LICHTENFELS

Ein Trio spricht künftig für „Lichtenfels ist bunt“

Mitglieder des Bündnisses „Lichtenfels ist bunt“ mit den neuen Ssprechern Laura Göldner (4. v. li.), Carsten Gick (5. v. li.) und Tanja Vincent (6. v. li.). Foto: Markus Drossel

Anne Salzbrenner, bislang evangelische Pfarrerin von Lichtenfels und stellvertretende Dekanin, ist umgezogen. Sie wird künftig Dekanin in Rügheim sein. Jahre und Jahrzehnte war sie auch Galionsfigur, Triebfeder und Sprachrohr des Aktionsbündnisses „Lichtenfels ist bunt“. Nun treten Tanja Vincent, Laura Göldner und Carsten Gick als gleichberechtigte Sprecherinnen und Sprecher ihre Nachfolge an.

Wohlgemerkt: Die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger war keine Formsache. Groß sind die Fußstapfen, die „die Anne“ hinterlässt. Vieles wurde von ihr angeschoben, begleitet, an vorderster Front angeführt. Dafür sind ihr die Mitglieder von „Lichtenfels ist bunt“ sehr dankbar Aber: Es muss weitergehen. Und es wird weitergehen. Diese Aufbruchsstimmung wurde bei der jüngsten Sitzung deutlich.

Drei vielfältig engagierte Menschen an der Spitze des Aktionsbündnisses

Die drei gleichberechtigten Sprecherinnen und Sprecher sind sowieso keine unbekannten, unter anderem Tanja Vincent, die evangelische Pfarrerin von Schney und Buch am Forst, die mehr als nur einmal mit Kollegin Anne Salzbrenner Seite an Seite stand und Positionen vertrat. „Zum Aktionsbündnis ,Lichtenfels ist bunt' bin ich nach einer Demo in Lichtenfels vor einigen Jahren gekommen“, sagt die 52-Jährige im Gespräch mit dieser Redaktion. Diese war damals sehr spontan als Reaktion auf die Äußerungen einer rechtsextremen Partei entstanden. „Bei dieser Demo wäre ich gerne dabei gewesen. Mir wurde klar, dass ich nicht anderen überlassen möchte, sich gegen rechts zu engagieren.“

Die 31-jährige Laura Göldner ist seit 2019 in Lichtenfels beheimatet. „Ich habe in der Zeitung von einer Aktion des Bündnisses gelesen“, erinnert sie sich. „Da ich mich zuvor auch schon in der Thematik engagiert hatte, schrieb ich Anne Salzbrenner, ob ich teilnehmen darf, und ab der nächsten Sitzung war ich Teil des Bündnisses.“

Ein Trio spricht künftig für  „Lichtenfels ist bunt“
Weil der Landkreis noch längst nicht so bunt ist, wie er sein könnte: Joanna Blößl vom Aktionsbündnis „Lichtenfels ist b... Foto: Tom Blößl

Die Leiterin des Programmbereichs Sprachen und Integration an der Volkshochschule in Coburg ist insgesamt ein sehr engagierter Mensch, in vielfältiger Art. „Ich engagiere mich im Bereich Geschichte und auch für Kinder in benachteiligten Ländern. Vor Corona war ich zudem in der Kirche meiner Heimatstadt Coburg aktiv.“

Dritter im Bunde ist Carsten Gick, 44 Jahre, verheiratet und IT-Leiter. Anne Salzbrenner hatte ihn damals angesprochen und eingeladen, Teil des Aktionsbündnisses für Menschlichkeit und Toleranz und gegen Hass und Hetze zu sein. „Das dürfte im Jahr 2020 gewesen sein“, schätzt er. Er gilt als aufmerksamer Beobachter der rechten beziehungsweise rechtspopulistischen Szene im Landkreis.

Tanja Vincents Engagement liegt in ihrem ehemaligen Engagement im Dekanat Wunsiedel begründet. „Ich habe früher in Marktredwitz gearbeitet“, sagt sie. „In Wunsiedel gab es zu der Zeit noch das Heß-Grab [es wurde 2011 aufgelöst, Anm. d. Red] und damit regelmäßig rechte Aufmärsche und bunte Gegendemonstrationen.“

Die Kirchengemeinde Wunsiedel sei im dortigen Bündnis sehr aktiv gewesen, „und es war mir wichtig, dort ein Zeichen für die Demokratie zu setzen und die Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen.“ Für die Schneyer Pfarrerin hat „Wunsiedel ist bunt“ nach wie vor eine Vorbildfunktion.

Bei Laura Göldner wurde das Fundament im Studium gefestigt. „Ich habe mich schon immer für eine bunte und vielfältige Gesellschaft interessiert und engagiert. Vor allem aber aufgrund meines Geschichtsstudiums, der Gegenwartsbezüge und des Wissens daraus liegt mir der Einsatz für eine bunte und vielfältige Gesellschaft am Herzen“, schildert sie ihre Beweggründe. Vor- oder Leitbilder habe sei nicht direkt. „Ich hatte das große Privileg, in einer friedlichen Welt aufzuwachsen und möchte meinen Beitrag dazu leisten, dass dies so bleibt“, erläutert sie.

Engagiert für eine bunte und vielfältige Gesellschaft

Carsten Gick ergänzt zu seiner Motivation „In 2020 hatte es mit den Demonstrationen im Corona-Kontext in Lichtenfels angefangen. Meinungsfreiheit ist wichtig, aber welche Theorien dort zum Besten gegeben wurden, ging mir zu weit.“ Theorien, die jeglicher Faktenlage entbehrten und für den Lichtenfelser untragbar waren. „Die in Lichtenfels über lange Zeit akzeptierten Demonstrationen im Corona-Kontext hatten ganz klar rechte Aussagen.“ Für Gick unerträglich. „So nahm ich Kontakt mit Anne Salzbrenner auf.“ Und sie holte ihn ins Bündnis.

Hat er denn Vorbilder? „Vorbilder sind gut, aber am Ende sind es unsere Worte und Taten, die einen Unterschied machen.“, meint der 44-Jährige.

Weil Bündnisarbeit immer auch Teamarbeit ist

Tanja Vincent war bislang schon stellvertretende Sprecherin des Aktionsbündnisses „Lichtenfels ist bunt“. Dass es nun ein Trio ist, das gemeinsam Sprachrohr und Speerspitze bildet, findet sie folgerichtig. „Es macht Sinn, denn wir arbeiten sowieso als Team“, begründet sie. „Das bildet die Vielfalt des Bündnisses besser ab und erhöht die Handlungsfähigkeit, wenn Termine kurzfristig entstehen.“

Dieses Miteinander und die daraus resultierende Effizient lobt auch Laura Göldner: „Die Mitglieder des Bündnisses sind engagiert und wir sind ein tolles Team. Da musste ich nicht lange überlegen“, sagt sie im Gespräch mit dieser Redaktion. „Mit Tanja und Carsten wird die Aufgabe auf mehreren Schultern aufgeteilt. Das macht mir große Freude.“ Carsten Gick ist sich sicher: „Wir werden ein super Team sein, das sich sehr gut gegenseitig ergänzt.“

Da sich die Herausforderungen ständig ändern

Mit großer Sorge beobachten die Bündnismitglieder, dass die sich verschärfende Situation in Deutschland und Europa etliche Menschen für radikales Gedankengut empfänglich macht. „Es wird sicher wieder Situationen geben, in denen wir reagieren wollen“, so Vincent. Und reagieren müssen. Beispielsweise, wenn Rechtspopulisten wieder zu Demonstrationen aufrufen und ihre kruden Theorien lautstark kundtun.

„Eine Mischung aus Aktion und Reaktion: Das ist das, wofür wie stehen“, bringt es die Pfarrerin auf den Punkt. „Gutes, sprich Bewährtes, werden wir beibehalten und an anderen Stellen weiter optimieren“, ergänzt Carsten Gick. „Die Herausforderungen ändern sich ja auch auf der Zeitachse und allein deshalb müssen wir uns auch entsprechend verändern.“

Das Aktionsbündnis „Lichtenfels ist bunt“ gibt es nun schon seit über drei Jahrzehnten. Jahrzehnte war Anne Salzbrenner Sprecherin. „Sie hat das Bündnis mit ins Leben gerufen, belebt und geprägt. Sie hat sich immer eingesetzt und offen Stellung bezogen. Natürlich sind die Fußstapfen groß“, so Laura Göldner. Doch deswegen aufstecken? Keinesfalls! Die 31-Jährige will mit ihren beiden Kollegen genau dort weitermachen und anknüpfen. Salzbrenners hervorragendes Netzwerk weiter nutzen und ausbauen. Außerdem hat die neue Dekanin von Rügheim angekündigt, aus der Ferne des Landkreises Haßberge weiterhin unterstützend zur Seite zu stehen. So es denn geht.

Ein Trio spricht künftig für  „Lichtenfels ist bunt“
Ben Apel und Ina Dorsch präsentieren das Logo des Aktionsbündnisses „Lichtenfels ist bunt“. Foto: red

„Wir brauchen Demokratie, Toleranz und Solidarität in unserer Gesellschaft, gerade in schwierigen Zeiten“, bekräftigt Tanja Vincent. „Überparteilich dafür einzutreten, gerade dann, wenn andere Stimmen laut werden, ist nötig, um der mitunter schweigenden Mehrheit Stimme und Worte zu geben.“

Der Landkreis Lichtenfels sei noch lange nicht so bunt, wie er sein könnte, da sind sich alle Bündnismitglieder einig. „Wir brauchen viele Bürgerinnen und Bürger, die uns unterstützen, wenn wir Aktionen starten, um sichtbar und hörbar zu werden.“ Denn, so Gick: „Die Mehrheit der Bürgerschaft im Landkreis steht für ein friedliches, freiheitliches und auch solidarischen Zusammenleben in einem demokratischen System.“ Doch die wirren Thesen von „besorgten Bürgern“ und Rechtspopulisten auch im Landkreis zeigten und zeigen, dass hier noch viel (Aufklärungs-)Arbeit geleistet werden müsse: „Wir müssen immer wieder aufs Neue zeigen, dass diese Leute noch immer in der Minderheit sind.“

Wie man mitmachen kann

„Bei ,Lichtenfels ist bunt' sind alle Vertreter demokratischer Parteien und aller Religionen willkommen“, wurde beim jüngsten Bündnistreffen noch einmal unisono betont. „Alle Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, mitzuwirken, sich einzubringen.“ Je mehr Mitstreitende, desto besser. Und umso größer die Signalwirkung. Interessenten wenden sich bei weiteren Fragen per Mail an lichtenfelsistbunt@posteo.de. Auch bei Facebook ist das Bündnis vertreten.
 

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