LICHTENFELS

Ein Reformator aus Lichtenfels: Friedrich Myconius

Myconius auf einer zeitgenössischen Darstellung. Der Holzschnitt, welcher den Reformator zeigt, stammt wohl aus der zwei... Foto: red

Wer an die Reformation denkt, dem fallen große Namen ein: Prominent natürlich Martin Luther, aber auch Johannes Calvin, Huldrych Zwingli oder Andreas Bodenstein, genannt Karlstadt. Auch aus Lichtenfels stammte ein Mann, der sich schon sehr früh der Bewegung um Luther anschloss und dessen Lehren verbreitete: Friedrich Myconius.

Friedrich Myconius war auch als Schriftsteller tätig: 1524 erschien seine „freundliche Ermahnung und Tröstung an alle Fr... Foto: red

Geboren wurde eben jener Myconius am 26. Dezember 1490 in Lichtenfels, wo er wohl auch zunächst die Stadtschule besuchte. Sein ursprünglicher Name lautete Mecum. Schon im Alter von 13 Jahren verließ er die Stadt am Obermain, und kam nach Annaberg, wo er fortan den Unterricht an der Lateinschule aufnahm. Dort begegnete ihm der bekannte Dominkanerpater und Ablassprediger Johann Tetzel. Dieser war bekannt dafür, dass er gegen hohe Gebühren Ablässe an die Gläubigen verkaufte. Der Erlös aus diesem Handel kam zu gleichen Teilen dem Bau des Petersdomes in Rom und dem Erzbischof Albrecht von Brandenburg zugute. Diese unlautere Methode an Geld zu kommen, war übrigens der Anlass für die 95 Thesen Luthers.

Der Kontakt zu Luther war die Wende

Doch zurück zu Myconius: Die Begegnung mit Tetzel war für ihn so bewegend, dass er 1510 in das Franziskanerkloster Annaberg eintrat. Schon bald wurde er von einer Vision heimgesucht: Der Apostel Paulus führte ihn dabei aus der Einöde zu Christus. 1516 wurde Myconius nach seiner Versetzung nach Weimar zum Priester geweiht, wo er auch seine erste Predigt hielt. Der Kontakt mit Martin Luther, der 1518 zustande kam, war die Wende im Leben des jungen Franziskanerpaters: Die Lehre Luthers begeisterte ihn so sehr, dass er sich dessen Gedanken immer mehr anschloss.

Dies hatte vermutlich zwei Gründe: Wie Luther stand auch Myconius dem Ablasshandeln kritisch gegenüber. Und für Luther führte der Weg zu Christus nicht über die Kirche. Ganz den Schriften des Apostels Paulus verpflichtet, sah er den einzelnen Menschen in völliger Eigenverantwortung vor Christus stehen. Hierin wurde die Vision, die Myconius als junger Franziskaner erlebt hatte, konkret: Der Weg an der Hand von Paulus zu Christus wurde ihm durch den Wittenberger Doktor geebnet.

Die Begegnung mit Luther blieb nicht ohne Folgen. In seinen Predigten radikalisierte sich Myconius immer mehr; 1522 kam er erst nach Eisenach, dann nach Leipzig und schließlich als Gefangener des Herzogs zurück nach Annaberg. Als ihm die Flucht gelang, führte ihn sein Weg in das Kurfürstentum Sachsen, wo er im August 1524 eine Predigerstelle in Gotha erhielt. Dort gründete er schon bald ein Gymnasium und konnte im Bauernkrieg größeren Schaden von der Stadt abwenden, indem er zwischen den Aufständischen und der Stadtbevölkerung vermittelte. Martin Luther und Philipp Melanchthon unterstützen ihn bei dieser Aufgabe. 1525 trat Myconius mit Margaretha Jäcken, einer Bürgerstochter aus Gotha, in den Bund der Ehe ein.

Zusammen mit dem späteren Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen kam Myconius 1526/27 nach Köln und Düsseldorf, wo er unter anderem auch in Paderborn predigte. Beim Düsseldorfer Religionsgespräch vom 19. Februar 1527 traf Myconius bei einer Disputation auf den Franziskaner Johann Heller, der seinen Thesen aufs Heftigste widersprochen hatte.

An vielen Meilensteinen der Reformation beteiligt

In den Folgejahren war Friedrich Myconius an vielen Meilensteinen der Reformation beteiligt: 1529 nahm er am Marburger Religionsgespräch teil, 1536 beteiligte er sich an der Wittenberger Konkordie, im Jahr darauf bei einer Versammlung der Reformatoren in Schmalkalden. 1538 kam er nach England, um dort mit den Theologen des englischen Königs über das Augsburger Bekenntnis zu verhandeln. Dabei war Myconius allerdings nicht sonderlich erfolgreich, sodass er schon bald wieder nach Deutschland zurückkehrte, um sich der Durchsetzung der Reformation in Annaberg zu widmen. Sein eifriges Engagement blieb jedoch nicht ohne gesundheitliche Folgen: Schon um 1540 konnte Myconius aufgrund eines Leidens nicht mehr predigen, am 7. April 1546 ist er schließlich in Gotha gestorben.

An vielen Orten erinnert man sich noch heute an das Wirken von Friedrich Myconius: In Gotha ist sein an die Augustinerkirche angebautes Wohnhaus erhalten; die Myconiusmedaille ist bis heute eine der höchsten Auszeichnungen der Stadt Gotha. In der dortigen Augustinerkirche befindet sich sein Grabstein. Auch seine Geburtsstadt Lichtenfels wahrt sein Andenken: Es gibt die Myconiusstraße und das evangelische Gemeindehaus trägt seinen Namen.

 

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