TRIEB

Der Von-Malsen-Ring in Trieb

Schlösschen in Trieb um 1900. Der kleine englische Landschaftsgarten ist heute weitgehend bebaut. An ihn erinnert der Straßenname „Schlösschenpark“. Foto: Repro: Günter Dippold

Die Herren von Malsen waren ursprünglich am Niederrhein beheimatet. Ein Zweig der Familie lebte seit dem 17. Jahrhundert im Elsass. Hierzu gehörte Johann Konrad Freiherr von Malsen, geboren 1748 in Colmar. Er kommandierte 1791/92 als Oberst ein französisches Husarenregiment. Dann trat er in preußische Dienste und war spätestens ab 1805 als Oberst der Kavallerie in Bayreuth stationiert, das ja damals zu Preußen gehörte.

Um diese Zeit kaufte er aus bayerischer Staatshand das Gut Nassanger in Trieb. Mit den Einwohnern des Dorfs kam es alsbald zu Konflikten, da sie die großen Weiherflächen zwischen dem Ort und dem Nassanger kauften und trockenlegten. Die Weiherdämme aber gehörten Malsen, so dass die Trieber, um zu ihren Grundstücken zu gelangen, seinen Grund betreten und befahren mussten – was er ihnen untersagte. Nachdem Bayreuth 1810 zu Bayern gekommen war, wurde Malsen gestattet, die Uniform eines bayerischen Obersten zu tragen. 1826 erhielt er ehrenhalber den Rang eines Generalmajors. Noch im selben Jahr starb er in Bamberg.

Grundbesitz zur Pacht ausgeschrieben

Johann Conrad Malsen bewirtschaftete seinen Trieber Grundbesitz nicht selbst. Im Herbst 1814 annoncierte er in regionalen Blättern, er werde zum kommenden Lichtmess „sein Gut den Nassanger bei Trieb, in drei Höfen bestehend“ an eine oder an zwei Personen verpachten – so hatte es einst das Kloster Langheim auch gehalten.

Karoline von Malsen, geboren 1833 in Trieb, gestorben 1904 in Meran, Ehefrau des Dichters Joseph Victor von Scheffel. Foto: Repro:Günter Dippold

1814 starb der letzte Abt von Langheim, dem das Trieber Schlösschen nach der 1803 erfolgten Aufhebung des Klosters als Wohnsitz gedient hatte. Johann Conrad von Malsen kaufte dieses Anwesen vom Staat. Fortan diente es, bis ins frühe 20. Jahrhundert, als Domizil für den Eigentümer des Gutes Nassanger.

Malsens Sohn, Konrad Adolf Freiherr von Malsen, geboren 1792 im elsässischen Ottmarsheim, trat nach dem Besuch des Gymnasiums in Bayreuth und dem Jurastudium in Erlangen 1817/18 in den diplomatischen Dienst des Königreichs Bayern. Nachdem er sich als Legationssekretär am württembergischen Hof in Stuttgart und am sardischen Hof in Turin die Sporen verdient hatte, wurde er 1827 Ministerresident bei der Schweizerischen Eidgenossenschaft in Zürich, 1829 dann außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister am Päpstlichen Stuhl in Rom. Sein Vorgänger war immerhin Kardinal gewesen.

Vom Tiber an den Obermain

1831 wurde Konrad Adolf von Malsen jedoch in den vorübergehenden Ruhestand versetzt. So zog er vom Tiber an den Obermain, von Rom nach Trieb. Hier, genauer gesagt: im Schlösschen, kamen zwei seiner Kinder zur Welt. Ihre Mutter war Malsens zweite Frau, Caroline von Peckenzell (1808–1849).

1832 wurde ein Sohn geboren, der nur wenige Tage lebte, und am 29. August 1833 die Tochter Karoline Fideline (gestorben 1904), die 1864 den Schriftsteller Joseph Victor Scheffel heiratete. Aus der höchst unglücklichen Ehe ging ein Sohn hervor.

In seinen Trieber Jahren engagierte sich Konrad Adolf von Malsen politisch. Er saß ab Ende 1836 im Landrat des Obermainkreises, was dem heutigen Bezirkstag entspricht. Spätestens 1838 verließ Malsen Trieb wieder, nachdem er als Diplomat reaktiviert worden war. Er ging erneut als außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister nach Zürich, 1841 an den württembergischen Hof nach Stuttgart, 1849 – der Höhepunkt seiner Karriere – an den preußischen Hof zu Berlin. Von 1854 bis 1867 vertrat er Bayern am badischen Hof zu Karlsruhe. Mit 75 Jahren in den Ruhestand versetzt, verstarb er noch im gleichen Jahr.

Plan des Schlösschens Trieb (mit Hausnummer 17) im Jahr 1854. Foto: Repro: Günter Dippold

Schon 1846 hatte Konrad Adolf von Malsen seinen Trieber Besitz verkauft, und zwar an Louise von Malsen zu Trieb. Diese Frau war wohl die geschiedene Frau seines Bruders. Sie blieb nicht lange; bald veräußerte sie den Gutskomplex an Henry von Sturz. Dieser Mann, der erst kurz zuvor den Adel erlangt hatte, stammte aus Zweibrücken in der Pfalz und erwarb im selben Jahr auch das Schloss Unterleiterbach.

Henry von Sturz, der in Erlangen wohnte, starb bereits 1850. Seine Witwe Susanna, eine geborene Andrews aus London, verkaufte wenig später den Trieber Besitz an Georg Wilhelm Arnold aus Eschwege.

 

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