LICHTENFELS

Demokratie leben! in den Landkreis Lichtenfels bringen

„Demokratie leben“ ist ein ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Foto: Markus Drossel

Was da in bunten Buchstaben im Saal des Myconiushauses an Wand projiziert wird, ist nichts geringeres als die Erfolgsformel und das Lebenselixier einer modernen Zivilgesellschaft: „Demokratie leben!“. Die Bundesregierung hat das schon 1992 erkannt und eine Initiative ins Leben gerufen, an der sich schon viele Kreise, Städte und Gemeinden des Landes beteiligen. Der Landkreis Lichtenfels aber ist noch immer ein „weißer Fleck“.

Sie wollen das Projekt „Demokratie leben in Lichtenfels” etablieren: Anne Salzbrenner, Dr. Christine Schmidt, Steffen Bi... Foto: Markus Drossel

Genau das möchten Steffen Biskupsi und Anne Salzbrenner, beide auch Teil des Bündnisses „Lichtenfels ist bunt“, ändern: Der engagierte Lehrer und Schulpsychologe und die couragierte evangelische Pfarrerin wollen ihre Heimat der breiten Allianz für Demokratie und Zivilcourage anschließen. Sie hatten deshalb Vertreter aus Politik, Kirche, Jugend- und Bildungsarbeit zu einem Informationsabend geladen. „Wir können das nur miteinander verwirklichen. Es ist heute nötiger denn je, klar Position zu beziehen“, so Salzbrenner. Rechtspopulismus sei salonfähig, auch im Christentum agiere eine rechte Ecke. Und das nicht selten unverblümt.. „Wir müssen für Menschlichkeit etwas unternehmen, über Konfessions- und Parteigrenzen hinweg.“ Steffen Biskupski freute sich über den „bunten Strauß an Menschen“, der gekommen war, um dem Ansinnen Anschub zu geben.

Noch ist der Landkreis Lichtenfels auf der „Demokratie leben”-Landkarte ein weißer Fleck in Oberfranken. Foto: M. Drossel

Diplom-Politologe Stefan Denzler vom evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum Bad Alexandersbad ging als Geschäftsführer des Projektes „Demokratie leben in der Mitte Europas“ ins Detail. Viele Partnerschaften für Demokratie hätten er und Martin Becher schon betreut und mitinitiiert, bundesweit seien 320 Kommunen am Projekt „Demokratie leben!“ beteiligt, in Bayern 28, in Oberfranken zehn.

Der Landkreis Lichtenfels ist diesbezüglich ein „weißer Fleck“

„Der Landkreis Kulmbach kommt in naher Zukunft dazu, Forchheim war schon dabei und ist es letztlich dank eigener Finanzmittel noch immer. Und ich fände es ganz wichtig, die vorhandenen Lücken zu schließen“, so Denzler. Die Projektion an der Wand führte es vor Augen: Der Landkreis Lichtenfels ist diesbezüglich ein „weißer Fleck“.

Es war die damalige Bundesfamilienministerin Dr. Angela Merkel (CDU), die 1992 die deutschlandweite Initiative ins Leben rief. Unter veränderten Namen lebt diese bis heute fort. Gefördert aus Bundesmitteln, bis zu 125 000 Euro jährlich pro Teilnehmer, eine Kofinanzierung der Kommune oder des Kreises von rund 14 000 Euro vorausgesetzt.

Initiator Steffen Biskupski (li.) im Austausch mit Diplom-Pädagoge Martin Becher, Geschäftsführer des Bayerischen Bündni...

„Es ist egal, ob eine Stadt, mehrere oder ein Landkreis: Wichtig ist die Interessensbekundung beim Ministerium“, so Denzler. Und das Interesse sei bundesweit so hoch, dass es eine Warteliste gebe, die nach und nach abgearbeitet werde. Will meinen: Wer zu lange wartet, wird abgehängt.

Die interessierte Stadt oder der Landkreis muss dann ein federführendes Amt benennen und eine halbe Stelle vorweisen. Ein Begleitausschuss kümmert sich um die Umsetzung und finanzielle Förderung der Projekte, die sehr vielfältig und vielschichtig sein können. Laura Göldner von „Lichtenfels ist bunt“ hat für die Stadt Coburg schon einige davon umgesetzt, unter anderem eine U-18-Wahl, wie es sie heuer erstmals auch im Landkreis Lichtenfels geben soll. Kreisjugendpflegerin Alexandra Stammberger informierte darüber.

Das Ziel aller Projekte ist stets gleich: die Zivilgesellschaft stärken, Bildung schaffen, Miteinander fördern, Verständnis füreinander fordern – und Hass und Hetze entgegenwirken.

Wird der Landkreis Lichtenfels auch bald tätig? Foto: Markus Drossel

„Das Wichtigste ist die Interessensbekundung“, betonte auch Martin Becher, ebenfalls vom evangelischen Bildungszentrum Bad Alexandersbad und zudem Geschäftsführer des Bayerischen Bündnisses für Toleranz, Demokratie und Menschenwürde schützen. Auch wenn Landrat Christian Meißner (CSU) sich ebenso entschuldigen ließ wie Bürgermeister Hügerich (SDP): An Interesse mangelte es an diesem Abend wahrlich nicht. Es gab bereits viele Ideen, viele Visionen, viele Ansätze. Steffen Biskupski erläuterte, dass Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner sehr hinter diesem Ansinnen steht. Auch die Kreisräte Arnt-Uwe Schille (SPD) und Dr. Christine Schmidt (Grüne) kündigten an, die Initiative vorantreiben zu wollen. Der ehemalige Kreisjugendringleiter Stefan Klaus, hauptberuflich bei der Akademie der Erzdiözese Bamberg in Nürnberg, betonte: „Demokratie gibt es nicht zum Nulltarif, aber sie ist so unglaublich wichtig. Das muss es uns wert sein!“

„Demokratie gibt es nicht zum Nulltarif, aber sie ist so unglaublich wichtig. Das muss es uns wert sein!“
Stefan Klaus, ehemaliger KJR-Vorsitzender

Auch Johannes Löhlein, Bildungsreferent der Bildungs-und Tagungshäuser Vierzehnheiligen, Eduard Zifle vom Jugendzentrum und Olga Kliwna, Projektbetreuerin „Demokratie leben!“ an der Franken-Akademie Schloss Schney, bekundeten ihre grundsätzliche Bereitschaft, mitwirken zu wollen.

„Gerade, weil es das Bundesamt Bafza in der ehemaligen Zivildienstschule Bad Staffelstein im Landkreis gibt, wartet das Ministerium mehr oder weniger darauf, dass sich der Kreis Lichtenfels beteiligt. Schließlich werden dort für ganz Deutschland die Projekte abgewickelt“, so Becher. „Die Sachen liegen also da wie eine gemähte Wiese.“ Man müsse nur wollen. Am besten der Landrat selbst.

 

Standpunkt: Es ist allerhöchste Zeit!
Von Markus Drossel
markus.drossel@obermain.de

Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit: Gerade wir Deutschen sollten uns stets bewusst sein, dass wir uns die Demokratie hart erarbeiten mussten. Umso wichtiger ist es, dieses so wichtige Gut zu schützen und zu fördern. Staats- und demokratiezersetzende Tendenzen gibt es wahrlich genug, auch bei uns in der Region. Dass der Landkreis Lichtenfels sich bislang nicht am Bündnis „Demokratie leben“ beteiligt hat, ist zweifelsohne ein Makel. Diesen „weiße Fleck“ gilt es nun dringend auszumerzen. Wie gut, dass es bereits jetzt eine breite Allianz der Willigen gibt, die lieber heute als morgen die Initiative ergreifen und das Projekt umsetzen wollen. Ideen gibt es viele, nun sind die führenden Politiker am Zug: Sie müssen sich klar positionieren und im Idealfall ihren festen Willen beim zuständigen Ministerium bekunden, mit für Demokratie, Courage und Toleranz einstehen zu wollen. Und dafür wird es allerhöchste Zeit! 

 

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