LICHTENFELS

Ein Dosenlocher als Waffe: Aus dem Amtsgericht Lichtenfels

Im Amtsgericht in der Kronacher Straße in Lichtenfels wird Recht gesprochen. Foto: Markus Drossel

Es war ein Handgemenge und mehr, was dem Beikoch aus dem Kulmbacher Raum am Dienstag im Amtsgericht vorgeworfen wurde. So viel mehr, dass daraus eine Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung wurde. Der Angeklagte selbst sollte sich einsichtig zeigen und nahm das Urteil an: neun Monate Haft auf Bewährung wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung.

Richterin Daniela Jensch machte in ihrer Urteilsbegründung klar, dass das, was sich der 41-Jährige am 28. April des vergangenen Jahres leistete, zwei Tatvergehen darstellt. Zuerst war da das Handgemenge mit dem Wirt gegen 21.45 Uhr, dann wandte er sich einem Mann zu, der schlichten wollte. Er griff ihn mit einem Dosenlocher an, also mit einem spitzen Gegenstand, der auf der Brust des Angegriffenen eine sieben Zentimeter lange Wunde hinterließ. Doch mehr noch: Im Eifer eines weiteren Handgemenges zückte der Angeklagte ein Pfefferspray und sprühte dem 51-Jährigen in die Augen.

Es waren die Erinnerungen der Zeugen gefragt, um den damaligen Vorfall einzuordnen. Der ebenfalls 51-jährige Wirt erklärte, dass damals Fußball im Fernsehen lief und man mitfieberte. Doch in Ruhe gelassen wurde man von dem Beikoch nicht. „Da ging es schon los, da wurden Äußerungen gemacht, die schon komisch waren.“ Der Beikoch soll sogar gesagt haben, dass er Hitler möge. Eine Äußerung, die auch dadurch an Kuriosität gewinnt, weil der Beikoch Türke ist. Jedenfalls kam es zur Schubserei, und ab da nahm alles Fahrt auf.

Bier und Wodka für 17,50 Euro konsumiert

Staatsanwältin Anna Saam interessierte sich für die Höhe der Zeche, um Rückschlüsse auf den Alkoholpegel des Mannes ziehen zu können. Auf 17,50 Euro belief sich die Rechnung, und sie kam durch Biere und Wodka zustande. Eigentlich sei der Streit zunächst eine Sache zwischen Wirt und Gast gewesen, doch weil „die Theke gewackelt und Krüge runter gefallen“ seien, habe sich der später mit dem Dosenlocher verletzte Gast eingemischt. „Ich habe ihm gesagt, er soll sich mal anständig aufführen (…), und er hat mich Hurensohn genannt und mit dem spitzem Gegenstand rumgefuchtelt.“ Zwei Tage später sei man sich tatsächlich wieder begegnet, und da habe der gewalttätige Gast glatt die nach Drohung riechende Bemerkung fallengelassen: „Du bist mir bekannt.“

Aufmerksam hörte der neben Verteidiger Rolf Pittroff sitzende Angeklagte den Schilderungen zu und schien selbst über sich zu staunen. „Es tut mir leid (…), und ich würde mich freuen, wenn Sie meine Entschuldigung annehmen würden“, so der Mann zu dem Zeugen. Dieser zögerte nicht und signalisierte sofort seine Verzeihung. Ein weiterer Zeuge erwies sich nicht als Quelle zu mehr Erkenntnis. „Ich habe am nächsten Tag Urlaub gehabt, und daher war ich ziemlich betrunken“, erklärte der 52-Jährige seine vergleichsweise wenigen Erinnerungen. Allerdings habe er die auf Brusthöhe liegenden und durch den Dosenlocher verursachten Verletzungen beim Zeugen bemerkt.

Der Angeklagte will sich bessern und nicht mehr vor Gericht müssen

„Das war meine letzte Gerichtsverhandlung, das verspreche ich Ihnen“, sollte der Angeklagte später gegenüber Richterin Daniela Jensch bekunden. Er räumte ein, mit Alkohol Probleme zu haben, und erzählte von seinem Traum: „Ich möchte nur arbeiten gehen und meine Steuern zahlen.“ Und weiter: „Ich habe keine Lust mehr auf dieses Leben.“

Zu diesem Leben gehörten laut Bundeszentralregister schon Bedrohung, Hausfriedensbruch und eine vorsätzliche Körperverletzung. Eben darum war das Urteil auch mit allerlei Verpflichtungen versehen. Wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung verurteilte ihn Daniela Jensch zu neun Monaten Haft auf Bewährung. Drei Jahre wird die Bewährungszeit dauern, und ein Jahr davon wird der Mann unter Aufsicht gestellt sein. Außerdem hat er sich „sofort in eine Suchtberatung“ zu begeben.

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