KULMBACH/LICHTENFELS

Der Grünen-Bundestagsdirektkandidat für Lichtenfels: Martin Pfeiffer

Die Welt und ihre Natur erleben und verstehen: Martin Pfeiffer mit mongolischen Studentinnen. Foto: red

Um die große Welt besser zu verstehen, hilft es, sich einen Mikrokosmos anzuschauen. Zum Beispiel den von Ameisen. Nicht nur, dass die Insekten soziale Verhaltensnormen haben und eigene Staaten bilden. Für Martin Pfeiffer erzählen Ameisen auch die Geschichte des Klimawandels. Und der, da gibt es für den Direktkandidaten der Grünen nichts zu deuteln, ist eine Gefährdung für die Natur und die Lebensweise aller Arten in ihrer heutigen Form.

Der Klimawandel ist der Hauptgrund, warum sich der 60-Jährige in der Politik versucht. Denn Martin Pfeiffer hat keine Karriere in der Öko-Partei gemacht. Ist erst seit gut einem Jahr Mitglied und übernahm bis dato keine Funktion im Kreisverband Kulmbach. Dass Pfeiffer als Direktkandidat im Wahlkreis 240 (Kulmbach, Lichtenfels, Bamberg-Land) für Bündnis90/Die Grünen antritt, hat vor allem damit zu tun, dass er sich eben mit Ameisen, sprich umfassender, mit Ökologie gut auskennt.

In Bayreuth Tierökologie studiert

Der 60–jährige ist Wissenschaftler, studierte in Bayreuth Tierökologie. „Als Biologe und Ökologe arbeite ich seit Jahren an ökologischen Brennpunkten in aller Welt“, sagt er. Das ist nicht übertrieben. Für seine Doktorarbeit an der Universität Würzburg forschte er im tropischen Regenwald auf Borneo über Riesenameisen. Lange Zeit lebte er mit seiner Frau Irmgard Pfeiffer in Asien. Fünf Jahre davon im Rahmen einer Professur für Ökologie und Umweltwissenschaften in der Mongolei. Dort spielte auch die Wasserwirtschaft eine Rolle, in der er Behörden und Ministerien beriet.

Wie es sich für einen Grünen-Politiker gehört: Martin Pfeiffer kommt mit dem Rad zum Interview. Foto: Till Mayer

Heute ist er Wissenschaftler und Dozent am Lehrstuhl für Biogeographie an der Universität Bayreuth. Die Brücken zu seinen alten Forschungsorten hat er aber nicht abbrechen lassen. „Daneben bin ich auch selbstständiger Unternehmer als Teilhaber des Familienunternehmens Raps, das in Kulmbach Gewürze produziert“, führt er weiter aus.

Das Ökologie von Ameisen erforscht

Das Ökologie von Ameisen erforschte er im Dschungel von Borneo, an der afrikanischen Elfenbeinküste und in den unendlichen Weiten der Mongolei. Dabei sah der Kulmbacher Urwälder verbrennen, damit Anbauflächen für gigantische Ölpalmen-Monokulturen entstehen konnten. „Die Rauchbildung in Borneo war so gewaltig, dass sie selbst hunderte Kilometer entfernt noch das Atmen schwer machte“, sagt er. So wie der Smog, den er in seinen Wintern in mongolischen Ulan Bator erlebte, weil eine ganze Stadt Braunkohle und Altmaterialen verheizt, bis die Luft diesig wird und der Staub den Schnee schwärzt.

Wissenschaftler Martin Pfeiffer bei seiner „Feldarbeit“. Foto: Red

Brandrodung, Raubbau, das Abtauen von Permafrostböden oder Umweltvergiftung, all das hat der 60-Jährige mit eigenen Augen gesehen und als Wissenschaftler dokumentiert. Und es hat ihn tief geprägt. Die Folgen und Ursachen des Klimawandels sind für ihn schon lange greifbar.

Wobei wir wieder bei den Ameisen in Borneo wären. Die steigenden Temperaturen im Regenwald treiben die Ameisen und viele anderen Tierarten die Bergrücken in Richtung kühlere Temperaturen hoch. Doch Richtung Gipfel spitzt sich der Lebensraum zu. „Die Knappheit an lebenswichtigen Ressourcen führt zu einem steigenden Druck auf die Tierpopulationen“, sagt der Wissenschaftler.

Ein Sinnbild für den Menschen

Für den Ökologen ist das auch ein Sinnbild für den Menschen, für sein Überleben. „Wenn nicht endlich gegengesteuert wird“, sagt er. Bundeskanzlerin Merkel sei mit ihrer Klimapolitik als Löwe gestartet, um als Bettvorleger zu landen. „In Afrika gibt es längst Klimaflüchtlinge, die ihre Heimat verlassen müssen. Aber so weit müssen wir gar nicht gehen: Die Trockenheit der vergangenen Jahre hat den Grundwasserspiegel auch bei uns dramatisch sinken lassen. Der heimische Wald ist schwer geschädigt“, so der Grünen-Kandidat.

Blick in die Vergangenheit: Noch als Gymnasiast setzte sich Martin Pfeiffer für die Initiative „Rettet den Schießgraben“... Foto: Till Mayer

Gegengesteuert hat Pfeiffer schon als Gymnasiast, wenn er etwas nicht in Ordnung fand. Als der Kulmbacher Schießgraben für ein Straßenbauprojekt verkleinert werden sollte, engagierte er sich dagegen. Später war er bei den Demos gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf dabei. Damals stand die Polizei in der Kritik, mit unangemessener Härte gegen Demonstrierende vorzugehen. Der Schießgraben und Wackersdorf blieben letztendlich von den angedachten Projekten verschont.

Das machte dem Wissenschaftler Mut. Pfeiffer ist ein Typ, dem das Vorantreiben eines Quinoa-Anbauprojekts in der Mongolei mehr liegt als Parteiarbeit. „Aber jetzt ist Handeln angesagt, um Schlimmes zu verhindern“, sagt der Wissenschaftler. Dabei könne eine nachhaltige und ökologische Wirtschaftstechnologie „Made in Germany“ durchaus auch für einen nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg stehen: „Das ist für Deutschland eine große Chance. Erfolge gibt es schon. Sie gilt es weiter auszubauen.“

Der Listenplatz liegt weit hinten

Als Direktkandidatin gilt aber die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU) als die Favoritin im Wahlkreis. Und der Listenplatz (62) von Martin Pfeiffer bei den Grünen ist weit hinten angesiedelt. Die Chancen, nach der Wahl ein Berufspolitiker zu sein, sie sind eher gering. Doch Pfeiffer ist das gar nicht so wichtig. Er will den Wahlkampf nutzen, um zu zeigen: Nachhaltige Klimapolitik ist für alle überlebenswichtig und sie birgt Chancen. „Und wenn ich mir meine Studenten ansehe oder die Menschen, mit denen ich in der Mongolei zusammenarbeite, dann bin ich froh, dass das mehr und mehr Menschen bewusst wird.“ Aber die Bildung von einem Bewusstsein für Nachhaltiges Handeln eilt, das fordert eben fleißige „Arbeits-ameisen“, ist sich der Ökologe bewusst.

Schlagworte