LICHTENFELS

Ein Bushäuschen mit einigen Extras

Tarek Hansen ist ein Erstplatzierter des Wettbewerbs. In seinem Entwurf finden sich unter anderem Funktionalität und die Berücksichtigung auch behinderter Menschen. Foto: Markus Häggberg

Tarek Hansen hatte Grund zum Strahlen. Es war gegen 19.55 Uhr, als Bürgermeister Andreas Hügerich seinen Namen aufrief und klar wurde, dass er einen ersten Platz belegte. Die Disziplin des hochaufgeschossenen gebürtigen Holsteiners: „Bushaltestelle +“. So heißt der Studentenwettbewerb der Hochschule Coburg, bei dem es darum ging, architektonische Vorschläge für eine Verschönerung des Marktplatzes zu unterbreiten. Voraussichtlich 2024 sollen gesammelte Ideen zur Umsetzung gelangen.

Donnerstagabend, 19 Uhr. Ort: Stadtschloss. Links und rechts der üblichen Bestuhlung waren Podeste und Stellwände aufgestellt. Dreizehn insgesamt, und sie boten Modelle einer Bushaltestelle, wie sie künftig sein könnte. Barrierefrei, mit Fahrgastunterstand, mit Infopoint, den Imbissstand integrierend und darüber hinaus auch noch als Gesamtmöbel so mobil, dass es bei größeren Veranstaltungen zur Seite geschoben werden kann.

Sieben Jahre nach erster Überlegung Ideenwettbewerb ausgelobt

Die Idee dazu kam schon um das Jahr 2015 auf, nun aber wurde in diesem Frühjahr seitens der Stadt und im Zusammengehen mit der Hochschule Coburg ein kleiner Ideenwettbewerb ausgelobt. Oder wie es Bürgermeister Andreas Hügerich sagte: „Ein kleiner Wettbewerb, der große Ausmaße haben wird.“ Die Ausmaße, welche das Geschehen schon an diesem Abend für die drei erstplatzierten Studenten haben würde, waren auch nicht schlecht. Der erste Platz sollte 500 Euro Preisgeld bringen, der zweite 300 Euro und der dritte immerhin noch 200 Euro.

Im Rahmen einer Stegreifaufgabe waren Studenten aller Semester vor Monaten aufgerufen, sich ihren Gedanken zu stellen und diese zu einem Konzept zu verdichten. Neben Kreis- und Stadträten fanden sich im Saal auch Studenten, Rita von Frantzky von der Städtebauförderung, Stadtbaumeister Gerhard Pülz und eben auch Markus Schlempp, seines Zeichens Professor für Architektur, ein.

Dass der Marktplatz aufgewertet werden sollte, war einhellige Meinung. Professor Markus Schlempp, Stadtbaumeister Gerhar... Foto: Markus Häggberg

Geht man auf die Webseite der Hochschule Coburg, dann findet sich unter dem Bild Schlempps der Vermerk, was seine Lehr- und Forschungsgebiete sind: „Entwerfen und Konstruieren mit innovativen Werkstoffen unter Einbeziehung denkmalgeschützter Bauten.“ Schlempp war es auch, der im Folgenden mit den Gästen von Entwurf zu Entwurf gehen und diese erläutern sollte. Doch an der Stelle warf er auch launig ein, dass er nicht jeden Studenten schon kennt, denn immerhin lief das Projekt ja semesterübergreifend.

„Wir kennen uns noch nicht so gut – wir haben uns noch nicht gehabt“, hieß es einmal, und ein andermal holte er auch einen Studenten nach vorne und bat ihn um Erhellung. So wie Suphot Müller, dem eine baulich zweiteilige Lösung in den Sinn kam. Von oben betrachtet wirkt sein Modell wie ein Augenpaar aus einem freundlichen und einem nicht so freundlichen Auge. „Ich habe mich von Ying und Yang inspirieren lassen“, erklärte der junge Mann und hob die Vorzüge seiner Idee hervor: Barrierefreiheit, ein Gründach und Zugänge auch für größer gewachsene Menschen.

Pülz: „Eine Eins-zu-Eins-Umsetzung der Entwürfe wird es nicht geben“

Eine „Eins-zu-Eins-Umsetzung der Entwürfe wird es nicht geben“, erklärte anlässlich des Geschehens Stadtbaumeister Gerhard Pülz gegenüber den Versammelten. Es sei vielmehr so, dass man aus den vier besten Entwürfen das Beste zu einem Gesamtkonzept fügen wolle. Mit dieser Aussage sollte Pülz schon etwas vorwegnehmen, was bei der Preisverleihung durch Bürgermeister Andreas Hügerich bekanntgegeben wurde. Der Umstand nämlich, wonach es zwei erste Plätze gibt. Denn Tarek Hansen hat eine Co-Siegerin namens Johanna Daum. Auch ihr Entwurf wurde für würdig befunden, ein erster Platz zu sein, nur war sie an diesem Abend nicht vor Ort.

Was er mit seinen 500 Euro anfangen wird, das wusste Hansen nach der Veranstaltung so ungefähr. „Ich glaube, wir gehen heute Abend noch in die Bar“, so der 23-jährige Coburger, der ursprünglich aus der Gegend zwischen Husum und Flensburg stammt.

Stadt- und Kreisräte nutzten die Gelegenheit, die Entwürfe näher ins Auge zu fassen und sogar zu fotografieren. Foto: Markus Häggberg

Ein interessanter Mensch, der nicht nur ein Abitur besitzt, sondern auch eine Ausbildung als Schreiner oder, wie man in seiner Heimat sagt: Tischler. Nach dem Abitur und vor dem Studium habe sein Vater ihm nämlich einen bodenständigen Satz geschenkt: „Du lernst erst mal was Anständiges.“

Vier Tage am Stück habe er sich inspirieren lassen und ging seinen Eingebungen arbeitend und berechnend nach. Wie und wann ihm Inspiration geschieht, dazu hat Hansen Erfahrungswerte gesammelt. Bevorzugt kämen ihm gute Gedanken, wenn er „schlafen gehen will und nicht schlafen kann. Oder in die Landschaft schaue“.

Imbiss-Betreiberin kannte Entwürfe noch nicht

Wie das 2024 wird mit der Bushaltestelle, die so allerhand und außerdem auch den Imbiss-Grillstand von Gabriele Kraus integrieren soll, ist also noch nicht gänzlich klar. Auch darum nicht, weil Gabriele Kraus die Entwürfe bis dato nicht kennt. „Wir führen ein Gespräch nach dem Korbmarkt, wenn die Entwürfe da sind“, sei ihr seitens der Stadt mitgeteilt worden. Eine Vorgehensreihenfolge, die womöglich etwas eigen sein könnte.

 

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