LICHTENFELS

Das Fundament für Jugendarbeit im Landkreis Lichtenfels

Gemeinsam geehrt, gemeinsam befreundet und gemeinsam 90 Jahre ehrenamtlich für die Jugend aktiv: Margit Barsch und Renate Krippner. Foto: Markus Häggberg

Der Kreisjugendring (KJR) Lichtenfels ist heuer 75 Jahre alt geworden. Der nächste passende Anlass für eine Gala wäre – wenn nicht diesmal – somit erst in 25 Jahren gegeben. So lange wollte man auf Kreis- und Bezirksebene nicht warten und entschloss sich, eine Dankeschön all jenen zu sagen, die sich für die Jugend einbringen. Noch dazu, wo man als Kreisjugendring Lichtenfels das Jahr 2022 zum „Jahr des Ehrenamts erklärte“.

Im Stadtschloss wurde also ein Buffet angerichtet, die Ehrengäste erschienen, die Heinrich-Faber-Musikschule umrahmte, und gefilmt wurde das Ganze auch. Doch worum es im innersten Kern ging, das sollte das KJR-Vorstandsmitglied Heike Leipold in einer Rede vor mehr als 70 Gästen so ausdrücken: „Das Ehrenamt ist das Fundament, der Wegweiser, die Motivation und der Rückhalt für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Vereinen und Verbänden.“

Auch die Heinrich-Faber-Musikschule trug zum Gelingen der Gala bei. Hier zu sehen Mitglieder eines Flötenensembles. Foto: Markus Häggberg

Vorsitzender hat nicht mit eigener Ehrung gerechnet

Weit über 30 Personen aus unterschiedlichsten Vereinen sollten als Dankeschön Ehrenamtsmedaillen verliehen bekommen und für jede einzelne gab es auch eine kleine Laudatio. In dieses Geschehen hinein wurden mit Landrat Christian Meißner und Bürgermeister Andreas Hügerich auch zwei Ehrengäste geladen, die sich von der Vitalität all derjenigen, die sich in ihren Vereinen für Jugend und Nachwuchs einbringen, beeindruckt zeigen sollten. Unter Applaus seiner Grußrede sollte beispielsweise Meißner dem Kreisjugendring wünschen, „weiterhin lebendig“ zu bleiben. Hügerich wiederum hielt zudem fest: „75 Jahre Kreisjugendring – das ist eine Erfolgsgeschichte.“ Beide Lokalpolitiker versprachen eine Spende.

Georg Krauß ist seit wenigen Jahren Vorsitzender des Kreisjugendrings. An diesem Abend im Stadtschloss war er zudem ein durch das Programm führender Conférencier. Und für eine gewisse Zeit sogar etwas ahnungslos dazu, was ihm selbst bevorsteht. Auch er wurde nämlich – für ihn selbst unerwartet – geehrt, und auch ihm wurde eine Medaille zuteil, was er humorig mit einem zum Schimpfen erhobenen Zeigefinger kommentierte.

Auch KJR-Verwaltungsmitarbeiterin Uschi Sünkel erhielt aus den Händen Georg Krauß' eine gewichtige Auszeichnung. Foto: Markus Häggberg

Irgendwann später, als das Geschehen schon bald vorüber war, sollte er dieser Redaktion gegenüber seine Sicht auf ein zukünftiges Wirkungsfeld des Kreisjugendrings preisgeben. Denn tatsächlich lebt man in einer Zeit, in der das Handy und das Internet eine Konkurrenz zum Gemeinschaftserleben darstellen können. „Auch der KJR verändert sich, wir haben Mitarbeiter, die Spezialisten sind und mit den neuen Medien arbeiten“, erklärt Krauß und bleibt auf eine ruhige Weise optimistisch, denn „es werden vom KJR auch Kurse für Betreuer und Medienbeauftragte angeboten“, besonders auch zu der Frage, wie man mit dem Handy umgeht beziehungsweise es einbindet. Doch bei allem Optimismus bedauerte Krauß auch etwas: den Umstand, wonach nicht alle Vereine im Landkreis Mitglied beim Kreisjugendring sind.

Bedauern, dass nicht alle Vereine Mitglied beim KJR

„Leider Gottes“, kommentierte Krauß dazu und verwies darauf, dass man sogar Kinowerbung für Beitritte mache, „viele Vereine aber das Prozedere für einen Beitritt scheuen“. Doch während er das sagte, war die Atmosphäre im Stadtschloss selbst spürbar gelöst und fröhlich.

Ein Grund dafür dürfte auch in dem launigen Ereignis gelegen haben, für das Heike Leipold kurz zuvor sorgte. Eben noch als Kreisvorstand und Laudatorin auf der Bühne, wechselte sie symbolisch das Jackett, um nun auch als Vertreterin für die absente 1. Vorsitzende auf Bezirksebene, Katharina Stubenrauch, Grüße zu übermitteln. 30 Geehrte, tätig für Jugendarbeit zwischen Jugend- und Kreisfeuerwehr, zwischen Sport- und Schützenvereinen oder dem Pfadfindertum, sollten die Bühne betreten und Applaus empfangen. So wie auch Renate Krippner und Margit Barsch vom TV Oberwallenstadt.

Zusammen kommen die beiden Frauen auf 90 Ehrenamt und 40 Jahre Freundschaft. Die eine, weil sie sich als Kassiererin, stellvertretende Vorsitzende und Übungsleiterin einbringt, die andere darum, weil sie seit vier Dekaden Jugendübungsleiterin ist.

„Ich war 14, als ich anfing, mich einzubringen“, erinnert sich Krippner, und Barsch betont, was für „eine gute Idee das war“, dass neben Sportlern auch Ehrenamtliche mal geehrt wurden. Doch sowohl Barsch wie auch Krippner glauben, dass sie durch die Jugendarbeit selbst beschenkt wurden und jünger geblieben sind, als sie es wären, wenn sie diese Aufgabe nicht hätten.

Arbeitete in seiner Ansprache den Wert des Ehrenamts heraus: Ehrengast und Landrat Christian Meißner. Foto: Markus Häggberg

Mit Geld nicht aufzuwiegen

Oder wie sagte es ein anderer Geehrter, der aus Bescheidenheit namentlich nicht genannt werden möchte, und zu dem es in der Laudatio hieß, er bringe sich allwöchentlich für 20 Stunden als Trainer, Betreuer und Platzwart ein. Seit vier Jahren. Überschlägt man das rechnerisch, dann hat der Mann 4000 Stunden damit zugebracht, Jugendlichen im Alter von sechs bis zwölf Jahren hilfreich zu sein.

Der Frage, was ihm das Ehrenamt bedeutet, begegnet er schmunzelnd-philosophisch: „Wenn man in fröhliche Kinderaugen schaut – das wiegt kein Geld auf!“

Die Geehrten

Die Geehrten im Einzelnen: Renate Krippner, Margit Barsch, Helga Bätz, Mandy Renner, Andrea Dütsch, Catrin Peplinsky (TV Oberwallenstadt), Elisabeth Wagner, Susanne Pülz, Mirjam Göldel, Peter Jakoubek (TS Lichtenfels), Isabell Fischer (Kommunale Jugendarbeit), Sabine Krausche (Evangelische Jugend), Tino Schamberger, Roland Dauer, Thomas Müller, Siegfried Hammrich, Anna-Maria Haas (Jugend- und Kreisfeuerwehr), Frank Schwarz (Kgl. Privil. Scharfschützengesellschaft Lichtenfels) Jens Güther (SSV Burgkunstadt), Andrea Hümmer (DJK Franken Lichtenfels), Rebekka Gold, Klaus Gehringer (Royal Ranger), Carolin Jahn (1. FC Trieb), Uwe Engelhardt (1. FC Marktgraitz), Nicole Löppert (AC Lichtenfels), Christina Ullmann (Staffelsteiner Karnevals-Klub), Christopher Thiem (TC Michelau), Reinhard Tropschug (1. FC Baiersdorf), Jörg Kirschbaum (DPSG Lichtenfels) sowie Linda Zöttlein, Kathrin Müller, Uschi Sünkel und Georg Krauß (KJR Lichtenfels).
 

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