LICHTENFELS/WOLFSLOCH

Der neue Verein „SoLaWi Obermain“ fördert Nachhaltigkeit

Der neue Verein „SoLaWi Obermain“ fördert Nachhaltigkeit
Schon bald wird auf dem Acker von Bernd Kraus (re.) mit den Vorbereitungen für das Gemüseanbau-Projekt des Vereins SoLaWi Obermain begonnen. Darauf freuen sich (v. li.) Arnt-Uwe Schille (stellvertretender Vorsitzender), Petra Simon (Gärtnerin) und Karin Fritsche (Gründungs- und V... Foto: Marion Nikol

Noch dominieren Frost und Schnee das Geschehen auf dem etwa ein Hektar großen Acker, der sich am südwestlichen Ortsende von Wolfsloch befindet. Doch schon bald wird hier einiges in Bewegung gesetzt, um Vorbereitungen für ein ganz besonderes Vorhaben zu treffen: den Aufbau und Betrieb einer sogenannten Solidarischen Landwirtschaft.

Verantwortlich dafür zeichnet sich der kürzlich gegründete Verein ,SoLaWi Obermain‘, der von der Ökomodellregion Obermain-Jura initiiert wurde und sich zum Ziel gesetzt hat, eine nachhaltige Landwirtschaft im Landkreis Lichtenfels zu fördern sowie eine gemeinschaftliche und umweltschonende Selbstversorgung zu ermöglichen.

Win-Win-Konzept für Erzeuger und Verbraucher

Die Idee hinter der solidarischen Landwirtschaft – kurz „Solawi“ – ist simpel: Ein oder mehrere Höfe beziehungsweise Gärtnereien versorgen eine Gemeinschaft privater Haushalte in der Region mit Lebensmitteln. Im Gegenzug verpflichtet sich die Gemeinschaft, die landwirtschaftliche Produktion des Betriebs zu finanzieren. Auf diese Weise teilen sich alle Beteiligten nicht nur die Ernte und die Kosten, sondern auch die Verantwortung und das Risiko der Produktion.

So können sich die Erzeuger unabhängig von Marktzwängen einer nachhaltigen landwirtschaftlichen Praxis widmen, während Verbraucher regional erzeugte, hochwertige Lebensmittel erhalten, deren Anbau und Ernte sie hautnah miterleben können.

„Das heißt, man bezahlt

nicht jeden Salatkopf und jede Tomate einzeln, sondern finanziert durch einen

monatlichen Betrag das

ganze Vorhaben und

teilt sich die Ernte.“

Arnt-Uwe Schille,

stellvertretender Vorsitzender

Bei der Solawi Obermain geht es konkret um den Anbau von Gemüse. Damit sollen all diejenigen Haushalte versorgt werden, die sich dem Projekt als Ernteteiler anschließen. „Das heißt, man bezahlt nicht jeden Salatkopf und jede Tomate einzeln, sondern finanziert durch einen monatlichen Betrag das ganze Vorhaben und teilt sich die Ernte“, erklärt Arnt-Uwe Schille, stellvertretender Vorsitzender des Vereins.

Je nach Jahreszeit und Ertrag setzt sich ein Ernteteil aus unterschiedlichen Gemüsesorten zusammen und ist so ausgelegt, dass er einen Singlehaushalt das Jahr über gut mit Gemüse versorgt. Der Betrag pro Ernteteil wird mit 40 Euro pro Monat angesetzt, wovon unter anderem die Gärtnerin entlohnt, Jungpflanzen zugekauft sowie die Bewässerung, Gerätschaften und vieles mehr bezahlt werden.

Anbau nach dem „Market Gardening Prinzip“

Auf der Suche nach einer geeigneten Fläche wurden Bianca Faber und Michael Stromer, die sich seitens des Landkreises und der Öko-Modellregion für das Projekt verantwortlich zeichnen, in Wolfsloch bei Bernd Kraus fündig. Auf einem etwa ein Hektar großen Acker am südlichen Ortsende, unweit der Alten Schulstraße, soll im Frühjahr mit dem Anbau begonnen werden, so dass bestenfalls im Mai schon das erste Gemüse geerntet werden kann.

„Nun heißt es aber erstmal, die Bodenproben zu analysieren, den Anbauplan entsprechend anzupassen und wenn möglich noch im Februar die Gewächshäuser in Form von Folientunneln aufzubauen“, erläutert Gründungs- und Vorstandsmitglied Karin Fritsche bei einem Ortstermin.

„Bei Market Gardening handelt es sich um einen

Gemüsebau, der ohne den Einsatz schwerer Maschinen wie Traktoren auskommt

und sich heute wieder

großer Beliebtheit erfreut.“

Petra Simon, verantwortliche Gärtnerin

Der Anbau selbst erfolgt nach dem sognannten Market Gardening-Prinzip und wird von Gärtnerin Petra Simon verantwortet, die über entsprechende Erfahrungen im ökologischen Gemüse-Anbau verfügt. „Bei Market Gardening handelt es sich um einen Gemüsebau, der ohne den Einsatz schwerer Maschinen wie Traktoren auskommt und sich heute wieder großer Beliebtheit erfreut“, erklärt Petra Simon.

So werden die Gemüsepflanzen dicht an dicht gepflanzt, um möglichst viel Ertrag auf kleiner Fläche zu erzielen, wobei der Boden wiederum möglichst wenig bearbeitet wird. Für eine gute Bodenfruchtbarkeit sorgen Kompost oder Düngemittel, die regelmäßig auf der Fläche verteilt werden. Die Vorteile dieses Anbauprinzips liegen nicht nur in der nachhaltigen, umweltfreundlichen Bewirtschaftung, sondern auch in der Wirtschaftlichkeit der Anbauweise.

25 verschiedene Gemüsesorten auf der Anbauliste

Der neue Verein „SoLaWi Obermain“ fördert Nachhaltigkeit
Regional erzeugtes, saisonales Gemüse direkt vom Feld – genau damit will der junge Verein zahlreiche Verbraucher im Land... Foto: Michael Stromer

Im Rahmen des Anbauprojekts von SoLaWi Obermain stehen über 25 verschiedene Gemüsesorten auf der Anbauliste, die verschiedenen Salat- und Untersorten – zum Beispiel bei den Tomaten – gar nicht eingerechnet. Wie Petra Simon zudem erklärt, wolle man bewusst auch traditionelle, alte Sorten wie Zuckerwurzel und Ampfer anbauen, oder besondere Spezialitäten ausprobieren, wie beispielsweise bunte Tomaten und ausgefallene Kürbisse. „Wir wollen in kleinem Stil natürlich auch ein wenig experimentieren“, so die Expertin. Ein ebenso interessantes Thema sei die Wintergärtnerei oder auch der Anbau von mehrjährigem Gemüse, für das auf jeden Fall ein Beet in Wolfsloch angelegt werden soll.

Sinn für Gemeinschaft, Regionalität und Saisonalität

Insgesamt 80 Ernteteile stehen zur Verfügung, für die sich Interessierte ab sofort anmelden können. Wer bei der Feldarbeit mithelfen möchte, kann dies gerne tun, zwingend ist es jedoch nicht. Bei dringenden Arbeiten wie der Ausbringung vieler Jungpflanzen oder dem Hacken zur Unkrautbekämpfung zählen die Initiatoren auf die Schlagkraft der Gemeinschaft.

Förderung der Gemeinschaft ein zentraler Aspekt

Die Förderung einer solchen Gemeinschaft, die aus Mitgliedern, Fördermitgliedern, Ernteteilern oder auch Interessierten bestehen kann, ist ein zentraler Aspekt des Vereins. So will man über den Gemüseanbau hinaus auch gemeinschaftsbildende und generationenübergreifende Aktionen, Kurse und Seminare anbieten und öffentliche Veranstaltungen wie Erntefeste abhalten.

Die Ernte wiederum soll mindestens einmal pro Woche ausgegeben werden. Um für die Lichtenfelser Ernteteiler die Fahrten gering zu halten, will der junge Verein eine entsprechende Ausgabestelle in Lichtenfels einrichten. Dort wird auf einer Tafel ersichtlich sein, wie sich der Ernteteil zum jeweiligen Zeitpunkt zusammensetzt, was natürlich von der Jahreszeit und den Erträgen abhängt.

Das Bewusstsein für Saisonalität wird gestärkt

Somit werde bei den Verbrauchern auch wieder das Bewusstsein für Saisonalität gestärkt, wie Arnt-Uwe Schille betont: „Wir sind es ja gar nicht mehr gewohnt, bestimmte Gemüsesorten nur zu einem bestimmten Zeitraum zu erhalten, dabei ist damit ein ganz anderes und viel intensiveres Geschmackserlebnis verbunden.“

Konkret schließen Ernteteiler mit der SoLaWi Obermain einen Vertrag auf ein Jahr, jeweils von März bis Februar. Im März soll also mit den Anbauarbeiten begonnen werden. Bis Mitte Februar sollte das Gerüst der Erntegemeinschaft stehen, um entsprechend planen zu können. Die Homepage des Vereins befindet sich derzeit im Aufbau. Dort sind dann der Anbauplan, der Vertrag und alle wichtigen Infos hinterlegt.

Anmeldung: Wer sich jetzt schon für ein oder mehrere Ernteteile anmelden will, kann dies per mail an info@solawi-obermain.de tun.

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