LICHTENFELS

Eduard Zifle und sein Lebenstraum „Jugendzentrum“

Für Eduard Zifle, Jugendzentrums-Mitarbeiter, ist das JUZ ein Stück eigene Lebensgeschichte. Neue Ideen bringt er zum Beispiel beim Exit-Room ein. Foto: Corinna Tübel

Vor 21 Jahren ein täglicher Besucher, heute Leiter des Jugendzentrums Lichtenfels: In der Zwischenzeit hat Eduard Zifle sich qualifiziert und lernt auch heute immer weiter. Die Jugendlichen vertrauen ihm und seinem Team, weil sie präsent sind, Freiraum bieten und mitgestalten lassen.

Skaten, beraten, Bewerbung schreiben oder einfach zuhören: Wenn Eduard Zifle die Tür zum Jugendzentrum Lichtenfels aufsperrt, weiß er nie, was ihn an diesem Tag erwartet. Das ist spannend, erfordert aber von dem 32-jährigen hauptamtlichen Mitarbeiter und seinem Leitungsteam stets situatives Arbeiten, das auf die jeweiligen Bedürfnisse der Jugendlichen abgestimmt ist.

Das war vor 21 Jahren, als er zum ersten Mal das Gelände in der Köstener Straße betreten hatte, kaum anders: Auch hier waren seine Tage vom Skaten, Karten spielen und vielen Gesprächen geprägt. „Und irgendwie bin ich vom JUZ nie wieder weggekommen. Ich habe dann auch mein Praktikum und meinen Zivildienst hier geleistet“, erzählt Eduard Zifle.

Auch, wenn heute eine Kreativwerkstatt, ein Ton-Studio, ein Exit-Room und noch mehr Angebote das JUZ prägen, so bildet doch die Skate-Anlage den „Türöffner“ für viele Mädchen und Jungen, so wie bei Eduard Zifle selbst. Im Durchschnitt, zu nicht-pandemischen Zeiten, verbringen dort rund 40 Jugendliche ihre Freizeit, im Innenbereich sind es ebenso viele.

Flexen für Scooter–Teile

Zwar hat der Lichtenfelser sein Skateboard meistens dabei, doch andere Dinge wie etwa das Flexen für Scooter-Teile oder das Rampen-Bauen mit Jugendlichen in der eigenen Werkstatt, musste er autodidaktisch erlernen. Denn so etwas lernt man nicht in einer Ausbildung zum Heilerziehungspfleger, auch nicht im Studium der Heilpädagogik in Regensburg und auch nicht im Studium der Sozialen Arbeit.

Zwar hat Eduard Zifle letzteres noch nicht beendet, doch das möchte er unbedingt nachholen. „Bevor ich mein Studium in Regensburg beenden konnte, wurde ich auf die Stellenausschreibung hier aufmerksam gemacht“, erzählt er. „Das war für mich wie ein Sechser im Lotto! Da musste ich zugreifen.“ Das war im Jahr 2016. Doch das Weiterlernen treibt ihn an: Derzeit absolviert er etwa eine Fortbildung zum Erlebnispädagogen, denn so kann er seine Leidenschaft für die Natur, den Outdoor-Sport und die Arbeit mit Jugendlichen noch besser vereinen.

Wenn er über die Jugendlichen im Haus redet, die etwa zwischen zwölf und 17 Jahre alt sind, dann enthalten seine Worte viel Respekt und Verständnis. „Ich kenne viele Situationen, Probleme und Erlebnisse aus meiner eigenen Biografie, ob das Schulprobleme oder Ärger mit Freunden sind.“ Verstärkt haben sich in den vergangenen Jahren jedoch zwischenmenschliche Missverständnisse durch Äußerungen in sozialen Netzwerken. Hier müssen Eduard Zifle und sein Team oft vermitteln und beweisen: Es ist immer jemand da – mit einem offenen Ohr oder einfach zur Ablenkung.

Durch das Skaten ist Eduard Zifle selbst vor 21 Jahren zum JUZ gekommen, „und nie wieder weg davon“. Foto: Corinna Tübel

Ein anderes Vorurteil gegenüber der Jugend heutzutage dementiert er dagegen: „Es stimmt nicht, dass Jugendliche faul sind und sich für nichts interessieren. Oft fehlt es nämlich an Gestaltungs- und Erlebnisräumen. Viele Ideen kommen von den Jugendlichen selbst. Und dann muss man Engagement auch zulassen.“

Begeistert erzählt er dabei von Mädchen und Jungen, die vor vielen Jahren selbst an Kursen und Workshops teilgenommen haben und diese heute selbstständig leiten. Auch die Vermietung von Räumlichkeiten, etwa zum Feiern oder für Tonaufnahmen, erfordert Vertrauen in die Jugendlichen. Diesbezüglich enttäuscht wurde der Leiter noch nie. „Das Jugendzentrum lebt hier von den Jugendlichen, die es prägen.“ Auch der Bundesfreiwilligendienst „schenke“ ihm jedes Jahr wieder neue engagierte Mitarbeitende, die ihre unterschiedlichen Fähigkeiten in den Alltag einbringen.

Am Kicker Inklusion leben

Einen besonderen Blick für das Wesentliche jedoch haben alle Mitarbeitenden: Das „normale“ Kicker im Eingangsbereich des JUZ war zum Beispiel für einen jungen Mann im Rollstuhl ungeeignet. Er konnte aufgrund der Höhe der Banden den Ball nicht sehen. Bald darauf stand dort ein Exemplar mit Plexiglasscheiben. „Das ist echte Inklusion verrät Eduard Zifle, der besonders auch diesen Gedanken aus seiner beruflichen Laufbahn in seine Arbeit einfließen lässt. Das betrifft auch die „Sozialen Kompetenztrainings“, die das JUZ unter anderem für Schulen anbietet.

Alle Mitarbeitenden wissen, dass die Einrichtung für viele Jugendliche auch „Freiraum“ in einem oftmals stressigen Alltag bedeutet. Mit Ruhe und Geduld versuchen sie, die Jugendlichen bei Problemen durch Impulse selbst auf die Spur zur Lösung zu bringen. Das ist für die Entwicklung der Jugendlichen immens wichtig. „Wir leisten hier außerdem auch Präventionsarbeit im Hinblick auf die zukünftige Arbeitswelt oder den Umgang mit Problemen.“

In der Natur und „auf dem Board“

Dass der Job keine „normalen“ Arbeitszeiten mit sich bringt, war Eduard Zifle klar. Das JUZ ist meist nachmittags und am Wochenende geöffnet. Seine Verlobte toleriere das, verrät er augenzwinkernd. Mit ihr verbringt er viel Zeit in der Natur beim Wandern, Angeln, Skateboard- oder Motorrad fahren. Außerdem spielt er gerne Videospiele. „Ich mache gefühlt alles ein bisschen, es gibt so viel Spannendes zu erleben. Und das möchte ich auch den Jugendlichen vermitteln.“

Das sei für seine Arbeit hilfreich, doch manchmal falle deshalb auch die Abgrenzung zwischen beruflichem und privatem Lebensbereich schwer, ist aber notwendig. Denn auch für die Zukunft hat das Team Pläne für das JUZ: Es soll zu einem Partizipationszentrum werden, das die Jugendlichen stärker mit der Öffentlichkeit und Politik verbindet. Zudem müsse die Skate-Anlage dringend wieder aufgebaut werden, ebenso sei ein Fitnessraum geplant.

 

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