LICHTENFELS

Das Programm für den 41. Korbmarkt steht

Parade der Majestäten: So viele Hoheiten gab es wohl noch bei keinem Korbmarkt wie beim 40. im Jahr 2019. Zu ihrem letzten Korbmarkt organisiert Alicia I. wieder ein Königinnentreffen. 40 Majestäten haben bereits ihr Kommen zugesagt. Foto: Till Mayer

Es liegen ein paar harte Wochen hinter dem Korbmarkt-Organisationsteam. „Nach zwei Jahren Pause wieder anfangen ist wirklich eine Hausnummer“, betont Steffen Hofmann, Vorsitzender des Stadtmarketingvereins Lichtenfels. Manche Dienstleister gebe es gar nicht mehr; die hätten in der Pandemie aufgegeben. Ganz viele hätten mit Personalmangel zu kämpfen. Und so waren noch einmal besondere Anstrengungen nötig, damit Hofmann am Mittwoch sagen konnte: „Jetzt aber sind wir guter Dinge und freuen uns, dass wir wieder loslegen können.“

Bei der Pressekonferenz im Rathaus stellte er zusammen mit Bürgermeister Andreas Hügerich, Korbstadtkönigin Alicia I. und Manfred Rauh, Geschäftsführer des Zentrums Europäischer Flechtkultur (ZEF) das Programm vor, das die Besucherinnen und Besucher beim 41. Korbmarkt vom 16. bis 18. September erwartet. Und das ist wieder ordentlich vollgepackt.

„Nach zwei Jahren Pause wieder anfangen ist wirklich eine Hausnummer.“
Steffen Hofmann, Vorsitzender des Stadtmarketingvereins

Im Mittelpunkt steht dabei natürlich das Kunsthandwerk. „Wir haben Anfang des Jahres eine Interessensbekundung gemacht, wir wollten wissen: Wie sieht's aus nach zwei Jahren Corona – ist das Interesse noch da?“, erzählte Manfred Rauh. Ihn trieb auch die Sorge um, dass Flechthandwerker während der Pandemie aufgegeben haben könnten, nutzten doch viele bisher ausschließlich Märkte zur Präsentation und als Vertriebsweg.

Freuen sich, dass es heuer endlich wieder einen Korbmarkt gibt (v. li.): Pressesprecher Sebastian Müller, Korbstadtkönig... Foto: Annette Körber

Aber tatsächlich sei die Resonanz groß gewesen. „Die Leute sind noch da“, freute er sich. Viele hätten während der Lockdowns Online-Shops aufgebaut, viele hätten neue kreative Projekte gestartet: „Einiges davon werden wir jetzt sehen.“

Anmeldungen aus zehn Nationen, auch aus der Ukraine

Und so wird wieder die ganze Vielfalt der Flechtkultur zu bestaunen sein, von Flechthandwerkern aus der Region, aber auch aus ganz Deutschland und darüber hinaus: „Die Zielrichtung des ZEF war von Anfang an, internationaler zu werden. Heute ist der Korbmarkt die international bedeutendste Fachveranstaltung Europas“, betonte der Geschäftsführer. Deutschland dazugerechnet, lägen Anmeldungen aus zehn Nationen vor, wobei sich der internationale Bereich wieder an den 40 Ständen rund um die Stadtpfarrkirche konzentriert.

Zwei ukrainische Flechterinnen werden dabei sein und im Rahmen der ebenfalls wieder angebotenen Workshops das in der Westukraine traditionelle Flechten mit Stroh unterrichten. Und eine polnische Delegation hat sich angemeldet, um vorbereitende Gespräche für das Weltfestival des Flechtens 2023 in Nowy Tomyśl zu führen.

Premiere für Podiumsdiskussion und Kurzfilm-Festival

Denn der Korbmarkt ist für die Flechter nicht nur eine gute Möglichkeit, Umsatz zu machen, sondern auch, sich untereinander auszutauschen. Dazu passt, dass es dieses Jahr erstmals eine Podiumsdiskussion geben wird: Am Freitag, 16. September, von 14 bis 16.30 Uhr wird es in der ehemaligen Synagoge um das Thema „Craft and Future“, also „Handwerk und Zukunft“, gehen.

Die Flechthandwerker werden nicht nur ihre Produkte zeigen, sondern auch ihr Können vorführen.

Premiere feiert heuer außerdem das Kurzfilm-Festival „Flechtkultur – Weaving Culture“ im großes Saal des Stadtschlosses am Samstag- und Sonntagnachmittag. Kuratorin und Flechthandwerkerin Jenni Rubach aus Bamberg hat dafür Kurzfilme rund ums Thema Flechtkultur herausgesucht. Dabei wird erstmals der Film der südfranzösischen Flechtervereinigung „L'Oseraie du Possible“ zu sehen sein. Zehn der insgesamt etwa 35 Mitglieder und die jungen Medienschaffenden, mit denen sie zusammengearbeitet haben, werden dazu nach Lichtenfels kommen.

Flechtfiguren ziehen im August in Schaufenster ein

Neu ist auch die Schaufensterausstellung „Distance“. Sie greift die Idee von ZEF und Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung auf, die im Herbst und Winter 2020 für die Corona-konforme Ausstellung „Lux-us“ Schaufenster in der Innenstadt mit Feinflecht-Leuchten bestückten. Dieses Mal werden die Figuren zu sehen sein, die während des Flecht-Kultur-Sommers 2021 vor der Stadtpfarrkirche die Kunstinstallation „Abstand“ bildeten. Das Werk stammt von Jette Mellgren und Jan Johansen. Die Figuren sollen in den nächsten Tagen in einer Schaufensterfront in der Bamberger Straße einziehen und bis Ende September zu sehen sein.

Die Installation vor der Stadtpfarrkirche hat bereits Tradition. Heuer heißt sie „großefischekleinefische“, ist nach einer Idee von Monika Nickel-Stein in Zusammenarbeit mit Lore Wild und Schülerinnen und Schülern der Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung entstanden und steht bereits. Sie soll noch durch weitere Fische ergänzt werden, die in einfachen Mitmachaktionen vor Ort entstehen werden.

Ausstellung „Jeux des Courbes“ im Stadtschloss

Flechtkunst gibt es außerdem wieder im Stadtschloss zu sehen: „Jeux des Courbes“, also „Kurvenspiele“, von Karen Gossart und Corention Laval aus Frankreich wird am Freitag, 16. September, um 20.30 Uhr eröffnet. Zurzeit ist sie noch im Korbmachermuseum in Dalhausen zu sehen.

Eine liebgewonnene Traditon: das Korb-Karussell. Foto: Till Mayer

Zum umfangreichen Rahmenprogramm gehören außerdem das Korbtheater von und mit Alfred Büttner, das Korb-Karussell von Werner Turtschi aus der Schweiz, Walking-Acts von Dramaukles alias Sven Lange aus Mecklenburg-Vorpommern und die Feuershow „Lux Aeterna“ von Anne Devries. Kinder finden Hüpfburg, Kinderflechten, Zauberei, Spiele und vieles mehr im Hof des Rathauses II; außerdem findet am Samstag wieder der große Kinder- und Jugendflohmarkt in der Farb- und Ringgasse sowie im Hof hinter dem Obermain-Tagblatt statt.

Krönung der neuen Korbstadtkönigin und Königinnentreffen

Als Schirmherren werden, wie bereits berichtet, Ministerpräsident Dr. Markus Söder und Wissenschafts-Comedian Konrad Stöckel fungieren. Dabei hat Söder seinen großen Auftritt beim Einzug und beim Bieranstich am Freitagabend, während Stöckel bei der offiziellen Eröffnung samt Krönung der neuen Korbstadtkönigin am Samstagmittag zugegen sein und danach einen Ausschnitt seines aktuellen Programms „Wenn's stinkt und kracht, ist's Wissenschaft“ präsentieren wird.

Nach der längsten Amtszeit, die eine Korbstadtkönigin bisher je erlebt hat, wird Alicia I. in diesem Jahr ihre Krone abgeben. Diesem Moment werden etwa 40 weitere Königinnen beiwohnen: Alicia hat sie zum großen Königinnentreffen in die Korbstadt eingeladen. Gegen 15.30 Uhr werden sie vor dem Rathaus eine Königinnenmeile bilden und Autogramme verteilen.

„MerQury“ als Highlight auf der Hauptbühne

Und weil der Korbmarkt nicht nur eine Präsentationsplattform fürs Kunsthandwerk ist, sondern auch ein großes Fest, gibt es wieder drei Bühnen: am Marktplatz, am Säumarkt und in der Bahnhofstraße. Live-Musik bietet außerdem der „Dümpfelschöpfer“ am Oberen Torturm, während das DJ-Kollektiv „Trembling Mind“ auf dem Parkplatz in der Stadtknechtsgasse und im Irish Pub für Liebhaber elektronischer Musik die „Trembling Mind Bar“ eröffnen.

Spannung bietet das Korbtheater Alfred Büttner in der ehemaligen Synagoge. Foto: Till Mayer

Als Highlight auf der Hauptbühne hebt Hofmann die „Queen“-Tributeband „MerQury“ hervor: Die Band, die im Musical „We are the Champions“ mitgewirkt hat, ist weltweit unterwegs. Die Moderation übernimmt heuer übrigens Jenny Huth von Radio Eins.

„Das ist auch ein großer Mehrwert für Händler und Gastronomie.“
Andreas Hügerich, Bürgermeister

Da wird an drei Tagen wieder eine Menge auf die Beine gestellt. Das Korbmarkt-Komitee geht davon aus, dass alles so stattfinden kann wie geplant. Sollte die Pandemie aber doch für Einschränkungen sorgen, so sind die Organisatoren vorbereitet, verrät Hofmann: „Es sind ja viele einzelne Programmteile. Wir haben für jeden einzelnen einen Plan B ausgearbeitet.“

Bürgermeister Andreas Hügerich hofft auf einen ähnlich guten Zuspruch wie beim 40. Korbmarkt, als über 150.000 Gäste nach Lichtenfels kamen: „Das ist auch ein großer Mehrwert für Händler und Gastronomie“, betonte er. Zudem verwies er auf den verbindenden Gedanken des Flechthandwerks wie des Flechtkulturfestivals: „Vielleicht kann das grad in der heutigen Zeit ein Beitrag sein zu zeigen: Die Welt wächst zusammen.“

Hinweis: Die einzelnen Programmpunkte wird das Obermain-Tagblatt in den nächsten Wochen noch genauer vorstellen.

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