LICHTENFELS/ALTENKUNSTADT

Edeka-Baumpflanzaktion: Nachhaltigkeit schlägt Wurzeln

Gute Aktion - gute Laune. Das lächelnde Quintett. (v. li.) Altenkunstadts Bürgermeister Robert Hümmer, Marina Werner und Sohn Christian Werner, Harald Quinger (Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung) und Sabine Schubert von Regens Wagner. Foto: Markus hÄGGBERG

Es liegt schon ein bisschen länger zurück und im Grunde sprachen Werners nicht allzu sehr darüber. Irgendwann wurde das Thema aber ruchbar: Baumpflanzaktion. Die Familie, die im Landkreis für ihre Edeka-Lebensmittelmärkte bekannt ist, hat etwas für Nachhaltigkeit übrig. Seit Monaten wächst diesbezüglich etwas heran. Eine Geschichte um Nachhaltigkeit und ein gehaltenes Versprechen.

Christian Werner sitzt im oberen Stockwerk des Edeka in der Lichtenfelser Mainau. Hier lässt sich reden und erinnern. An einer Stelle des Erinnerns angekommen, muss der Enddreißiger zu dem, was er erzählt, gleichzeitig lächeln und bedauern. Denn die 2500 Bäume, die auf das Betreiben der Familie hin im Landkreis gepflanzt wurden, spielen in ein Gebiet hinein, zu dem man sich glatt hätte etwas patentieren lassen können.

Die Sache mit den konischen Kartons

2012, so sagt er, habe man bei der Wiedereröffnung des E-Centers Mehrwegpappkartons eingeführt, die in der Form konisch waren, also stapelbar und wiederverwertbar. Ein deutlicher Vorteil gegenüber den schon aus früheren Zeiten bekannten einfachen Kartons. Eine einfache Idee, zu der man nicht auf den Gedanken verfiel, sie schützen zu lassen. „Das bereuen wir fast ein bisschen, weil wir das hätten patentieren lassen können.“ Wie Christian Werner das sagt, schwingt kein Bedauern um eine verpasste Chance mit, eher ein Staunen darüber, überhaupt in die Nähe eines Patents geraten zu sein.

Der Mann erzählt weiter und spricht von 2014. Da wurden bei Werners die Plastiktüten durch Zellstoff aus Zuckerrohr ersetzt. Das Thema Nachhaltigkeit sei kein Modethema in der Familie, erklärt Christian Werner, der in seiner Familie die personifizierte fünfte Generation „Edekaner“ ist. Mittlerweile, so zählt er auf, gibt es ein Sortiment aus Tragebehältnissen, bestehend aus Stofftaschen, Netzen, Papiertüten und wiederverwertbaren Tiefkühltragetaschen. Hochwertigen.

Es geht also um Nachhaltigkeit und danach befragt, ob er diese als Teil der Unternehmenskultur betrachtet, bejaht Werner. Ideen zu mehr Nachhaltigkeit würden mitunter beim Essen geboren, während der Unterhaltung, einfach mal nebenbei. Dann kam Ende 2019.

Es ging wieder um Langlebigkeit. Jetzt aber wollten Werners ihre Mitarbeiter in die Ideengewinnung einbeziehen. „Macht eine Aktion zum Thema Nachhaltigkeit“, habe die Aufforderung an die Nachwuchskräfte gelautet. Ziel: Es sollten dem Kunden Anreize mit auf den Weg gegeben werden, beim Einkauf Nachhaltigkeit zu berücksichtigen. Heraus kam eine Stempelkarte, in der an der Kasse vermerkt wurde, wenn ein Kunde an der Bedientheke mit einer Mehrwegbox einkaufte, oder wenn er einer gemeinsam mit Radio1 ins Leben gerufenen plastikreduzierenden Aktion namens „Herz aus Glas“ folgte. Oder, oder, oder. Die Aktionen wechselten wöchentlich. Die Mitarbeiter, so Werner, haben eine Menge unterschiedlicher Ideen entwickelt und im Oktober lief an, was bis Ende Februar dauern sollte. Aber mit einem überlegten Einkauf war es bei dieser Aktion für die Kunden nicht getan, erst bei zehn eingetragenen Stempeln durften sie ihre Karte abgeben. Doch eine Sache hing noch über allem, nämlich das der Waldbesitzervereinigung Lichtenfels-Staffelstein gegenüber gemachte Versprechen, so viele Bäume zu pflanzen, wie Stempelkarten eingesammelt würden, mindestens aber 2500.

Das Setzen der Setzlinge ging gewissenhaft vonstatten. Foto: mARKUS hÄGGBERG

Robert Hümmers Büro liegt am Marktplatz 2 in Altenkunstadt. Der Altenkunstadter Bürgermeister ist auch Vorsitzender der „WBV“ von Lichtenfels und Bad Staffelstein. In dieser Funktion bekam er von dem Versprechen mit. „Ich freue mich sehr, dass Edeka Werner mit so viel Engagement im Bereich Nachhaltigkeit wirkt“, sagt er heute und spricht in Bezug auf besagte Aktion von Vorbildlichkeit. Es bedürfe wegen des Klimawandels eines doppelten Umdenkens. Was er damit meint: „Wir müssen mehr Flächen aufforsten und gleichzeitig das Bauen mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz mehr intensivieren.“

Was er Holz allgemein zugute hält, ist, dass es einen hervorragenden Kohlendioxid-Speicher darstellt. Als Kommunalpolitiker begrüßte er das Vorhaben, denn man müsse vor Ort damit beginnen, dem Klimawandel entgegenzusteuern. Aber was pflanzen und wo? Fragen, die ein paar Kilometer weiter nördlich Antworten fanden.

Rückblick: Sabine Schubert sitzt in ihrem Büro. Das Jahr ist noch jung und die Gesamtleiterin von Regens Wagner in Burgkunstadt erhält einen Anruf. Es geht um eine Fläche, die Regens-Wagner gehört und auf der sich ein Wald befindet. Könnte der nicht aufgeforstet werden? „Meine Reaktion war spontan Begeisterung und Freude – mit so einem Anruf rechnet man ja nicht unbedingt“, erklärt die Frau. Am 11. April wurde gepflanzt. Doch es kam auch zu einer Träne im Knopfloch. Coronabedingt. Gerne hätte man gemeinsam mit den vielen Auszubildenden sowie den behinderten Menschen die Bäume gepflanzt.

Pflanzaktion während des Lockdowns

„Die Pflanzaktion musste während des Lockdowns stattfinden, da die Jungpflanzen sonst eingegangen wäre. So bin ich am Karsamstag gern zum Treffpunkt gefahren, wo (…) im Wald von Regens Wagner gepflanzt wurde. Jetzt waren alle beisammen, die Werners, Robert Hümmer, Sabine Schubert oder auch Harald Quinger, Geschäftsführer der heimatlichen WBV. Sie war es, welche die Baumarten beibrachte. „Durchweg resistente Baumarten (…) ausgewählt von unseren Waldexperten“, so Hümmer zu all den Buchen. 1800 Karten wurden bei der Aktion eingesammelt. Umgerechnet bedeutet dies, dass es zu 18 000 Einzelaktionen kam, die der Umwelt halfen. Die Differenz von 1800 zu 2500 hatte keine Auswirkung auf das gegebene Versprechen. Es wurde gehalten. Die 2500 Bäume wurden gepflanzt, nicht nur bei Regens Wagner, letztlich an allen Standorten, an denen Werners

einen Lebensmittelladen betreiben. Im Losverfahren wurden hier die Stellen gefunden.

 

Rückblick

  1. Corona-Tagebuch: Ein Ring und zwei Nasenlöcher
  2. Corona-Tagebuch: Wenn es auf dem Klo dunkel wird
  3. Corona-Tagebuch: Schuppen und Schultern
  4. Corona-Tagebuch: Geschichten aus unserer Stadt
  5. Für die Biskupskis ist Klimaschutz Bürgerpflicht
  6. Corona-Tagebuch: Zwei Jungs, Weintrauben und ein Mercedes
  7. Uni-Rennteam in Bayreuth: „Elefant Racing“ auf Überholspur
  8. Anglerglück mit Fred Goller: Corona und die Schuppenträger
  9. Corona-Tagebuch: Im Bett mit Asterix und Lucky Luke
  10. Volker Thormählen: Ein Lebensretter aus vollem Herzen
  11. Corona-Tagebuch: Ein Unwort für jeden Romantiker
  12. Dr. Elisabeth Rauh: Corona fordert die Psyche
  13. Corona-Tagebuch: Die Jeans und eine orientalische Weisheit
  14. „Der Kirschgarten“ im Bamberger ETA Hoffmann Theater
  15. Corona-Tagebuch: Mit Yoga neue Horizonte entdecken
  16. Verkehr am Obermain: Der Herbst bringt Gefahren
  17. Andreas Thamm: Vom Schreiben und der Freiheit
  18. Corona-Tagebuch: Sauklaue hinter dem Ledereinband
  19. Terrainwanderweg: Über Sulligknöckla und 557 Höhenmeter
  20. Corona-Tagebuch: Der Cola-Dosen-Kicker von Lichtenfels
  21. Bad Staffelstein: Christina Gründel und Rica Kohmann sind Jugendbeauftragte
  22. Corona-Tagebuch: Alles eine Frage der Perspektive
  23. Kunstfenster im Bamberger Bürgerlabor
  24. Familienwanderung: Über das Leben am und im Main
  25. Corona-Tagebuch: Einen Tag lang Italiener
  26. Installation in Bamberg: Verschlossenes Zelt als Mahnmal
  27. Corona-Tagebuch: Auf zum fröhlichen Quantensprung
  28. Wiedersehen in Zeiten von Corona: Herzlichkeit mit Distanz
  29. Corona-Tagebuch: Offener Kamin im Wohnmobil
  30. Terrainkurwege bei Schwabthal: Wandergenuss und ein Drehort
  31. Hochschule Coburg setzt auf „Autonomes Fahren“
  32. Stadtplanung für Lichtenfels: Lernen aus der Pandemie
  33. Corona-Tagebuch: Schnickschnack, oder was wirklich zählt
  34. Corona-Tagebuch: Das Mädchen auf dem Apfelbaum
  35. Uni Bamberg: Infowelle auf allen Kanälen
  36. Corona-Tagebuch: Was an Arbeit besondere Freude bereitet
  37. Corona-Tagebuch: Senile Bettflucht ist der tote Punkt
  38. Pandemie und Kita: Kleiner Schupfen, riesen Problem
  39. Corona–Tagebuch: Anbauwand und Weinpresse
  40. Chance für geflüchtete Akademiker in Oberfranken
  41. Terrainkurweg: Hasenweg und Glaubensanker
  42. Corona-Tagebuch: Woodstock und die Zahnarztpraxis
  43. Schöne Aussichten beim ETA Hoffmann Theater in Bamberg
  44. Corona-Tagebuch: Wenn ein wenig die Stille fehlt
  45. Reinhard und Niklas Derra: Corona mal die Flex gezeigt
  46. Corona-Tagebuch: In Erinnerung an Luciano
  47. Corona–Tagebuch: Vergesslichkeit, Weinregal und Dusche
  48. Gerechtigkeit auf der Leinwand beim FrauenFilm-Festival
  49. Seubelsdorfer Kids lieben die tolle Knolle
  50. Corona-Tagebuch: Endlich hat es jemand begriffen

Schlagworte