LICHTENFELS

Die Lichtenfelser Polizei in der Corona-Pandemie

Der Leiter der Polizeiinspektion Lichtenfels Erich Günther (li.) mit seinem Kollegen Sebastian Herrmann. Für ihn ist die Corona-Pandemie eine große Herausforderung für die tägliche Arbeit. Foto: Corinna Tübel

Erich Günther, Leiter der Polizeiinspektion Lichtenfels, blickt auf viele Jahre der Berufserfahrung zurück. Er musste sich immer wieder kritischen Herausforderungen stellen, sei es bei polizeilichen Einsatzlagen, aber auch im Personalmanagement. Die weltweite Corona-Pandemie, die auch uns in unserem Landkreis zu schaffen macht, bezeichnet er als eine elementare und belastende Herausforderung. Dies lag und liegt an der vor allem anfänglich schwer einzuschätzenden Gefahrenlage, der Vielzahl verschiedenster Neuerungen, Regelungslagen und Umstellungen sowie nicht zuletzt am Umgang mit den Sorgen seiner Beschäftigten, allen voran aber an der Unsicherheit in der Bevölkerung. Covid-19 ist weder sichtbar, greifbar noch zuverlässig berechenbar.

„Natürlich kam auch für uns als Lichtenfelser Polizei die rasante Ausbreitung des Virus und die damit einhergehenden Folgen für den Dienstbetrieb und selbstverständlich auch für das alltägliche Leben überraschend und unerwartet. Am Anfang war die Situation von fast täglichen Änderungen und neuen Informationen geprägt. Die Angst der Beschäftigten vor dem unbekannten Virus war greifbar. Der ein oder andere Kollege saß sogar zum Teil im weit entfernten Urlaubsland fest. Regierungsentscheidungen auf einem anderen Kontinent entsprachen zum Entsetzen des Kollegen keineswegs unseren europäischen Standards. Die Heimkehr war nur mit viel Glück und durch Zufall möglich.

Einsätze im Schutzanzug mit Maske und Brille

Trotz aller Widrigkeiten mussten wir als Polizei aber natürlich für unsere Bürger da sein – gerade in dieser Zeit der Unsicherheit. Als Polizist hat man immer wieder mit insbesondere anfänglich unbekannten Lagen und Herausforderungen zu kämpfen. Trotz der Unwägbarkeiten haben alle Kolleginnen und Kollegen zusammen und gemeinsam die Situation bestmöglich gemeistert. Schicht- und Bedarfsdienst wurden innerhalb kürzester Zeit umgestellt, feste Teams gebildet und eine räumliche Trennung im Gebäude geschaffen. Das eigene Büro wurde zur Entzerrung anderen Kollegen überlassen, flexibel die Dienstzeiten angepasst, auf Telearbeit umgestellt und sogar Einsätze im bis dahin unbekannten Schutzanzug mit Maske und Schutzbrille gemeistert.

Auch der ohnehin schon ,gute Draht‘ zum Landratsamt Lichtenfels wurde durch die intensive Zusammenarbeit im Krisenstab nochmals gestärkt. So konnten Verzögerungen vermieden und viele Fragen beiderseits geklärt werden. Inzwischen leisten auch Kolleginnen und Kollegen der Polizeiinspektion Lichtenfels, der Polizeistation Bad Staffelstein und Kollegen anderer Dienststellen im Gesundheitsamt als sogenannte ,CCT – Contact Tracing Teams‘ wertvolle Unterstützung.

Durch den ersten und nun den zweiten Lockdown und einem damit einhergehenden, temporären Rückgang von Verkehrsunfällen und gewissen Kriminalitätsbereichen verschob sich zwischenzeitlich auch der Schwerpunkt unserer Aufgabenwahrnehmung als Lichtenfelser Polizei. Plötzlich war zu unser aller Schutz die Überwachung der Einhaltung von Infektionsschutzbestimmungen ein großes polizeiliches Thema. Gleiches galt für unsere Bevölkerung, was sich durch viele täglich eingehende Hinweise und Anfragen widerspiegelte.

Appell an alle Bürger, sich an die Hygienevorschriften zu halten

Während der vergangenen Wochen und Monate erarbeiteten wir uns mit Unterstützung der vorgesetzten Behörden Schritt für Schritt Handlungssicherheit im Umgang mit der Pandemie.

Nicht zuletzt dürfen wir, die Lichtenfelser und Bad Staffelsteiner Polizei, aber auch ein großes Lob an unsere Bevölkerung aussprechen. Der allergrößte Teil hat hier durch Verständnis und konsequentes Einhalten der Infektionsschutzbestimmungen maßgeblich dazu beigetragen, das Infektionsrisiko für sich und andere soweit als möglich zu reduzieren. So musste nur gegen verhältnismäßig wenige Mitbürger eingeschritten werden, die sich nicht an die Anordnungen und Maßnahmen hielten.

Leider ist es in den vergangenen Wochen dennoch zu etlichen Vorfällen gekommen, bei denen sich Gruppen von Personen wie etwa in der Mainau oder in Vierzehnheiligen getroffen haben, ohne dabei die Abstandsregeln einzuhalten oder Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Diese Verstöße werden mit Anzeigen geahndet. Daher appelliere ich an die Bürger, sich zu unser aller Sicherheit an die Hygienevorschriften zu halten.

Auch wir als Polizisten sind nicht von Quarantänefällen in eigenen Reihen verschont geblieben. Ein einziger Positivfall außerhalb des Dienstes war bislang zu verzeichnen. Aber weder innerhalb der Dienststelle noch im Kontakt mit unserem Gegenüber bei polizeilichen Einsätzen gab es Infektionsweitergaben. Dies kann durchaus auch auf unsere strikten Hygieneregeln zurückgeführt werden.

„Uns wird nach wie vor tagtäglich die Gefahr der Ausbreitung des Virus vor Augen geführt.“
Erich Günther, Leiter der Polizeiinspektion

Uns wird nach wie vor tagtäglich die Gefahr der Ausbreitung des Virus vor Augen geführt. Beispielsweise kam es zu einem Einsatz, bei dem die Streifenbesatzung mit körperlicher Gewalt einschreiten musste und die Gefahr einer Covid-19-Infektion bestand. Bei einem anderen Einsatz kamen die Beamten in Kontakt zu einer Frau, die in Gewahrsam genommen werden musste. Im Krankenhaus erfuhren die Streifenpolizisten dann, sie sei positiv auf Corona getestet worden. Tage des Wartens auf das letztendlich negative Testergebnis waren für die Beamten belastend.

Für uns alle sind die Umstellungen und Einschränkungen nicht leicht, davon sind auch Polizistinnen und Polizisten nicht ausgenommen. Wir müssen jeden Tag aufs Neue darauf konzentriert sein, Ansteckungen zu vermeiden. Da geht es uns selbstverständlich nicht anders als den Bürgerinnen und Bürgern. Deshalb kann mein Appell nur lauten: Halten wir uns alle gemeinsam an die geltenden Infektionsschutzbestimmungen, versuchen wir uns und andere dadurch zu schützen. So wird es uns gemeinsam gelingen, diese schwere Zeit für uns und unsere Angehörigen durchzustehen.“

Schlagworte