LICHTENFELS

Elf Millionen Euro für Forschungszentrum FADZ in Lichtenfels

Die Finanzierung des FADZ steht: Den Förderbescheid über einen Zuschuss von elf Millionen Euro überreichte Staatssekretärin Annette Kramme (Mitte) an Bürgermeister Andreas Hügerich (3. v. li.) als Vorsitzenden des Zweckverbands. Darüber freuen sich (v. li.) Fördervereinsvorsitzen... Foto: Gerhard Herrmann

Werkstattcharakter hat das „Machbar“, der Makerspace in der Laurenzistraße 2. Dass es hier um Fortschritt geht, macht der 3 D-Drucker im Eingangsbereich deutlich. Der richtige Platz für einen Hochschulstandort, wo ab Oktober bis zu 40 Studierende des neuen Studiengangs Additive Manufacturing and Lightweight (Additive Fertigung und Leichtbau) der Fachhochschule Coburg beginnen sollen. Das „Machbar“ ist die digitale Werkstatt für das Forschungs- und Anwendungszentrum für digitale Zukunftechnologien (FADZ), das in der ehemaligen Kirschbaummühle entstehen soll. Einen Förderbescheid über elf Millionen Euro für den Umbau der Mühle überreichte am Dienstag Annette Kramme (SPD), Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium, an Bürgermeister Andreas Hügerich als Vorsitzenden des FADZ-Zwecksverbands.

Bis 2026 soll die ehemalige Kirschbaummühle in ein Forschungs- und Anwendungszentrum umgebaut werden. Bis dahin ist das FADZ zu Gast im „Machbar“ (ehemalige Buchhandlung Schulze). Unternehmer Frank Herzog, Vorsitzender des FADZ-Fördervereins, will die Räume bis Oktober für rund 1,1 Millionen Euro renovieren und zur Verfügung stellen. Bereits jetzt tagen dort montags Arbeitsgruppen und diskutieren, wie sie Projekte voranbringen können. Denn so sehr Herzog sich über die großzügige Förderung der Bundesregierung freut, so wichtig ist ihm auch das ehrenamtliche Engagement der Bürger und heimischen Unternehmer, die das FADZ mit Leben und Ideen füllen sollen.

In der ehemaligen Kirschbaummühle entsteht das Forschungs- und Anwendungszentrum für digitale Zukunftstechnologien (FADZ... Foto: Markus Drossel

Das fange an, mit dem Nachbarn, der vorbeikomme, um für den defekten Schirm einer Designer-Lampe einen Ersatz im 3 D-Druck zu bekommen und reiche bis zu Digitalisierungsstrategien für Mittelständler oder dem Philosophieren über künstliche Intelligenz. Jeder sei willkommen. Neben der Digitalwerkstatt und einem digitalen Klassenzimmer ist hier auch ein Reparaturcafé geplant.

„Wir wollen viele Menschen in die Innenstadt holen und sie ins Gespräch bringen, um neue Ideen zu entwickeln.“
Frank Herzog, Vorsitzender des FADZ-Fördervereins
Der erste 3-D-Drucker steht schon in der „Machbar“ in der Laurenzi-Straße 2. Weitere sollen folgen, betont Frank Herzog. Foto: Gerhard Herrmann

Daher öffnet er sein Haus, das im angrenzenden Gebäude Marktplatz 15 um einen Pub und Gästezimmer ergänzt werden soll (Investition von drei Millionen Euro), gerne für die Studenten. „Viele Menschen in die Innenstadt bringen“, ist das Ziel von Frank Herzog. Und noch wichtiger ist es ihm, diese Menschen ins Gespräch zu bringen, um gemeinsam Ideen zu entwickeln, die über die Region hinaus ausstrahlen. So beteiligten sich Privatleute und die Wirtschaft mit über zwei Millionen Euro. Das FADZ als „Gemeinschaftsleistung von Politik, Wissenschaft, Ehrenamt und Wirtschaft“ sei auch für Unternehmer wie Peter Sander von Airbus ein Begriff.

Studierende arbeiten praxisnah an Projekten aus der Wirtschaft

Neue Wege geht die Hochschule Coburg mit dem neuen Studiengang und seiner Verankerung in der Region, wie Professor Stefan Gast, Dekan der Fakultät Maschinenbau und Automobiltechnik, erklärte. Bewusst stehe die Praxis und nicht der Seminarunterricht im Vordergrund: „Die Studierenden arbeiten praxisnah an ausgewählten Projekten aus der Wirtschaft.“ Die englische Bezeichnung ziele auf internationale Bewerber ab. „Wir zeigen jungen Leuten im Studium attraktive Möglichkeiten in der Region auf, um sie zu begeistern, hier zu bleiben“, betonte Gast. Das sei auch ein Beitrag gegen den sich abzeichnenden Fachkräftemangel.

„Ein historischer Tag“, freut sich Bürgermeister Andreas Hügerich angesichts der Übergabe des Förderbescheids für das FA... Foto: Gerhard Herrmann

„Das ist ein historischer Moment für Lichtenfels und die Region“, freute sich Bürgermeister Andreas Hügerich, Vorsitzender des Zweckverbands für das FADZ über die großzügige Förderung, die es ermögliche, das Zukunftsprojekt zu stemmen. Ermöglicht habe das „Generationenprojekt“ eine Gemeinschaftsleistung der heimischen Wirtschaft, der Hochschule Coburg, zahlreicher ehrenamtlich Engagierten sowie des Landkreises und der Stadt.

„Lichtenfels, was willst Du mehr?“, scherzte Landrat Christian Meißner. Er betonte die Bedeutung des Projekts für die ganze Region, was die Beteiligung des Landkreises und der übrigen Kreiskommunen im Zweckverband unterstreiche.

Neues Förderprogramm eigens für ein Leuchtturmprojekt für die Region

Nachhaltigkeit soll den Ausbau des „Machbar“ in der Laurenzistraße prägen. Im Oktober werden die ersten Studenten erwart... Foto: Gerhard Herrmann

„Die additive Fertigung bietet die Möglichkeit, dass Dinge besser passen, länger halten und leichter sind – also nachhaltig hergestellt werden“, sagte Staatssekretärin Annette Kramme. Derartige Projekte fördere die Bundesregierung gerne, zumal sie auf die Region ausstrahlten. Besonders erfreulich sei die Beteiligung der Hochschule Coburg und sie hoffe, dass die Universität Bayreuth sich noch beteiligen werde. Entscheidend sei auch, dass die heimischen Industriebetriebe und Handwerke die Möglichkeiten des FADZ nutzten.

„Wir wollen die Menschen mitnehmen auf eine Reise in die neue technische Welt“, meinte Bundestagsabgeordneter Andreas Schwarz. Er wünsche sich, dass die Begeisterung der Beteiligten sich auf die ganze Region übertrage. Die Förderung sei wichtig, weil sie Innovation ermögliche, die Deutschland brauche, um Exportweltmeister zu bleiben, weil sie zur Bildung beitrage und die Innenstadt aufwerte. Um das zu unterstützen hätten er und sein früherer Unions-Kollege im Haushaltsausschuss ein Förderprogramm „Maßnahmen zum digitalen Klimaschutz – Lernen am CO2-neutralen Alltagsbau“ angeschoben. Die Investition in junge Leute als wichtigste Ressource der Region würdigte Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU).

Umbau: 60 Prozent wenig CO2 als ein herkömmlicher Neubau

Viel Platz für Ideen: Fördervereinsvorsitzender Frank Herzog (2. v. li.) führt (v. li.) Bürgermeister Andreas Hügerich u... Foto: Gerhard Herrmann

Nachhaltigkeit ist der Maßstab für die Sanierung der ehemaligen Kirschbaummühle, wie Stadtbaumeister Gerhard Püls und sein Mitarbeiter Harald Hucke erläuterten. Die energetische Sanierung des Gebäudes solle mit nachwachsenden, ressourcenschonenden Rohstoffen wie heimischem Holz erfolgen und eine Versorgung mit erneuerbaren Energien (Wasserkraft und Geothermie) sei vorgesehen. Dadurch werde eine Einsparung von 60 Prozent Treibhausgasen gegenüber einem herkömmlichen Neubau möglich. Eine CO2-Bilanz des Gebäudes über 20 Jahre mache es zum Modell-Projekt.

Das FADZ

Das Forschungs- und Anwendungszentrum für digitale Zukunftstechnologien (FADZ) ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt Lichtenfels, des Landkreises, der Hochschule Coburg und der heimischen Wirtschaft.

Eröffnet werden soll es nach dem Umbau der ehemaligen Kirschbaummühle 2026. Bis dahin sollen die Aktivitäten des FADZ im „Machbar“ in der Laurenzistraße 2 stattfinden.

Die Kosten des Umbaus werden auf rund 14 Millionen Euro geschätzt. Gefördert wird sie mit elf Millionen Euro von der Bundesregierung. Weitere zwei Millionen (Umbau des „Machbar“ und Finanzierung von Geräten) trägt die heimische Wirtschaft bei. Die europaweite Ausschreibung für Architekt, Tragwerksplanung und Haustechnik befindet sich in der Sichtungsphase und soll bis April abgeschlossen werden.

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