LICHTENFELS

Erinnerung an Deportation von jüdischen Lichtenfelsern

Erinnerung an Deportation von jüdischen Lichtenfelsern
Auf dem Weg von der ehemaligen Synagoge zum Bahnhof. Foto: Werner Diefenthal

Es ist eigentlich unvorstellbar, doch ist es Geschichte. Wie überall zur Zeit der Nazi-Herrschaft, so wurden auch in Lichtenfels die jüdischen Mitbürger entrechtet, verfolgt, misshandelt und am Ende ermordet. Wer nicht rechtzeitig fliehen konnte oder nicht genug Geld für eine Flucht hatte, auf den wartete am Ende der Transport in eines der vielen Vernichtungslager der Nazis.

Statt eines Namens hatte man nur noch eine Nummer, ein weiterer Schritt, der zeigen sollte, dass man als Jude kein Mensch war. Im ganzen Land und in den von den Nazis besetzten Ländern rollten Tag und Nacht die Züge voller Menschen, auf die am Ende der Tod wartete. „Umsiedlung“ hieß es offiziell, bis zum Ende wurden sie getäuscht und belogen.

So auch die letzten noch in Lichtenfels lebenden Juden, die am 24. April 1942 in den Zug DA 49 einsteigen mussten. Manfred Brösamle-Lambrecht erinnerte in seinem Vortrag in der ehemaligen Synagoge an das Schicksal jener Menschen. „Verschwunden im Grauen“, ein Titel mit Doppeldeutigkeit. Verschwanden die Menschen nicht nur im Grauen eines ganzen Volkes, sondern auch im Grau der Geschichte.

Die Schicksale der Menschen, sie bewegen auch heute noch. So wie das der Oppenheimers, die schon fast ausgereist waren. Doch fand man verbotene Wertgegenstände in ihrem Gepäck, wofür sie ins Gefängnis mussten. Als sie entlassen wurden, war es für eine Ausreise zu spät.

Erinnerung an Deportation von jüdischen Lichtenfelsern
14 Rosen als Erinnerung und Mahnung. Foto: Werner Diefenthal

Oder das Schicksal von Josef Kraus, der freiwillig in Lichtenfels geblieben war. Über die Gründe dafür kann man nur spekulieren. Es heißt, er wollte seinen pflegebedürftigen Vater nicht alleine lassen. Andere Quellen sagen, er habe an TBC gelitten. Und damit hätte er nirgendwo einreisen können.

Ein Leben in Angst

Die Juden zu dieser Zeit, sie alle lebten in Angst. Sie waren bereits entrechtet, durften nicht mehr arbeiten, nicht mehr reisen, lebten in Ghettos oder abgeschirmten Häusern in elenden Verhältnissen, den Hungertod täglich vor Augen. Im September 1941 kam die Anordnung zum Völkermord. Transport reihte sich an Transport. „Das Ziel eines jeden Transports, das waren keine Konzentrationslager. Es waren Todesfabriken“, stellte Manfred Brösamle-Lambrecht klar heraus.

„Man übermittelte den Menschen den Transportbefehl. Mitnehmen konnten sie nur das, was sie tragen konnten. Sie erhielten eine Nummer, sperrte sie in Waggons. Verpflegung für mehrere Tage war mitzunehmen, doch das Problem war Wasser. Aussteigen durften sie nicht, um Wasser zu holen. Und von der Bevölkerung war keine Hilfe zu erwarten.“

Erinnerung an Deportation von jüdischen Lichtenfelsern
Hielt einen bewegenden Vortrag: Manfred Brösamle-Lambrecht. Foto: Werner Diefenthal

Der Transport dauerte vier Tage, bis sie in Krasnystaw ankamen. Von dort ging es 17 Kilometer in einem Gewaltmarsch nach Krasniczyn, einem Ort mit knapp 50 Häusern, den man vorher geräumt hatte. Zu 40 Personen in engsten Verhältnissen, Essen gab es nicht. Die hygienischen Zustände mag man sich nicht vorstellen. Eine Bewachung war unnötig. Man befand sich mitten im besetzten Polen, von der dortigen Bevölkerung war keine Hilfe zu erwarten.

Am 6. Juni 1942 wurde dieses Ghetto aufgelöst, die Menschen mussten sich draußen versammeln und wurden wieder weitergetrieben. Wer nicht laufen konnte oder unterwegs nicht mehr konnte, wurde von der Gruppe getrennt und erschossen. 19 Kilometer Marsch bis zum Bahnhof, dann in Viehwaggons eingepfercht ging es auf die letzte Etappe nach Sobibor, wo die noch lebenden Menschen mit Abgasen vergast wurden. Wann und wie die Juden aus Lichtenfels ums Leben kamen, ist unklar. Am Ende waren alle Insassen des Transportes durch die Nazis ermordet worden.

Erinnerung an Deportation von jüdischen Lichtenfelsern
Vor dem Bahnhof. Rund 80 Teilnehmer waren bei der Mahnwache anwesend Foto: Werner Diefenthal

Mit eindrucksvollen Bildern und bewegter Stimme schilderte Manfred Brösamle-Lambrecht das Geschehen. Nach einer Schweigeminute versammelten sich die rund 80 Anwesenden zu einem Schweigemarsch zum Bahnhof, um dort 14 weiße Rosen in Gedenken an die jüdischen Mitbewohner abzulegen.

„Nie mehr ist jetzt“

Mit dieser Aktion, gemeinsam durchgeführt vom Bündnis „Lichtenfels ist bunt“ und „Omas gegen Rechts“ sollte an diesem Abend den Opfern gedacht werden. „Wir erinnern an die Vergangenheit“ und „Nie mehr ist jetzt“ stand auf den mitgeführten Transparenten, was auch von Gudrun Rebhan von Omas gegen Rechts und Laura Göldner von Lichtenfels ist Bunt in ihren kurzen Reden anführten. „Wir erinnern uns“, so Laura Göldner. Diese Erinnerungen dürfen nie verblassen.

 

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