LICHTENFELS

Endlich Schulkind! Oder doch Wehmut?

Jetzt sind erst einmal Ferien. Aber Mitte September ist es auch bei uns wieder soweit. Die Schule in Bayern beginnt. Und für viele Kinder startet sie mit dem aller ersten Schultag. Heute gibt es daher eine Schultüte voller Buchtipps. Foto: Iris Birger

Iris Birger und Stefanie Fischer sind Kinderbuch-Bloggerinnen. Vom Netz in die Tageszeitung geht es mit ihren Buchtipps zweimal im Monat aufOTverbindet. Die heutigen Empfehlungen zeigen bunte Buchtipps rund umden ersten Schultag, den Schulweg oder den Alltag in der Klasse.

Achtung Schulkinder!

ABC–Schützen, Schulanfängerinnen, i-Dötzchen oder Erstklässler - egal wie sie deutschlandweit genannt werden - nach den Sommerferien steht für viele Kinder der erste Schultag vor der Tür. Ein neuer Abschnitt im Leben, den die Kinder ganz unterschiedlich wahrnehmen und der von vielen verschiedenen Gefühlen begleitet wird. Da ist Stolz und Freude, bald zu den großen Schulkindern zu gehören und den tollen Schulranzen tragen zu dürfen.

Traurigkeit über den Kindergartenabschied. Unsicherheit wegen all dem Neuen. Selbstbewusstsein, weil man den Schulweg alleine bestreiten darf. Aufregung oder Angst vor den vielen Herausforderungen. Und vielleicht auch ein großes Kuddelmuddel all dieser Gefühle, die manche Kinder vor dem Schulstart Kopf stehen lassen.

Und auch für die Eltern, Geschwister und andere Familienangehörige sind mit dem Schuleintritt des Kindes viele Fragen, Gedanken, Gefühle und Veränderungen verbunden - wahrscheinlich ganz unterschiedliche, je nachdem ob es, dass erste und vielleicht einzige Kind ist, das diesen Schritt geht, oder es bereits Geschwister in der Schule gibt.

Wie geht man mit all diesen Gedanken und Gefühlen um? Wir denken, dass es helfen kann, viel miteinander zu reden. Und zum Beispiel die Schule und den Weg dorthin kennenzulernen. Das neue Material zusammen einzukaufen. Und natürlich: Bücher darüber zu lesen. Deshalb kommt hier eine von uns handverlesene Auswahl und große Herzensempfehlung, denn: Auch bei uns beiden wird dieses Jahr eine ABC-Schützin beziehungsweise ein Erstklässler mit der Schultüte im Wohnzimmer stehen und zum ersten Mal sagen: „Heute gehe ich in die Schule“.

„Nina - Endlich Schulkind!“ von Emi Guner und Anne-Kathrin Behl (Illustrationen) ist fröhlich, witzig, spannend und authentisch, weil jede Geschichte ganz nah am Alltag der Kinder geschrieben ist. Auch im 2. Band von „Nina“ erwarten uns wieder viele schöne Kurzgeschichten, die sich hervorragend zum Vorlesen im Kindergarten oder zuhause eignen. Die Autorin bringt die Gefühlswelt eines Schulkindes auf den Punkt: „Es gibt einen Tag, den Nina schon so lange herbeisehnt, dass sie sich gar nicht mehr daran erinnern kann, wie es war, ihn nicht herbeizusehnen. Heute ist es endlich so weit. Denn jetzt sitzt Nina hier, in einer richtigen Schule, auf einem richtigen Schulstuhl, an einer richtigen Schulbank, in einem richtigen Klassenzimmer.“

Eben war Nina also noch die Große im Kindergarten und erlebte gemeinsam mit ihrer Familie und ihrem Freundeskreis die Zeit als Vorschulkind. Nun geht es ebenso grandios weiter mit Ninas ersten Monaten als Schulkind. Mit dabei ist natürlich auch Ninas Kuscheltier Schneeleopard. Es geht um das Ankommen im Schulalltag, um Gefühle, Streit, Wackelzähne, und dann wäre da noch das eklige Schulklo.

Die Illustrationen ergänzen die Geschichten stets passend und spiegeln die Gefühlswelt von Nina und ihren Freundinnen und Freunden wieder. Sollten Sie „Nina - ein grandioses letztes Jahr im Kindergarten“ noch nicht kennen, dann starten Sie doch in den Ferien mit Band 1 und verschenken Nina Band 2 zur Einschulung. In der Schultüte findet sich bestimmt noch ein Plätzchen dafür.

Spätestens wenn das Kind in die Schule kommt, wird der Schulweg ein Thema und es wird überlegt: Zu Fuß, mit dem Rad oder Roller? Und für die Sicherheit aller im Bereich des Schulgeländes besser nicht mit dem Auto.

Auf dem Schulweg Selbstvertrauen gewinnen

Alleine, in der Gruppe mit anderen oder den Eltern als Begleitung? Den Schulweg ohne die Eltern zu bestreiten, gibt Kindern häufig ein großes Stück Eigenständigkeit und Selbstbewusstsein. Aber genauso häufig sehen Eltern diesem Schritt besorgt entgegen. Umso schöner ist es, wenn man parallel zum Üben des Schulwegs das Thema sowie gefährliche Situationen an der Straße und Verkehrsregeln auch mit einem Buch zu Hause aufgreifen kann. Und dafür eignet sich das Buch „Der Ernst des Lebens: Den Schulweg gehen wir gemeinsam“ ganz fantastisch. Die Hauptfiguren Anette und Ernst sind unterwegs zur Schule und können zum Glück ihren Schulweg gemeinsam gehen. Sie haben richtig viel Spaß dabei, sind aber ebenso konzentriert beim Überqueren der Kreuzungen auf Zebrastreifen oder an Ampeln. Doch in einem Moment der Unachtsamkeit wäre fast etwas passiert, was den beiden einen gehörigen Schrecken einjagt. Wie gut, dass sie zu zweit unterwegs sind, denn so können sie sich gegenseitig trösten und sich dabei helfen, etwas im wahrsten Sinne des Wortes hinter die Ohren zu schreiben.

Die Geschichte lädt nicht nur dazu ein, beim Vorlesen und gemeinsamen Anschauen die wichtigsten Verkehrszeichen und Sicherheitsregeln im Straßenverkehr kennen zu lernen, zu besprechen oder Revue passieren zu lassen. Sie macht vor allem Lust darauf, sich das „Hinter-die-Ohren-schreiben“ einmal wirklich auszuprobieren und auch die Regeln im echten Straßenverkehr anzuwenden. Der Hefteintrag mit allen Straßenregeln auf den beiden letzten Seiten hilft dabei. Die Illustrationen sind in diesem Buch nicht nur ansprechend, kindgerecht und farbenfroh, sondern auch vielfältig und gesellschaftlich bunt.

Sie drücken trotz des wichtigen Themas Heiterkeit aus. Und genau das ist doch bei aller Ernsthaftigkeit wichtig: Dass Kinder, die ihren Schulweg alleine bestreiten, vor allem Spaß daran haben und stolz darauf sein können, ein weiteres Stück Selbstständigkeit erfolgreich zu meistern.

Vorfreude, Aufregung und Anspannung

Der erste Schultag – das sind Vorfreude, Aufregung und Anspannung pur! Wer sind meine Mitschülerinnen und Mitschüler? Wie wird die Lehrerin oder der Lehrer sein? Wo ist mein Klassenzimmer? Neben wem sitze ich? Und wie sieht so ein Tag in der Schule überhaupt aus? An so einem

besonderen Tag ist nicht nur der Stolz, endlich ein Schulkind zu sein, ganz groß, sondern vielleicht auch die Ängste, Unsicherheiten und Erwartungen. Genau solche Gefühle sowie typische Situationen rund um den Schulstart greift Daniela Kulot in „Wir sind 1. Klasse“ auf. Und zwar auf eine ganz besondere Weise: Auf jeder Seite wird eine Kurzgeschichte rund um ein Kind und einen Buchstaben aus dem Alphabet erzählt. So lernt man in 26 Kurzgeschichten die 26 Kinder einer 1. Klasse kennen – natürlich in alphabetischer Reihenfolge. Jeweils ein Buchstabe bildet dabei den Rahmen für eine Geschichte rund um das neue Schulkind: Der Vorname und bestimmte Eigenschaften werden mit demselben Buchstaben gebildet, aber nicht jedes Wort beginnt zwangsläufig mit dem jeweils passenden Schriftzeichen. So entsteht ein lockeres Spiel mit den Buchstaben, die durch den heiteren Erzählstil und die humorvollen Illustrationen ergänzt werden, so dass aus 26 einzelnen Geschichten EINE Geschichte wird: Zum einen die Geschichte von 26 Kindern rund um den Schulstart, die alle verschiedenen sind, aber zusammen in einer Klasse eine Gemeinschaft bilden und durch den gemeinsamen Schulstart geeint sind.

Zum anderen die Geschichte um 26 Buchstaben, die zwar ganz unterschiedlich sind, aber alle zum Alphabet gehören – und nur in der Kombination miteinander Wörter, Sätze und Geschichten bilden können. Ein wunderbares Buch für Vorschulkinder, die Schultüte und die ersten Tage in der neuen Klasse. Aber ein ebenso tolles Buch, um im ersten Schuljahr begleitend eingesetzt zu werden: Als Begleiter bei der Einführung der neuen Buchstaben, zu Themen wie Gefühle, Vielfalt, Individualität, um in der Klasse Regeln zu besprechen oder Gesprächsanlässe zu bieten zum Verhalten miteinander und in der Klassengemeinschaft.

Im September sammeln wir unsere Empfehlungen rund um das Thema Einschulung und Schule nochmals in einem anderen Format für Sie. Diesmal als Podcast, nach zu hören auf unserem Blog www.kinderbuchstabensuppe.de, mit vielen Buchtipps und auch unseren persönlichen Erfahrungen als Eltern rund um das Thema Einschulung und Schulweg. Wir wünschen Ihnen allen schöne Ferien und einen guten Start in das neue Schuljahr 2022/23.“

Mehr Infos unter www.kinderbuchstabensuppe.de oder in den Sozialen Medien.

Die Bücher

„Nina - Endlich Schulkind!“ von Emi Guner, illustriert von Anne-Kathrin Behl, übersetzt von Friederike Buchinger, 128 Seiten, ab sechs Jahren, erschienen 2022 bei Klett Kinderbuch; „Der Ernst des Lebens: Den Schulweg gehen wir gemeinsam“ von Dr. Sabine Jörg, illustriert von Anne-Kathrin Behl, 32 Seiten, ab vier Jahren, erschienen 2021 bei Thienemann;

„Wir sind erste Klasse! Ein ABC zum Schulanfang“ von Daniela Kulot, 40 Seiten, ab fünf Jahren, erschienen 2018 bei Thienemann.

„Nina – Endlich Schulkind!“ von Emi Guner, illustriert von Anne-Kathrin Behl, übersetzt von Friederike Buchinger, 128 Se... Foto: Klett Kinderbuch

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