LICHTENFELS

Der SPD-Bundestagskandidat für Lichtenfels: Simon Moritz

SPD-Bundestagskandidat Simon Moritz mit seiner Frau Lisa vor den Drei Zinnen in den Dolomiten. In diesem Jahr haben die beiden nach zehn gemeinsamen Jahren geheiratet. Foto: Red

Er ist gerade einmal 37 Jahre alt, aber bereits ein erfahrener Lokalpolitiker. Er spielt Schlagzeug bei einem kleinen Musikverein, war aber auch Percussionist einer Bigband. Er verdient seit vier Jahren seine Brötchen als Unternehmer und ist seit 18 Jahren Mitglied der SPD. Gegensätze? Für Simon Moritz nicht. Der Kulmbacher, der in Bamberg studierte und sechs Jahre lang in der Franken Akademie in Schloss Schney seine Brötchen verdient hat, will am 26. September als Direktkandidat der SPD im Wahlkreis 240 Kulmbach/Lichtenfels und Bamberg-Nord in den Bundestag einziehen.

„Auch wenn ich kein Sozialdemokrat wäre, würde ich mich bei einer Direktwahl des Bundeskanzlers für Olaf Scholz entscheiden.“
Simon Moritz, SPD-Bundestagskandidat
Basketball ist Simon Moritz' große Leidenschaft. Als Schiedsrichter sorgt er dafür, dass es unter den Körben fair zugeht... Foto: Red

Nicht zum ersten Mal übrigens. Bereits 2013 stellte sich Moritz zur Wahl und gewann fast 23 Prozent der Erststimmen; sogar mehr, als die Sozialdemokraten damals an Zweitstimmen im Wahlkreis holten. Um genau zu sein, gaben ihm 22,8 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme – so ein Resultat wäre ein riesiger Erfolg für einen SPD-Kandidaten im Freistaat angesichts der aktuellen Umfragewerte seiner Partei, die in Bayern darum kämpft, wenigstens zweistellig zu werden.

Simon Moritz ist Realist genug, um zu wissen, dass er wohl eher nicht den Wahlkreis holen wird. Trotzdem stellt sich der Diplom-Politologe zur Wahl, weil er den Menschen sozialdemokratische Politik nahebringen will. Denn von ihr profitieren die Menschen und das Land, seine Familie sieht Moritz dafür als Paradebeispiel.

Seine Brötchen verdient Simon Moritz (li.) als selbstständiger Dozent in der Erwachsenenbildung. Unter anderem war er se... Foto: Red

„Ich stamme aus einem sozialdemokratischen Elternhaus“, erzählt er. Der Vater, ein Flüchtlingskind, studierte und schaffte den Aufstieg zum Grundschullehrer. Die Mutter war eine der ersten Studentinnen an einer technischen Hochschule in Bayern. „Wenn eine Familie das sozialdemokratische Versprechen ,Aufstieg durch Bildung‘ erfahren hat, dann meine Eltern“, sagt der Kulmbacher.

Familiärer Hintergrund hat Moritz für SPD begeistert

Dieser familiäre Hintergrund habe ihn für die SPD begeistert, übrigens nicht die von ihm durchaus geschätzten Willy Brandt oder Helmut Schmidt, die einstigen Lichtgestalten der Sozialdemokratie. Und auch kein Bundeskanzler Gerhard Schröder, „obwohl ich an dem Tag in die Partei eingetreten bin, als er in Kulmbach zu Besuch gewesen ist“, sagt Moritz mit einem Schmunzeln, „aber das war eher Zufall“.

Der SPD-Bundestagskandidat Simon Moritz (2. v. li.) ist mit seinen 37 Jahren bereits ein erfahrener Lokalpolitiker. Dem ... Foto: Red

2003 ist das gewesen, „meine Eltern waren komplett überrascht von meiner Entscheidung“. Fünf Jahre später wählten die Kulmbacher Bürgerinnen und Bürger dann Simon Moritz – er war da gerade einmal 24 Jahre alt – erstmals in den Stadtrat. Damit trat er in die Fußstapfen seines Vaters Werner, der dem Gremium jahrelang angehörte, erst für die SPD, dann für die Grünen.

Situation objektiv als Politikwissenschaftler analysiert

Wer so viele Jahre seine Partei in kommunalen Bürgervertretungen repräsentiert – Moritz ist seit 2014 Vorsitzender der SPD im Kulmbacher Kreistag –, hat doch sicher eine Meinung zur Krise der Sozialdemokraten. „Ich versuche die Situation objektiv als Politikwissenschaftler zu analysieren“, sagt der Direktkandidat, wohl wissend, dass dies bei seinen Genossen nicht immer gut ankommt. Sehr reflektiert spricht er einen fehlenden Generationenwechsel an, viele der aktuellen sozialdemokratischen Spitzenpolitiker würden noch mit den Hartz IV-Maßnahmen der Regierung Schröder identifiziert.

In der 2. Basketball-Liga ist Simon Moritz (re.) als Schiedsrichter tätig. Außerdem fungiert er als oberfränkischer Bezi... Foto: Red

„Aber wir Sozialdemokraten haben als Teil der Regierung in den letzten Jahren auch nicht alles schlecht gemacht“, sagt Moritz und betont: „Da waren viele gute Sachen dabei, nur wird über diese nicht gesprochen.“ Und mit Blick auf die drei Kanzlerkandidaten meint er: „Auch wenn ich kein Sozialdemokrat wäre, würde ich mich bei einer Direktwahl des Bundeskanzlers für Olaf Scholz entscheiden.“

Kürzlich den ersten Mitarbeiter eingestellt

Egal wie die Wahl am 26. September ausgeht, der 37-Jährige wird sich weiter für die Region engagieren. Sei es bei der Bildungspolitik, sei es bei der Digitalisierung. Beides „absolut sozialdemokratische Themenfelder“, beide mit viel Luft nach oben, nachdem sie in den vergangenen Jahren vernachlässigt worden sind. Und beides Themen, mit denen er seinen Lebensunterhalt verdient. So berät er zum einen Unternehmen bei ihrer Digitalisierung und unterrichtet zum anderen als Dozent Erwachsene. Kürzlich hat er übrigens auch einen ersten Mitarbeiter eingestellt, wie er stolz berichtet.

SPD-Bundestagskandidat Simon Moritz als Schiedsrichter beim Basketball in der Bamberger Brose Arena. Foto: Red

Ein fordernder Job, dazu Stadt- und Kreisrat in Kulmbach – bleibt da noch Zeit für das Private? Ja, denn zum einen hat Simon Moritz in diesem Jahr nach zehn gemeinsamen Jahren seine Frau Lisa geheiratet, beide wünschen sich Kinder. Logisch, dass ihm eine Verbesserung der Bildungspolitik wichtig ist. Zum anderen lebt Simon Moritz seine Hobbys aus, lässt als Schlagzeuger die Drumsticks wirbeln und sorgt so für den richtigen Rhythmus im Orchester des Musikvereins im Kulmbacher Stadtteil Burghaig. Hier, im idyllischen Proberaum eines alten Schulhauses, freut er sich, mit Gleichgesinnten zu musizieren und das Vereinsleben „aufm Dorf“ zu genießen. Zur Musik kam er übrigens durch seine Eltern, die ihn als Schulanfänger zum Klavierspielen „zwangen“. Mit 15 oder 16 Jahren wechselte er zum Schlagzeug und ist diesem Instrument seither treu geblieben.

Sport spielt eine wichtige Rolle in seinem Leben

Neben der Musik spielt der Sport eine wichtige Rolle im Lebens des Kulmbachers. Moritz ist einer der Organisatoren des Kulmbacher Kessellaufs und absolvierte schon einige Triathlons. Die große Liebe gehört aber dem Basketball. Der 37-Jährige ist nicht nur oberfränkischer Bezirksvorsitzender des Bayerischen Basketball Verbands, sondern auch noch Schiedsrichter, der in etlichen Zweitliga-Partien auf dem Parkett stand.

So neutral und objektiv er als Referee die Spiele zu leiten weiß („Simon ist ein Top-Basketballschiedsrichter“, Bambergs Basketball-Legende und SPD-Genosse Wolfgang Heyder), so sehr ist er Fan des Teams von Brose Bamberg. Natürlich besitzt er eine Dauerkarte für die Heimspiele des neunfachen Deutschen Meisters aus der Domstadt und erinnert sich voller Freude an die großen Erfolge vergangener Tage. Genauso leidenschaftlich spricht Simon Moritz auch von der Mannschaft des FC Bayern München, die 2001 die Champions League gewonnen hat, schwärmt vom kämpferischen Einsatz eines Jens Jeremies in legendären Spielen gegen Manchester United oder Real Madrid. Nur um dann zu gestehen, dass seine Leidenschaft für das aktuelle Team der Münchner, für die Entwicklung des Profifußballs generell, abgekühlt ist.

Mehr mit Leuten reden, die von Politik betroffen sind

Und hier ist sie wieder, die Leidenschaft, gepaart mit der objektiven Fähigkeit zur Reflexion. Genauso gelingt es Moritz, das große Ganze im Blick zu behalten, aber genauso gut kleine Lösungen mit denjenigen Menschen zu finden, die betroffen sind; sei es beim Radwegebau, für den es nicht immer ein Verkehrskonzept geben muss, oder bei der Ausweisung neuer Wohngebiete. „Wir müssen mit den Leuten reden, die von unserem politischen Handeln betroffen sind“, sagt Moritz. Das will er auch in Zukunft weiter tun, egal ob im Bundestag oder als Stadt- und Kreisrat in Kulmbach.

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