BAMBERG

Der Bamberger Schauspieler Florian Walter und die Pandemie

Eigentlich sollte Florian Walter zusammen mit Katharina Brenner (li.) und Marie-Paulina Schendel seit 4. Dezember mit der Produktion „Der Stock“ auf der Bühne stehen. Foto: Martin Kaufhold

Ein Jahr Corona-Pandemie, das heißt auch bis auf einige wenige Vorstellungen ein Jahr kein Theater. Wie geht man als Schauspieler damit um? Wie ist das, wenn man so lange nicht auf der Bühne stehen und vor Publikum spielen darf? Florian Walter vom Bamberger ETA Hoffmann Theater gewährt einen Einblick in seine Situation.

„Nach gut einem Jahr im Lockdown geht man schon ein wenig am Stock. Was nicht nur ein dezenter Hinweis auf die hoffentlich in Bälde bevorstehende Premiere der deutschen Erstaufführung von Marc Ravenhills Stück ,Der Stock‘ sein soll, sondern auch eine Beschreibung meiner persönlichen Situation.

Nur im Herbst einige wenige Vorstellungen

Als im März letzten Jahres im Shutdown alles Leben heruntergefahren wurde, wollten wir gerade mit Proben zu Anton Tschechows ,Kirschgarten‘ beginnen. Kurz darauf beschloss unsere Intendantin Sibylle Broll-Pape äußerst umsichtig, die Spielzeit 2019/20 zu beenden.

Im Oktober schließlich konnten wir die Premiere und einige wenige Vorstellungen spielen, bevor im November wieder geschlossen werden musste.

Im November für den „Franken-Tatort“ vor der Kamera

Mit meinen Kolleginnen Marie-Paulina Schendel und Katharina Brenner probten wir in der Folge den ,Stock‘, der am 4. Dezember Premiere haben sollte. Wir stellten die Produktion bis einschließlich der Generalprobe fertig in dem klaren Bewusstsein, nicht zu wissen, wann wir das Ergebnis unserem Publikum zeigen dürfen. Seit dem 4. Dezember bin (selbstverständlich nicht nur) ich auf Kurzarbeit. Nach über 30 Jahren auf der Bühne des ETA Hoffmann Theaters ein komisches Gefühl.

Ich hatte im November noch die Möglichkeit, für den ,Franken-Tatort‘ in Bamberg zu drehen, der am 16. Mai in der ARD ausgestrahlt wird, so dass in diesem Monat viel zu tun war; danach war ich beruflich wie ausgeknipst.

Hausaufgaben mit dem Großen, Spiele mit dem Kleinen

Dennoch war beileibe genug zu tun, da meine Frau in ihrer Firma naturgemäß sehr eingespannt ist und ich nun viel Zeit mit unseren beiden Söhnen verbringen konnte. Der Ältere ist in der achten Klasse am Dientzenhofer-Gymnasium und hatte Online-Distanzunterricht, der – nach Anlaufschwierigkeiten im letzten Jahr im Shutdown – sehr gut strukturiert seitens der Schule funktioniert. Der Kleinere ist noch im Kindergarten in der Vorschule und daher auch sehr viel zu Hause.

Florian Walter ist Schauspieler am ETA Hoffmann Theater in Bamberg. Foto: Martin Kaufhold

So war am Nachmittag immer was los, sei es Gesellschaftsspiele, Lego, Playmobil und vieles andere. Dazwischen immer wieder ein Blick über die Hausaufgaben des Großen, sofern gewünscht. Es war und ist eine sehr intensive Zeit mit der Familie, die wir auch sehr genießen, wobei die Söhne ihre Freunde teilweise schon arg vermissen.

„In diesem Sinne lasst uns alle ein wenig aufeinander achten, die Abstandsregeln einhalten und auf den Impfturbo hoffen.“
Florian Walter, Schauspieler

Unser Großer hat das große Glück, dass er als Kaderspieler des Bayerischen Tennisverbandes seinem Sport auch im Lockdown nachgehen darf und so – wenn auch mit dem dementsprechenden Abstand – immer wieder mit anderen Spielern Kontakt hat. Ein weiterer positiver Nebeneffekt sind Ausflüge in die nähere Umgebung, die uns wieder gezeigt haben, dass es in unserer Region so einiges zu sehen und entdecken gibt.

Nichtsdestotrotz sehnen wir uns alle wieder nach einer gewissen Normalität sprich Freunde treffen, mal wieder Essen gehen zu können, Kultur- und Sportveranstaltungen besuchen und natürlich auch wieder Theater spielen zu dürfen.

In diesem Sinne lasst uns alle ein wenig aufeinander achten, die Abstandsregeln einhalten und auf den Impfturbo hoffen.“

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