BAD STAFFELSTEIN

Oltdimer-Weltmeisterschaft: durchgefroren, aber glücklich

Warm eingepackt tuckernWalter Mackert und sein Beifahrer Bertram Lindner mit dem Eicher dieGroßglocknerstraße hoch. Sie haben die Startnummer 118. Foto: Tourismusverband Bruck/Salzburger Land

Immer Mitte September findet in Bruck an der Großglocknerstraße im Salzburger Land in Österreich die Oldtimer Traktor Weltmeisterschaft statt. In diesem Jahr hatte sich 475 Traktoren aus elf Ländern angemeldet.

„Die Anmeldung ist ein Lotteriespiel“, sagt Walter Mackert von den Oldtimerfreunden Bad Staffelstein und rollt mit den Augen. Die Anmeldung sei erst im August freigeschaltet worden, man könne sich nur online anmelden und müsse sofort alle Daten und Informationen bereithalten. Auch die Kontodaten wegen des Startgeldes. „Wenn das der Bertram nicht gemacht hätte, hätte das nie geklappt. Innerhalb von 14 Minuten war das Anmeldefenster wieder geschlossen und alle Startplätze vergeben.“

Etwa die Hälfte der Teilnehmer kamen aus Deutschland, die anderen aus Österreich, Italien, Niederlande, Schweiz, Tschechien, Slowakei, Luxemburg, Polen, Rumänien und Frankreich, zählt er auf. Wer einen Startplatz ergattert hat, bekommt eine Infomappe des Veranstalters.

„Die gibt es aber erst vor Ort“, erfährt man von Mackerts Begleitung, Bertram Lindner. Er ist nicht nur der Schwiegersohn, sondern wollte heuer eigentlich auch selbst mitfahren. Leider sei es nichts geworden. „Mein Kramer ist ewig nicht fertig geworden“, bedauerte Bertram Lindner. Und „fertig“ – also mit TÜV – war eine der vielen Bedingungen für eine Teilnahme an der Traktor WM in Österreich. So musste der halbfertige Oldtimerbulldog Kramer (Baujahr: 1951) in Bad Staffelstein stehen bleiben. Doch auch Walters Sohn Elmar hatte einen Startplatz bekommen, und so konnten die Männer immerhin mit zwei Traktoren Richtung Süden starten und die Oldtimerfreunde Bad Staffelstein vertreten.

Walter Mackert (ganz li.) und Elmar Mackert(re. auf dem roten Porsche) bei einer kurzen Rast. Regen undeinsetzender Schn... Foto: Bertram Lindner

Warme Winter- und Regensachen hatten Walter, Bertram, Elmar und ihre Familien schon sicherheitshalber eingepackt. Schließlich wollten sie, wenn sie als Zuschauer und Fahrer auf der Route warteten, nicht zu sehr frieren. Dann wurden der hellblaue 16er Eicher (Baujahr: 1959) und der rote Porsche Junior P 108 auf die Auto-Anhänger verladen. Los ging‘s!

420 Kilometer lange Fahrt von Oberfranken nach Österreich

Mackerts SUV hatte den Eicher geladen, Elmars Skoda Oktavia zog den Porsche Bulldog. In strömendem Regen fuhr die kleine Kolonne los. „Es war ein gemütliches Getucker“, grinst Walter Mackert, wenn er an die 420 Kilometer lange Fahrt zurückdenkt. Die Abfahrt am 15. September war schon früh morgens um 7 Uhr und mit einer Stunde Rast kamen die Bad Staffelsteiner gegen 14 Uhr in ihrem Quartier an. „Wir kannten die Familie schon, sie hatte uns bereits letztes Jahr Quartier gegeben“, erklärte Mackert, warum sich die zehn-köpfige Gruppe für eine Unterkunft in einer Ferienwohnung auf einem Bauernhof entschieden hatte. „Wir konnten unsere Bulldogs in der Scheune unterstellen und sie erst mal richtig trocken machen.“

Die Karte zeigt eindrucksvoll die Höhenmeter und dieSteigung der Großglocknerstraße. Wegen einsetzendem Schneefall wurde... Foto: Tourismusverband Bruck/Salzburger Land

„Nicht zu vergessen: abschmieren und abfetten und schauen, ob alles in Ordnung ist“, ergänzt Bertram. Er hatte beim Interview die Starterinfo dabei, die jeder Fahrer bekommt: Die Landkarte zeigt den Verlauf der Strecke, den die Traktoren meistern müssen. Insgesamt sind es zirka 1300 Höhenmeter auf einer Strecke von 13 Kilometern. Das Info-Päckchen enthielt auch die Start-Nummern: die 118 für Walter Mackerts Eicher, die 47 für Elmar Mackerts Porsche. Dazu gab es Infos über den Geschicklichkeitswettbewerb. Schließlich sei das ja eine Weltmeisterschaft.

Die Disziplinen für 2022 hörten sich spannend an: Traktorziehen (ein Mann gegen Traktor, oder zwei Frauen gegen Traktor), Traktorreifenweitwurf und das zentimetergenaue Abschätzen und Passieren einer Durchfahrt. Auch die Geschwindigkeit spielte eine Rolle. Zumindest sonst.

Das Wetter spielte bei der WM die Hauptrolle

An dieser WM spielte aber jemand anderes die Hauptrolle: das Wetter. Schon am Tag vor der WM ging im Fahrerlager die Wettervorhersage für den Wettkampftag durch. Es war Schnee und Schneetreiben gemeldet, bis auf 1800 Meter herab. Der Veranstalter verlegte daraufhin das Ziel vom Fuscher Törl (2428 Meter) hinunter zum Piffkar (1620 Meter). Weiter oben wurde die Strecke für alle Fahrzeuge gesperrt.

Der Start in Ferleiten lag auf 1145 Metern Höhe. Von da ging es mit einer 9,9 prozentigen Steigung hoch zum Parkplatz Piffkar. Wer den Weg nicht mehr hinunter fahren wollte, konnte ab da „zurückgeschleppt“ werden.

„Runterfahren ist oft schwieriger, als hochkommen“, gab Mackert zu bedenken. Er selbst habe schon ein wenig hier zuhause geübt: den Banzer Berg hoch und wieder runter – mit dem fünften Gang. „Da fährt der doch glatt 13 Stundenkilomer“, ist er stolz.

Doch die Fahrt selbst war schon eine recht feucht-kalte Angelegenheit. Trotz Funktionswäsche, beheizbare Weste, Pulli, Ölzeug, Ski-Hose, dicke Stiefel, Mütze und Handschuhen hatte es Fahrer Elmar, Fahrer Walter und Beifahrer Bertram schon ein bisschen gebeutelt. Die Schneeflocken im Gesicht und auf der Brille taten ihr Übriges, dass es den Männern nicht zu warm wurde. „Aber keiner von uns ist krank geworden, toi, toi, toi!“, freute sich Walter.

Walter Mackert (li.), Bertram Lindner und ihr alter16er Eicher: bald trägt er eine Plakette mehr. Foto: Tourismusverband Bruck/Salzburger Land

Mit vielen anderen Fahren ins Gespräch gekommen

„Durchgefroren, aber glücklich“, lachte Bertram. Mit vielen Fahrern seien sie ins Gespräch gekommen. „Das ist eine Gemeinschaft, die haben alle die gleichen Interessen!“, meinte Bertram. Auch beim Fahren habe es keine Probleme mit ihren Oldies gegeben.

Dass es auf der Heimfahrt am 18. September wieder in Strömen regnete, störte die Staffelsteiner nicht wirklich. Offen bleibt, ob sie nächstes Jahr wieder teilnehmen. Für den Veranstalter wäre das die „21. Traktor WM am Großglockner.“ Schon heuer haben Umweltverbände sich beschwert und bewirkt, dass im Starterpaket eines jeden Traktors ein Öl-Auffang-Flies enthalten sein musste.

 

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