LICHTENFELS

Die Biographie der Lichtenfelserin Maria Hollering-Hamers

Maria Hollering-Hamers hat während der Corona-Pandemie ihre Autobiographie geschrieben. Foto: Maria Hollering-Hamers

Die Zeit des Lockdowns und die Zeit der eingeschränkten Kontakte und Unternehmungen haben viele genutzt, um Projekte in Angriff anzupacken, die sie schon länger geplant hatten. Maria Hollering-Hamers aus Lichtenfels hat sich in dieser Zeit an etwas ganz Besonderes vorgenommen:

„Was tut ein Mensch, wenn er mehr Zeit hat als sonst? Wenn tägliche Pflichten weniger werden, wenn eine Pandemie das Shoppen, sogar das ganz normale Einkaufen beschränkt? Vielleicht denkt dieser Mensch über sein Leben nach und merkt, wie reich und voll es war. Vielleicht kommt er oder sie auf die Idee, dass man davon schon viel vergessen hat, dass einiges verloren geht, wenn man es nicht aktiv bewahrt. Vielleicht frönt so ein Mensch seinem Hobby.

So ging es mir. Ich schreibe gerne und habe in meinem über 70-jährigen Leben auch schon viel geschrieben: für mich selber, für Zeitungen und Zeitschriften, für meinen Beruf und meine Ehrenämter. Jetzt drängte es mich, meine Biografie zu schreiben, einfach über mein Leben zu schreiben, damit Kinder, Schwieger- und Enkelkinder mal nachlesen können, wie ein Frauenleben ab Mitte des 20. Jahrhunderts ausgesehen hat.

„Ich bin der Meinung, dass die Geschichte von ganz normalen Frauen noch nicht (oder viel zu selten) geschrieben wurde.“
Maria Hollering-Hamers

Ich bin der Meinung, dass die Geschichte von ganz normalen Frauen noch nicht (oder viel zu selten) geschrieben wurde. In unserem Geschichtsunterricht lernen wir die Geschichte der Männer, von Kriegen und Eroberungen, von Tod und Sterben. Wir hören und lesen die Namen von Königen und Adligen, von einigen großen Politikern, die die Welt verändert, oft verschlechtert haben mit ihren Machtgelüsten.

Von Frauen lernen wir wenig. Vielleicht hörten wir über Katharina die Große, über Madame Pompadour, Bloody Mary oder Margaret Thatcher. Frauen kommen in den Geschichtsbücher nur vor als Frau, Geliebte oder Maitresse von … Frauen wurden im Laufe der Geschichte benutzt in der Heiratspolitik, sie wurden verschachert für den Erwerb von Land und Macht. Oft hatten sie eine „tragende Rolle“, wenn es darum ging, Kinder zur Welt zu bringen.

Über das reiche und schwere Leben ihrer Mutter

Eine ausgewogene Historie, in der Frauen neben und mit Männern ihre Rolle spielen, gibt es nur selten. Deshalb wird es Zeit für die Her-story neben der His-story. Die Her-story von gewöhnlichen Frauen, die hier und jetzt leben, arbeiten, sich freuen und traurig sind.

So schrieb ich in den frühen Jahren des dritten Jahrtausends die Biografie meiner Mutter, geboren 1919 in den südlichen Niederlanden. Was für ein reiches Leben! Was für ein schweres Leben! Wer von den Menschen, die im neuen Jahrtausend geboren werden, weiß noch oder kann sich noch vorstellen, wie ein solches Frauenleben ausgesehen haben mag, wie es gelebt und durchlitten wurde? Dazu braucht es einen Zugang über eine Biografie, über die Beschreibung eines Frauenlebens: Her-story.

„Von Mädchen und Frauen und Damen mit Hut“

Meine eigene Story habe ich überschrieben mit „Von Mädchen und Frauen und Damen mit Hut“. Sie wurde fast 100 Seiten lang, und es hat mir Freude gemacht, sie zu schreiben. Schön, wenn meine Enkelkinder, wenn ich mal nicht mehr bin, die Lebensgeschichte ihrer Oma lesen können. Schön, wenn sie darüber staunen, wie mein Leben war, das 1947 in den Niederlanden anfing und voraussichtlich hier in Lichtenfels mal sein Ende finden wird. Was für ein langer und bewegender Lebensweg liegt dazwischen!

Ich möchte andere Frauen ermutigen, auch ihre Biografie zu schreiben und so ein Stückchen Frauengeschichte für die Nachkommenschaft zu bewahren. Die wird sich einmal darüber freuen. Und mich freut es, dass meine Kinder und Enkelkinder dann vielleicht lange nach meinem Tod sich noch einmal an mich erinnern, hoffentlich mit Liebe und Zuneigung an mich denken. Dann war meine Arbeit nicht umsonst!“

Und ihr Corona-Projekt? Schreiben Sie uns über ihre Erfahrungen

Und was ist Ihr Corona-Projekt? Wie haben Sie die lange Zeit des Lockdown oder der Kurzarbeit genutzt? Haben Sie ein neues Hobby entdeckt, vielleicht Stricken, Tischlern, eine Sprache gelernt oder mal den Dachboden entrümpelt? Man hört ja auch von besonders Kreativen, die virtuelle Plattformen entwickelt oder ein Hilfsangebot ins Leben gerufen haben.

Lassen Sie andere teilhaben an Ihren Erfahrungen und schreiben Sie uns über Ihre Erlebnisse mit Ihrem Corona-Projekt. Ideal wäre etwa eine DIN–A4-Seite plus Fotos per Mail an redaktion@obermain.de.

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