LICHTENFELS

Die Arbeitslosigkeit in Lichtenfels sinkt deutlich

Bundesagentur legt Arbeitsmarktdaten für Juni vor
Die Zahl der Arbeitslosen in Lichtenfels ist besonders stark gesunken. Foto: Julian Stratenschulte

Im Landkreis Lichtenfels waren Ende Juni zum Sommeranfang 1358 Personen arbeitslos. Seit Mai ist ihre Zahl um weitere 95 Menschen oder 6,5 Prozent gesunken. Gegenüber dem Vorjahresmonat nahm die Arbeitslosigkeit um 357 beziehungsweise 20,8 Prozent ab. Lichtenfels verzeichnet agenturbezirksweit unter allen Kreisen und Städten die größte Dynamik beim Abbau der Arbeitslosigkeit, die zum Anfang der Corona-Krise im April letzten Jahres sprunghaft anstieg.

Zum Vergleich – im März 2020, dem letzten Monat vor dem Beginn lag die Zahl der Arbeitslosen mit 1439 Personen sogar um sechs Prozent beziehungsweise 81 Menschen über dem aktuellen Wert. Es verloren 94 Menschen ihren Arbeitsplatz im Juni, 39,7 Prozent (-62 Personen) weniger als in 2020. Zeitgleich fanden 150 Personen eine Beschäftigung, 29,3 Prozent (+34 Personen) mehr als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote reduzierte sich im Juni um 0,2 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent. Vor einem Jahr betrug sie noch 4,4 Prozent.

Es gibt 28 802 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (aktuellster Wert 12/2020). Das sind 1,1 Prozent bzw. 333 weniger als ein Jahr zuvor aber lediglich sechs weniger als vor zwei Jahren. Trotz der Corona Krise nahm hingegen die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Ausländer um 11,9 Prozent bzw. 228 auf 2 152 zu. Etwas mehr als jeder dreizehnte Beschäftigte (7,5 Prozent) hat somit einen ausländischen Pass.

Der Arbeitgeberservice bekam aus dem Landkreis Lichtenfels 224 sozialversicherungspflichtige Stellenangebote gemeldet, 32 mehr (+16,7 Prozent) als im Vorjahr. Aktuell sind 954 sozialversicherungspflichtige Vakanzen im Stellenpool, 8,8 Prozent (+77) mehr als im letzten Jahr. Rein statistisch betrachtet entfallen auf 100 gemeldete Stellenagebote lediglich 142 potenzielle arbeitslose Bewerber.

Rückgang der Arbeitslosigkeit setzt sich agil fort

Der Abbau der Arbeitslosigkeit setzte sich auch im Juni im Bezirk der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg ungebremst fort. Die Zahl der Arbeitslosen nahm im letzten Monat um überdurchschnittliche 410 Personen (-3,4 Prozent) weiter ab. Im Vorjahr hingegen verlor zu dieser Zeit der bis dahin seit April andauernde rapide Anstieg der Arbeitslosigkeit an Dynamik (+ein Prozent, +134 Personen). In den letzten fünf Jahren vor der Krise betrug der Rückgang im Juni im Schnitt 275 Personen, das heißt in diesem Jahr fiel er um 49,1 Prozent dynamischer aus.

Die Zahl der Arbeitslosen war am Ende des ersten Halbjahres mit 11 775 Menschen um 10,8 Prozent beziehungsweise 1427 Personen niedriger als in 2020. Im Zwei-Jahresvergleich ist sie jedoch noch gut ein Viertel (+24,6 Prozent, +2 328 Personen) größer als im Juni 2019 vor der Krise. Die Arbeitslosenquote nahm im Juni um 0,1 Prozentpunkte auf 3,4 Prozent ab. Vor einem Jahr lag sie bei 3,8 Prozent (2,7 Prozent Juni 2019).

Im letzten Monat verloren 900 Männer und Frauen ihren Arbeitsplatz und meldeten sich arbeitslos, 198 Personen beziehungsweise 18 Prozent weniger als in 2020. Zeitgleich konnten 1 136 Menschen ihre Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer neuen Beschäftigung beenden. Das sind 174 oder 18,1 Prozent mehr als im letzten Jahr.

Die Jobchancen (1025 Einstellungen im Juni 2019) sowie das Risiko entlassen zu werden (1159 Arbeitslosmeldungen im Juni 2019) sind mittlerweile statistisch günstiger als im Jahr vor der Corona Krise. Besonders Jugendliche (-25,5 Prozent, -383 als in 2020) und Ausländer (-15,3 Prozent, -361 als in 2020) profitieren überproportional von der aktuell günstigen Entwicklung. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist hin-gegen seit dem letzten Jahr um 38,7 Prozent (+974) auf 3 493 gestiegen.

Blitzstart in Tourismus und der Gastronomie

Einschätzung von Brigitte Glos, Leiterin der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg, zur aktuellen Situation am Arbeitsmarkt: „Im Juni wirkten sich die niedrigen Infektionszahlen sowie die anziehende weltweite Konjunktur auf unseren regionalen Arbeitsmarkt positiver aus als erwartet. Im Gegensatz zum letzten Jahr, als viele Jugendliche wegen der Krise im Sommer nach ihrer Ausbildung keine Übernahmeperspektive hatten, sieht es heuer für sie wesentlich besser aus. Es melden sich nur vereinzelt gut ausgebildete Fachkräfte, die be-stimmt schnell wieder eine Anstellung finden. Vor allem Betriebe aus dem Bereich der Produktion und Industrie sowie das Handwerk sind auf der Suche nach Verstärkung ihrer Mannschaft.

Der Bereich Tourismus und Gastronomie legte mit der Öffnung in den vergangenen Wochen eine regelrechte Aufholjagd hin. Die normalerweise ab Ende Februar bis Mai sich hinziehenden üblichen Wiedereinstellungen nach der Winterpause wurden innerhalb kürzester Zeit nachgeholt.

Die Pandemie war und ist besonders für Ungelernte ein Impulsgeber zum Reflektieren, wie sie ihre berufliche Zukunft gestalten. Da über die Hälfte aller Entlassenen keinen Berufsabschluss hatten, traf die Krise gerade sie und ihre Familien besonders hart. Zwar gibt es für sie im Helferbereich wieder zunehmend Chancen, jedoch sind es oft keine beruflichen Perspektiven auf Dauer. Ihre Bereitschaft zu Weiterbildungen und zum Erreichen eines Berufsabschlusses ist daher spürbar gestiegen. Unsere Berater unterstützen sie gerne dabei, sich beruflich neu zu orientieren oder weiterzu-entwickeln.“ (red)

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