LICHTENFELS

Ein freundliches und dankbares Diebespaar vor Gericht

Amtsgericht: Ein übler Ausraster mit schweren Folgen

Am Ende lag sich das Paar kurz in den Armen. Noch einmal ging man einer Haftstrafe aus dem Weg. In der Tat hing viel von dem Urteil ab, das Richterin Caroline Titze am Mittwoch in dem Betrugs- und Diebstahlsfall sprechen würde. Szenen einer Verhandlung.

Er soll seine Freundin angestiftet haben, hieß es seitens des Gerichts über den Anteil, den der 26-Jährige aus dem Landkreis Kulmbach an der Sache trug. Die Sache, das war vor allem der Diebstahl von Markenwaren, den seine 24-jährige Freundin beging. Sie war 2018 in einer Firma im Landkreis Lichtenfels tätig und bekam dort mit Waren und Warenversand zu tun.

Durch Chatverlauf dem Diebespaar auf die Schliche gekommen

Irgendwann im Juni mehrten sich Auffälligkeiten. Da fehlte eine Gucci-Sonnenbrille, es fehlten teure Schals, Herrenhemden, Geldbörsen, eine goldfarbene Damenarmbanduhr. Markenware. Als das Unternehmen mit Hilfe eines Polizeibeamten bilanzierte, belief sich der Schadensbetrag auf 2797 Euro.

Dass die Sache aufflog, hatte auch damit zu tun, dass den Ermittlern ein Chatverlauf unterkam, in welchem der 26-Jährige seiner Freundin so Sachen schrieb wie: „Mach' erst mal Kleinigkeiten wie Uhren, damit kann man auch Gel machen – haha.“ Auch gab er Tipps, wie sie unbehelligt durch die betriebseigenen Kontrollen käme.

Tatsächlich wurde manches Diebesgut bei einer späteren Hausdurchsuchung gefunden. Für Staatsanwältin Jana Müller eindeutig ein Fall von „gemeinschaftlichem gewerbsmäßigem Diebstahl“. Doch eine Frage sollte Bedeutung gewinnen: Waren die gestohlenen Gegenstände für den Eigengebrauch oder Hehlerware?

Die gestohlene Kleidung selbst getragen oder auch verkauft?

„Ich räume auf jeden Fall die Tat ein“, erklärte der Angeklagte. Er sollte im Laufe der Verhandlung Freundlichkeit an den Tag legen und sich beispielsweise bei dem Polizisten dafür bedanken, dass die Hausdurchsuchung so reibungslos geschah. „Vielen Dank noch mal, dass Sie bei der Durchsuchung so nett zu uns waren.“ Auch der Polizeibeamte, eben jener, der mit den Fehlbestandslisten der Firma zu tun hat, adressierte freundliche Worte zurück: „Wir sind alle nur Menschen, man muss ja nicht auch noch (bei einer Durchsuchung) mit dem Hammer drauf hauen.“

Als Grund für den Diebstahl nannte das Paar finanzielle Engpässe. Es habe mitunter das Geld für Lebensmittel gefehlt, führte auch die junge Frau an. Man habe durch die „Klamotten“ auch „Selbstwert gefühlt“. Doch wie war diese Aussage zu werten? Denn der Selbstwert bestünde ja nur dann, wenn das Paar die Kleidung selbst getragen hätte. Das hat es auch, aber womöglich nur zum Teil, denn jede verschwundene Ware wurde bei der Hausdurchsuchung nicht gefunden.

Die Vermutung, dass gestohlen wurde, um das Diebesgut anderweitig zu verkaufen, blieb somit im Raum. Immerhin sprach das Paar davon, zeitweise in so arge Bedrängnis geraten zu sein, dass es auf die Tafel angewiesen war. Doch so viel es auch von Nöten berichtete, so wenig ließ sie Jana Müller in ihrem Plädoyer gelten. „Ich sehe nicht, wo Ihre Geldprobleme unverschuldet sind.“ Ein Satz, der auch darum für sich stand, weil der Angeklagte freiwillig in einem nicht sehr gut bezahlten Job arbeitete. Im Bundeszentralregister sind zu ihm überdies vier Einträge zu Unterschlagungen oder Leistungserschleichung vermerkt. Seine neben ihm sitzende Verlobte hatte diesbezüglich auch etwas zu bieten.

Doch dass sich etwas zum Besseren geändert habe, darauf wies unter anderem Rechtsanwalt Ralph Pittroff hin. Er selbst sei beauftragt, als Betreuer die Finanzen seines Mandanten im Blick zu behalten.

„Erhebliche kriminelle Energien“ und keine Auseinandersetzung mit der Tat

In ihrem Plädoyer ging Müller forsch vor. „Beweisschwierigkeiten haben wir keine, auch aufgrund des Mitwirkens der Angeklagten“, stellte die Frau fest. Dabei lobte sie das Paar auch, denn „Kooperation und Rückgabe gingen ohne Federlesens“. Aber sie sprach auch von „erheblichen kriminellen Energien“ und davon, dass „keine echte Auseinandersetzung mit der Tat“ geschehen sei. Man habe eben nicht nur geklaut, um Essen und Getränke zu haben, das solle man ihr „nicht weismachen“. Für den Mann sah sie 14 Monate Haft als angemessen an, für seine Verlobte zehn. Jeweils ohne Bewährung.

Als das Urteil gesprochen wurde, fiel von dem Paar merklich Druck ab. Hatte es bei seinen letzten Worten Tränen in den Augen, so trockneten diese schnell. Ein Jahr Haft zur Bewährung erging an den Mann, mit dreijähriger Bewährungszeit. Zudem 80 Stunden Arbeitsauflage. Seine Lebensgefährtin erhielt neun Monate und eine Geldauflage in Höhe von 1200 Euro. Für dieses Urteil suchte sich der Mann bei der etwas verblüfft wirkenden Richterin hernach auch zu bedanken.

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