch das „Essen als Seelentröster“ kann bei Regelmäßigkeit und fehlenden Bewältigungsmechanismen der Probleme, von denen viele durch die Corona-Krise verstärkt wurden, zum Teufelskreis werden. Das habe sich während der Pandemie öfter bei Teenagern gezeigt.

Dagegen helfen feste Ess-Rhythmen und Speisepläne für eine oder gar zwei Wochen, die die Kinder und Erwachsenen eines Haushalts gleichermaßen bei der Planung und Zubereitung der Gerichte einbeziehen. Feste Tagesstrukturen, eine gute Psychohygiene und genügend Bewegung an der frischen Luft wirken Heißhungerattacken entgegen. Das stärkt auch das Immunsystem.

Zwar gibt es in der Medizin bereits Vermutungen, dass Covid-19-Erkrankte durch hochdosierte Vitamin-D-Gaben Entzündungen im eigenen Körper senken können, doch sei die Datenlage hierfür noch zu dürftig. Auch die schützende Wirkung mancher Lebensmittel, wie etwa Knoblauch, Ingwer, Kurkuma, könne auf Grund fehlender wissenschaftlicher Erkenntnisse nicht automatisch auf Covid-19 übertragen werden.

Wie gesunde Ernährung das Immunsystem stärkt

Zu einem starken Immunsystem trägt eine gesunde und ausgewogene Ernährung aber auf jeden Fall bei. Und sie kann sich auch auf die Stimmung positiv auswirken. Marion Reich empfiehlt eine pflanzenbetonte, ausgewogene Ernährung mit reichlich Getreide und Vollkornprodukten, Nüssen, hochwertigen Pflanzenölen, viel Gemüse und Obst (fünf am Tag), Zucker und Süßigkeiten in Maßen sowie wenig tierischen Fetten.

Bei tierischen Lebensmitteln sollte man eher auf die Qualität als auf die Quantität achten und hochverarbeitete Lebensmittel meiden. Auf diese Weise ist man gut mit abwehrstärkenden Stoffen wie Vitamin C, D, E, A sowie Zink, Selen und Eisen versorgt und der Körper ist in einer guten Verteidigungsposition.

Frische Kräuter für den Geschmacks- und Geruchssinn

Von Nährungsergänzungsmitteln rät Marion Reich ab: „Wenn ich diese Stoffe über die natürlichen Lebensmittel aufnehme, kann sie mein Körper besser verwerten und ein Überdosierung ist ausgeschlossen.“ Auch Fastenperioden können das Immunsystem stärken.

Hülsenfrüchte wie Linsen werden oft unterschätzt, besitzen jedoch wertvolle Eiweiße. Foto: Corinna Tübel

Sollte nach eine Covid-19-Infizierung der Geruchs- und Geschmackssinn beeinträchtigt sein, rät Marion Reich, nicht zu „überwürzen“. Vielmehr könnten frische Kräuter die Sinne langsam wieder ansprechen. Geduld sei hier sicher der bessere Ratgeber.

Sollten sich als Begleiterscheinung der Erkrankung Muskeln zurückgebildet haben, legt sie eine ausreichende und hochwertige Eiweißversorgung nahe – beispielsweise in Gerichten mit Getreide und Hülsenfrüchten, Kartoffeln und Ei oder auch Pfannkuchen, gepaart mit gezieltem Muskeltraining sowie Bewegung an der frischen Luft mit langsam steigender Intensität. Auch klassische Wasseranwendungen (nach Kneipp) könnten bei Long Covid unterstützen und das Immunsystem stimulieren.

„Es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen Gewichtszunahme und schädlichem Übergewicht.“
Marion Reich, Ernährungsberaterin

Marion Reich rät, nicht „zu streng“ mit sich zu sein. „Die Corona-Krise ist an sich schon schwierig genug: für die Medizin, für den Körper und auch für die Psyche.“ So sollten Eltern auch sollten einige „Zusatz-Kilos“ bei ihren Kindern nicht überbewerten, sondern sie dazu motivieren, sich gemeinsam draußen zu bewegen und Kontakt zu ihren Freunden zu halten.

 

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