LICHTENFELS

Energiewende am Obermain: Global denken, lokal handeln

Die Energiewende voranbringen - dass dies nur mit breiter Bürgerbeteiligung möglich ist, forderte der Bund Naturschutz mit seiner Schatzmeisterin Elfriede Fischer, Ortsvorsitzendem Günter Lutz, BN-Kreisvorsitzenden Anton Reinhardt und etlichen Besuchern auf dem Marktplatz. Das Bi... Foto: BN

Im Dezember 2015 hat die UN-Klimakonferenz in Paris Geschichte geschrieben. Die Klimaziele sollten zu einem Leitziel der Politik werden. Wie schaffen wir es, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad zu begrenzen? Nach dem Motto „Global denken und lokal handeln“, beschäftigt sich damit immer wieder aufs neue die Kreisgruppe des Bund Naturschutz. Die Klimaziele dürfen auch nicht zu Zeiten der Pandemie vergessen werden.

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt glaubt, dass die demokratische Willensbildung innerhalb des BN gut funktioniere und meinte: „Wir sind keine Fundamentalisten und versuchen bei unterschiedlichen Auffassungen, etwa bei der Verwirklichung der Energiewende einen breiten Konsens. Manchmal muss man halt von seinen Idealvorstellungen Abstriche machen und kompromissbereit sein, aber die Richtung auf dem Weg zur Klimaneutralität sollte auch in unserem Landkreis stimmen. Nichtstun würde bedeuten, dass wir in Bayern bis zur Jahrhundertwende mit einer mittleren Temperaturzunahme um 5 Grad rechnen müssen, also mehr als das Dreifache des Limits!“

Wind- und Sonnenenergie weiter ausbauen

Die Kreisgruppe des Bund Naturschutz fordert beispielsweise, den Ausbau der Windenergie und der Sonnenenergie unter Wahrung von Umwelt und Naturschutzbelangen voranzutreiben, aber eine herausragende Denkmallandschaft wie etwa den sogenannten „Gottesgarten“ nicht noch mehr zu verschandeln oder weite Bereiche fruchtbaren Ackerlandes für noch mehr Photovoltaikparks zu opfern.

Die Energiewende beruht aus BN-Sicht auf drei Säulen: Energiesparen, Energieeffizienz und dezentral erzeugte naturverträgliche erneuerbare Energien.

„Die Energiewende muss die Bereiche Strom, Wärme und Transport umfassen, nicht nur im Verbrauch hier bei uns, sondern auch bezogen auf Produkte, die nach Bayern importiert und hier konsumiert werden. Es gibt viele gute Gründe für eine dezentrale Energiewende: Gerechtigkeit, Teilhabe von Bürgerinnen und Bürgern an der Energiewirtschaft sowie Akzeptanz. Motivation und Umsetzung entstehen auch aus der Wertschöpfung für die Menschen vor Ort; und letztlich auch globale Verantwortung.“, meint BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt und weist auf das nachahmenswerte Beispiel eines Energiespardorfes, Oberleiterbach, hin.

Breite Bürgerbeteiligung wird sehr ernstgenommen

Er ergänzt: „Wir freuen uns, dass bei Seubersdorf, nahe der Autobahn A 70 die ersten drei Windräder im Landkreis Lichtenfels errichtet werden konnten. Eine dieser Windkraftanlagen hat eine Nennleistung von 2,5 Megawatt. Das reicht aus, um 2000 Durchschnittshaushalte mit Strom zu versorgen. Wir haben von Anfang an für eine breite Bürgerbeteiligung in unserem BN-Umweltbüro geworben. Mit der Gründung der „Friedrich-Wilhelm Raiffeisen Creussen Energie e.G.“ ist es gelungen, auch mit geringen Beiträgen viele Bürger aus der Region für die dezentrale Energieerzeugung zu gewinnen und am Erfolg teilhaben zu lassen.“

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Groß war das Interesse an der Besichtigung eines Mehrfamilien-Solaraktivhauses mit innovativer, energieeffizienter Techn... Foto: BN

in ähnliches Erfolgsmodell sei die Gründung der Genossenschaft„NEO“ (Neue Energie Obermain) gewesen. Der BN-Kreisvorsitzende informierte: „Hier wurden in den letzten Jahren einige Photovoltaik-Anlagen mit breitgestreuter Bürgerbeteiligung im Landkreis errichtet, die umweltfreundlichen Sonnenstrom erzeugen. Wir müssen in Bayern Wind- und Sonnenstrom kräftig dezentral ausbauen und dabei die Lücken, die Wind und Sonne an wenigen Tagen im Jahre nicht abdecken, mit Strom aus Biomasse und Blockheizkraftwerken füllen. Dabei müsste die Einspeisung für regionale Energienetze ebenso wie die Entwicklung leistungsfähiger Speichertechnologien stärker staatlich gefördert werden. Niemand würde von uns aber auf den Gedanken kommen, auf dem Staffelberg oder Banzer Berg ein Windkraftwerk oder am Vierzehnheiligener Berg eine Freiland-Photovoltaikanlage zu errichten.“

Ökologische Leitplanken

Der BN sieht deshalb bestimmte „ökologische Leitplanken“ vor: Keine solchen Anlagen in Nationalparken, auch nicht in Naturschutzgebieten (NSG), nicht in SPA (Special Protektion Area) und FFH-Gebieten, nicht in schutzwürdigen Wäldern, wie Naturwaldreservaten, aber auch nicht in besonders schutzwürdigen Landschaften.

Dass der BN nicht allen sogenannten Ökostrom-Projekten zustimmt, zeigte Reinhardt anhand folgendem Beispiel auf: „Der Neubau eines Wasserkraftwerks am Main bei Michelau ist aus ökologischer Sicht kontraproduktiv, der BN hat deshalb eine ausführlich begründete, ablehnende Stellungnahme abgegeben; denn der Energiegewinn steht in keinem akzeptablen Verhältnis zum Schaden für die Gewässerqualität eines der letzten Abschnitte des freifließenden Maines.“

Landkreise sollen Beitrag leisten

Die BN-Kreisgruppe vertrete die Meinung, dass jeder Landkreis dennoch einen ausreichenden Beitrag zur Energiewende leisten müsse. Reinhardt bekräftigte: „Fest steht aus unserer Sicht, dass das schrittweise Abschalten der Atomkernkraftwerke unumkehrbar ist; denn die breite Bevölkerung möchte nichts mehr mit dieser Risikotechnologie zu tun haben. Auch der Ausstieg aus der Kohleverstromung ist unumgänglich, wenn wir die Klimaerwärmung in den Griff bekommen wollen. Daraus folgt, dass wir sparsamer mit unserem Energieverbrauch werden müssen. Die vorhandenen erneuerbaren Energien müssen in Zukunft vernünftig, das heißt mit „ökologischen Leitplanken“, ausgebaut werden und bei effizienter Nutzung auch einmal ausreichen, den Bedarf komplett zu decken.“ (Ant)

 

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