LICHTENFELS

Der heiß ersehnte Impftermin von Corinna Tübel

Frisch geimpft: Corinna Tübel. Foto: Red

Unsere freie Mitarbeiterin Corinna Tübel ist frisch geimpft. Über ihre Erfahrung mit dem bedeutsamen Pieks schreibt sie für OTverbindet.

„Würde mich jemand fragen, was mir vom Tag meiner Corona-Impfung am Stärksten in Erinnerung ist, dann würde ich aus dem Bauch heraus sagen: ,Dass niemand den Kopf und seine Gedanken in sein Smartphone gesteckt hat.' Traurig? Sind nicht der kleine große ,Pieks', die masken-tragenden Menschen oder der enge Wartebereich mehr Gedanken wert an diesem großen Tag?

Nein, aus dieser Nicht-Tatsache wurde ein Gefühl, das alle im Impfzentrum verbunden hat: Männer im Anzug, die das Klischee eines Bankangestellten bedienen. Junge Mütter, die so manchen Fleck auf dem Oberteil tragen. Senioren, die sich an den Händen halten. Dazwischen: Ein blutjunger blonder Mann mit zerzausten Haaren, der – obwohl er erst aufgestanden zu sein scheint – die Nummern der Abreisszettel, die eine Hilfskraft, wohl Krankenschwester, nun vorliest, weitersagt.

Kein Handy, keine Zeitschrift, kein Wühlen in der Handtasche trügt das Bild im Wartebereich. Es ist beinahe eine andächtige Ehrfurcht zu spüren.

Kann noch etwas schiefgehen?

Unser Archivbild zeigt das Impfzentrum. Foto: Red

Als ich aufgerufen wurde, hat dieselbe Dame noch schnell meine Temperatur gemessen, ehe ich an der Anmeldung meine Unterlagen abgegeben konnte. Ein bisschen unruhig war ich schon noch, ob mit meinem Termin alles seine Richtigkeit hat. Es gäbe doch nichts Blöderes, als nun, zu diesem Zeitpunkt, wieder nach Hause geschickt zu werden.

Doch keine zwei Minuten später reichte die Angestellte mir nochmal den Aufklärungsbogen, den ich schon im Internet durchlesen konnte, und ich habe unterschrieben. Mit meiner ,Mappe' schickte sie mich abermals weiter – ich betrat nun das eigentliche Gebäude des Impfzentrums – und ich gelangte in einen langen Flur, der an einer Seite bestuhlt war.

Dort saßen ebenfalls Menschen, vielleicht 15 bis 20, zu denen ich vermutlich unter normalen Umständen keinerlei Berührungspunkte hätte, und doch war es anders als etwa im Supermarkt: Da war eine Art ,Gemeinschaftsgefühl'. Nach mir trafen andere Leute aus dem ersten Wartebereich ein, andere wurden nun von verschiedenen Ärzten in die auf den Flur verteilte Behandlungszimmer geführt. Es waren an diesem Tag vier oder fünf Ärzte, von jungen Frauen bis sicher schon eigentlich pensionierten Medizinern.

Manche sind alle fünf Minuten mit ihren gerade geimpften Patienten im Flur erschienen und haben neue hereingebeten, bei anderen dauerte dies rund 15 Minuten. Vermutlich sollte die Reihenfolge, wie bereits zuvor, anhand der Abreissnummern erfolgen.

Ich blickte mich um, doch da war ausnahmsweise mal kein Murren und Motzen über ein unbeabsichtigtes Vordrängeln oder eine längere Wartezeit zu vernehmen.

Manchen Senioren gab man den Vortritt. Und wie auch zuvor schon: Niemand tippte auf seinem Smartphone. Wirklich niemand. Ich habe rund 15 Minuten gewartet, ehe ich mit Hinweis auf meine Nummer auf den nächsten Arzt reagierte, der nach draußen getreten war.

Ein Pieks wie in der Kindheit?

Im Behandlungszimmer selbst war ich nicht lange: Meine Daten und Dokumente wurden abgeglichen, nochmal die Frage nach Vorerkrankungen gestellt, und dann kam schon der „Pieks“ in den Oberarm. Ich hatte schon lange keine Impfung mehr erhalten, ein bisschen erinnerte er mich deshalb an meine Kindheit, aber nur kurz. Denn dann wurde mir bewusst, dass ich „einen Schritt weiter“ bin, auf dem Weg gegen die Pandemie. Mit der Information, dass ich mich dennoch mit Covid-19 infizieren könne, aber vermutlich einen schwächeren Krankheitsverlauf erleben würde, verabschiedete mich der Mediziner aus dem Zimmer und wies auf das Ende des Flurs, wo die „Überwachung“ stattfand.

Nach rund zehn Minuten schickt mich dort der „Rausschmeißer“, wie sich der Krankenpfleger selbst scherzhaft bezeichnete, nach draußen. Heim. Geimpft. Worauf viele andere seit Wochen warten und hoffen.

Frühzeitig richtig informieren

Mir blieben nicht mal 24 Stunden Zeit von der Terminvereinbarung zur Impfung: Andere würden sich glücklich schätzen, das weiß ich. Doch mich hat es anfangs etwas überfordert. Als nahe Kontaktperson eines Hochrisiko-Patienten im engsten Familienkreis wusste ich zwar, dass ich früher als viele andere „drankommen“ würde, doch nachdem die ersten Monate ohne jegliche Nachricht aus dem Impfzentrum ins Land strichen, dachte ich mir: So schnell geht es wohl doch nicht. Auch bei meiner Hausärztin befand ich mich auf der Liste, jedoch war auch das – unter anderem aufgrund der Änderung der Impf-Empfehlung - nicht absehbar.

Vergangene Woche habe ich dann per Mail den Hinweis erhalten, dass eine Terminvereinbarung ab sofort möglich sei. Enthusiastisch und mit Herzklopfen habe ich mich in das Bayerische Impfportal eingeloggt, doch jegliche Termine – ob in dieser Woche oder im Juni – seien nicht möglich.

Ein technischer Fehler, habe ich mir gedacht, und meine Hoffnungen wieder begraben. Fast schon aus Routine, weniger aus echter Hoffnung habe ich dasselbe Spiel am Montagabend auf dem Sofa nochmal gemacht – und traute meinen Augen kaum: Ein Impf-Termin am nächsten Tag wartet auf mich. Wohin nun mit all den Fragen, Gedanken und…? Soll ich ihn annehmen? Zum Glück konnte ich mit meinem Mann an diesem Abend lange darüber sprechen. Ich bin sicher, so geht es Vielen: Man liest meist oberflächlich über die Impfungen, die andere erhalten. Fragt bereits geimpfte Bekannte nicht näher über ihre Erfahrungen aus. Das alles scheint noch weit weg.

Noch schnell Bestätigung eingeholt

Später..., später gab es für mich nicht: In 18 Stunden sollte ich geimpft werden. So geschah es auch: Am nächsten Morgen um 8 Uhr habe ich noch eine Bestätigung des behandelnden Arztes über den Risikofall in meiner Familie organisiert. Als ich am Nachmittag vor dem Impfzentrum geparkt hatte, bemerkte ich, dass es ein ganz normaler Tag war: Nur keiner starrte auf sein Smartphone. Sicher ist das nur eine Momentaufnahme. Oder doch nicht?

Aus meinen Erfahrungen heraus rate ich jedem, sich schon jetzt mit dem Thema Impfung zu beschäftigen und zwar jeder auf diejenige Weise, die ihm entspricht: Ob man mit einem Familienmitglied oder einem Freund spricht, ob man seinen Arzt des Vertrauens anspricht oder man sich im World Wide Web schlau macht. Bei Letzterem rate ich jedoch dazu, die Informationen zu prüfen und die Quellen auf Fachbasis zu prüfen. Suchen Sie sich nicht nur die Antworten, die Sie gerne hören möchten.

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